Samstag, 25. August 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Herbststimmung in Berlin. Am besten mit einer großen Portion Tee.
 Jeden Samstag sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Es wird Herbst in Berlin. Durch das geöffnete Fenster weht kühle Luft herein. Sie riecht nach Regen. Während ich das tippe, prasseln kleine Tropfen in den Innenhof. Nachbarn stehen vor ihren Haustüren und lassen sich davon gar nicht stören - als wären sie ganz zufrieden damit, dass der Sommer seine 35 Grad-Nachmittage, seine Dürre und seine strahlende Helligkeit eingepackt hätte und sich anschickt, in sein Winterquartier umzuziehen.

Ich für meinen Teil bin sogar extrem zufrieden damit. Und die Feuerwehrleute, die in Brandenburg gerade versuchen, 400 Hektar Waldbrand zu löschen, freuen sich wahrscheinlich auch darüber.

Netzfunde


Selbstverständlich habe ich auch in dieser Woche wieder das Internet ausgiebig benutzt und ein paar Links mitgebracht, die mir besonders ins Auge gestochen sind. Wem die heutigen Empfehlungen nicht ausreichen, kann sich auch nochmal die allgemeineren Podcast-Empfehlungen vom Donnerstag zu Gemüte führen.

Feminismus


Führt ihr eigentlich Diskussionen in (Facebook-)Kommentarspalten? Ich kann es oft nicht lassen, mich gegen sexistische/rassistische und sonstige widerliche Äußerungen zu stellen. Weniger, weil ich hoffe, meine konkreten Kontrahent*innen umstimmen zu können, als wegen der Mitlesenden. Gerade wenn Menschengruppen attackiert werden, möchte ich das nicht so stehen lassen. Aber es ist so unendlich ermüdend. Ich verliere zunehmend die Lust, meine Freizeit damit zu verbringen, angesichts der immer gleichen Vorwürfe Freizeit zu opfern und immer wieder wortreich meine Position zu verteidigen. Freizeit, in der ich auch einen Artikel für das innenAnsicht-Magazin schreiben könnte. Oder Buchrezensionen und Posts für dieses Blog. Also Dinge, die mir Spaß machen und mit denen ich hoffe, Menschen ansprechen und informieren zu können, die ernsthaftes Interesse haben.

Gleichzeitig fällt es mir schwer, beispielsweise Hass gegen Feminist*innen einfach stehen zu lassen. aber vielleicht ist es eine Option für mich, in solchen Fällen einfach Links zu hinterlassen. Beispielsweise zu diesem Text von PinkStinks: Feminismus - eine Verteidigung antwortet auf fünf häufige Vorwürfe (zum Beispiel, dass Feminist*innen was gegen Hausfrauen oder Feminität hätten).

Apropos Hass gegen Feminist*innen: Bei Watson kritisierte diese Woche ein besonders widerliches Beispiel für Misogynie und den Hass, den sich in der Öffentlichkeit äußernde Frauen so auf sich ziehen. Ich mag aus diesem Artikel gar nicht zitieren, weil es mich so wütend macht, ihn nochmal zu lesen. 

Geflüchtete und Seenotrettung

Wie funktioniert eigentlich Seenotrettung im Mittelmeer konkret? Nicolar Semak spricht im Podcast "Elementarfragen" mit der Medizinstudentin Maike J., die im Sommer 2018 bei einer zivilen Seenotrettungsmission dabei war. Dabei erzählt sie von ihrer ziemlich spontanen Entscheidung, sich für eine solche Mission zu melden, wie ihr Alltag auf dem Schiff Seefuchs aussah und welche Eindrücke des Einsatzes sie immer noch beschäftigen. Besonders ihr Bericht von der Nacht, als sie und ihre Crew eine Gruppe Menschen nicht retten durften, hat mich sehr betroffen gemacht. Es ist ein Unterschied zu wissen, dass immer wieder Menschen im Mittelmeer ertrinken und einer Frau zuzuhören, die nichts dagegen tun durfte.

