Sonntag, 16. Dezember 2018

[Sonntagstee] mit Schwangerschaftsabbrüchen

Netzfunde der Woche mit viel Tee runterspülen.
Jedes Wochenende sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Diese Woche kommt mein Wochenrückblick einen Tag später. Das liegt unter anderem daran, dass ich für ein paar Tage vorweihnachtliche Familienbesuche gemacht habe - und im ICE das versprochene WLAN nicht funktioniert. "Das tut mir sehr leid, aber da können wir gar nichts machen. Die Elektronik sitzt unter der Decke, da kommen wir nicht ran", sagte der freundliche Zugbegleiter zu der Dame hinter mir und wies mit dem Zeigefinger nach oben. Höhere Gewalt sozusagen.

Statt Netzfunde zusammenzufassen, habe ich also wissenschaftliche Artikel für die Uni gelesen und die besten Brezeln von allen in mich hinein gestopft. An dieser Stelle ein Hinweis: Wenn es um Laugengebäck wird, bin ich entschiedene Lokalpatriotin. Brezeln müssen dünne, knackige Ärmchen haben! Wenn Brezeln durchgehend weich sind, kann man auch Laugenbrötchen essen!
 

Netzfunde zu Schwangerschaftsabbrüchen

In der vergangenen Woche sind in Sachen Abtreibung wieder einige lesenswerte Artikel online gegangen: Die Große Koalition hat sich nämlich nach langem, zähem Ringen in Sachen §219a StGB (ich habe berichtet) geeinigt. Leider nicht auf seine Abschaffung, sondern auf eine Reform. Wie die aussieht, lässt sich hier bei Spiegel Online nachlesen.

Kristina Hänel, Nora Szász und Natascha Nicklaus sind aufgrund dieses Paragraphen angeklagt worden. In ihrer Presseerklärung bezeichneten sie den Kompromissvorschlag als "Nullnummer"

Katharina Alexander hat auf zett einen wütenden Kommentar geschrieben. Sie ärgert sich über die "Rückgratlosigkeit der SPD", die sich zwar monatelang gegen diesen Paragraphen ausgesprochen hat, aber dennoch einem Kompromiss zustimmt, der Forderungen von Abtreibungsgegner*innen enthält.

Die Twitterperlen zum Kompromiss haben mich zumindest zum Lachen gebracht: "Es wird endlich Zeit, dass Ärzte über Abtreibungen frei reden dürfen. Es ist ein medizinischer Eingriff und nicht Lord Voldemort", schrieb beispielsweise Shahak Shapira.

Über den deutschen Tellerrand hinausgucken konnte man diese Woche auch: Feli beschreibt in ihrem Blog "Berlinerin in Frankreich", wie entschieden sich die Französ*innen für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche einsetzen. Wer hier eine abtreibungswillige Person an ihrem Vorhaben hindern will, kann mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und einer saftigen Geldstrafe bestragt werden.

In die andere Richtung entwickelt sich Italien momentan: Die taz berichtet von Forderungen nach drakonischen Strafen für Schwangerschaftsabbrüche - und von einer insgesamt reaktionären Politik in Sachen Frauenrechte.


Habt einen schönen Sonntag!

Kommentare:

  1. Werbung. Werbung! Das muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen. Kristina Hänel hat ganz schlicht unter allem, was in ihrer Praxis angeboten wird, auch aufgelistet: Schwangerschaftsabbruch. Und wenn man dem Link folgt, kann man Infomaterial anfordern. Ich habe es mir angesehen, es ist vollkommen nüchtern und sachlich.
    Ich kriege eine riesige Spuckwut bei diesem Thema. Wovor haben die denn Angst? Dass auf einmal alle sagen, "hey, ich werde mal schwanger, damit ich auch endlich mal so eine schicke Abtreibung machen lassen kann, hab neulich schon wieder eine Praxis gesehen, die das anbietet"?
    Der massive Druck dieser Sorte entsteht durch erklärte Abtreibungsgegner, von denen viele dafür wären, höchstens bei medizinischer Indikation und eventuell noch kriminologischer Indikation Abtreibungen zu "erlauben". Die suchen jeden möglichen Ansatzpunkt, um Ärzten wie Kristina Hänel, die anderen in Notlagen helfen, das Leben schwerzumachen. Die reaktionären und isolationistischen Kräfte, die da gerade durch die Botanik wogen, fühlen sich an, als wäre in Deutschland das mentale Klo verstopft, und jetzt spült es die ganze Scheiße nach oben. Verzeihung. Und zum Glück läuft anderes ja auch super. Aber ...
    Ach, bah. Könnte ganz eventuell sein, dass mir bei dem Thema so ein bisschen das Messer in der Tasche aufgeht.

    Ansonsten ganz friedlichen und herzlichen Adventssonntagsgruß
    Maike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir geht's da ganz genau wie dir. Ich werde heute Abend mal wieder gegen §219a StGB demonstrieren gehen. Es ist einfach so so so sehr zum Kotzen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

      Löschen
  2. Ich habe zu diesem Artikel bei Dir keinen Link gefunden - sorry, falls ich ihn übersehen habe, ansonsten: Ich glaube, er könnte Dir gefallen:
    https://www.juramama.de/2018/12/14/raus-aus-meinem-uterus-der-219a-und-seine-freunde/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du hast ihn nicht übersehen, ich hatte ihn tatsächlich nicht drin, weil ich es am Samstag nicht mehr geschafft habe, so viel zu lesen (weilwegen so viel Wut)... Danke für's Erinnern!

      Löschen

Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du, dass der von dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. Username, E-Mailadresse, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Bitte nicht wundern, wenn es ein wenig dauert, bis der Kommentar sichtbar wird: Ich moderiere und beantworte jeden einzelnen, um Spam auszuschließen und nichts zu verpassen.