Während Menschen aus Afrika zu Hunderten ertrinken und dieser Umstand allmählich alltäglich zu sein scheint, ist die Seenotrettung einer weißen Britin, die betrunken übers Kreuzfahrtschiffsbord ging, Anlass für gewaltige Berichterstattung. Sascha Lobo schreibt für Spiegel Online, es sei schwierig, angesichts dieser Diskrepanz nicht zynisch zu werden. Ich bin ihm dankbar, dass er den Grund für diese unterschiedliche Bewertung beim Namen nennt: Es handelt sich schlicht und ergreifend um Rassismus. "Sehe ich mich als Rassist? Nein. Enthält mein Denken rassistisch wirksame Muster? Natürlich. Der Kampf gegen Rassismus besteht deshalb nicht nur darin, offenen Rassisten entgegenzutreten, sondern auch, rassistische Denkmuster, Strukturen, Selbstverständlichkeiten zu entlarven und immer wieder zurückzudrängen, auch bei sich selbst."

"Mit Menschen hat man Empathie. Mit Naturkatastrophen nicht", sagt die Linguistin Elisabeth Wehling im Interview mit Edition F. Aus diesem Grund seien Begriffe wie "Flüchtlingstsunami" und Co so verheerend. Im Interview erklärt sie außerdem, wie politisches Framing genau funktioniert und warum sich Medien den AfD-Sprech nicht überstülpen lassen sollten.

Habt ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 23. August 2018

Ohrenfutter #3: Gesprächspodcast

Foto: whoalice-moore auf Pixabay
Meine Liebe zu Podcasts ist ja hinlänglich bekannt - bei nahezu jedem Samstagstee empfehle ich die eine oder andere Episode. Heute möchte ich euch wieder geballt einige empfehlen, die ich sehr schätze und häufig höre. Dieses Mal: Leute, die mit Leuten reden - sowohl Interviews als auch plaudernde Teams.


In "Durch die Gegend" geht Christian Möller mit Interviewpartner*innen an Orten spazieren, die ihnen wichtig sind - beispielsweise in ihren Wohnvierteln oder an ihren Lieblingsplätzen. Das dauert dann schon mal zwei Stunden und schafft damit Zeit und Raum, den Gästen so richtig nahe zu kommen. Menschlich, herzlich und oft auch witzig, ohne dabei an Tiefgang zu verlieren. Besonders gerne gehört habe ich die Episode mit der Publizistin Carolin Emcke.

Mit "Elementarfragen" will Nicolas Semak "außergewöhnliche[n] Persönlichkeiten und Biographien" nachspüren. Mit den Interviewpartner*innen spricht er darüber, was sie antreibt. Im Unterschied zu "Durch die Gegend" ist es deutlich weniger locker und lustig, sondern deutlich ernster - da finden sich dann auch Gespräche über den RAF-Terrorismus oder das Sterben auf dem Mittelmeer. Empfehlenswert auch: die Episode mit der Grünen-Politikerin Claudia Roth.

Der ZEIT Online-Podcast "Alles gesagt?" hat ein witziges Konzept: Jede Episode dauert genau solange, bis die Gäste beschließen, jetzt genug gesprochen zu haben. Bisher habe ich nur die Episode mit der Komikerin und Autorin Sophie Passmann gehört - die dauert aber auch vier Stunden.

In "Servus. Grüezi. Hallo" spricht der Politik-Chef von ZEIT Online, Lenz Jacobsen, mit Matthias Daum und Florian Gasser, den ZEIT-Korrespondenten aus Zürich und Wien - über Politik, Kultur und Gesellschaft in den drei Ländern. Da geht's dann mal um Unterschiede zwischen den jeweiligen rechtspopulistischen Parteien, um bezahlbaren Wohnraum und um "Tatort". Besonders mag ich, dass die drei Herren nicht nur auf sehr angenehme Art intensiv diskutieren, sondern sich auch offenkundig gut verstehen und herumfrotzeln - manchmal lache ich unvermittelt laut. Jeden Mittwoch erscheint eine neue Folge.

"Verbrechen" von ZEIT Online beschäftigt sich mit Kriminalfällen und ihren Hintergründen. Hier sprechen Sabine Rückert, ZEIT-Chefredakteurin, und Andreas Sentker, der Leiter des Wissensressorts der ZEIT, über einzelne Fälle. Sabine Rückert hat als Redakteurin große Strafprozesse verfolgt und sogar zwei Justizirrtümer aufgedeckt - viele der besprochenen Fälle hat sie während des Prozesses intensiv verfolgt. Spannend und oft erschütternd! Ziemlich mitgenommen hat mich die Episode "110 - Bei Anruf Tod" um einen Jugendlichen, der nach einer Partynacht zu Tode kommt.

"What's In Your Pants" begleitet Transmann Toby auf seiner Transition. Momentan pausiert dieser Podcast aufgrund der umfangreichen OPs, von denen Toby sich vermutlich gerade erholt. Allerdings gibt's mit momentan 40 Folgen eine Menge Material zum Nachhören. In emotionaler Hinsicht ist dieser Podcast eine ziemliche Achterbahnfahrt - vom pubertären Peniswitz bis zu intimen Einblicken in Tobys Seelenleben dauert's manchmal nur eine Minute. Unverstellt, albern und sehr berührend. Mein Tipp: Am Anfang anfangen und Tobys Reise chronologisch begleiten.

In "Anekdotisch evident" sprechen Katrin Rönicke und Alexandra Tobor einmal im Monat über ein konretes Thema in möglichst vielen Facetten. Die Themen sind dabei total unterschiedlich: Schmutz wird ebenso behandelt wie Grenzen oder Fotografie. Dabei werden sowohl Sachbücher und Wissenschaftler*innen zitiert als auch ganz persönliche Erlebnisse eingewoben. Mein Tipp: Die Folge zur Emanzipation (nee, nicht nur die der Frauen!).

Viel Spaß beim Zuhören!

Samstag, 18. August 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Beim heutigen Samstagstee geht es auch um sie: Frida Kahlo.
Jede Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Vielen Dank für eure Genesungswünsche in der letzten Woche! Mittlerweile genieße ich manuelle Therapie bei einer ganz wunderbaren Physiotherapeutin um's Eck, die mir unheimlich hilft. Offenbar war's eine sehr gemeine Zerrung im Hüftbereich, die mich schachmatt gesetzt hatte. So ganz groß ist mein Bewegungsradius noch nicht, aber es wird.

Netzfunde der Woche

Im Internet war ich auch wieder unterwegs - (zivile) Seenotrettung und Feminismus haben mich dabei diese Woche verstärkt beschäftigt.

Seenotrettung

Heute marschieren Rechtsextreme in Spandau (Bericht bei Neues Deutschland), um Rudolf Heß zu gedenken, der hier vor dreißig Jahren starb. Von der geplanten Route wurden sie bereits abgedrängt, außerdem wird die Gegendemo deutlich größer. Parallel läuft die Aktion "Ein Cent gegen Nazis - Der unfreiwillige Spendenlauf für Menschenrechte". Dabei werden für jede*n marschierende*n Rechtsextreme*n Spenden gesammelt: Ein Cent pro Kopf. Das Spendenaufkommen geht an Sea-Watch e.V., um zivile Seenotrettung zu unterstützen.

Apropos zivile Seenotrettung: Eine liebe Freundin hat mich auf den Seenot-Montag aufmerksam gemacht, einen "dezentralen Flashmob der Rettungsboote". Dieser ist geschaffen worden angesichts der Schwierigkeiten, die zivile Seenotrettungsgruppen im Mittelmeer gerade haben. Überall soll dabei, unabhängig von Großdemonstrationen, Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit der Rettung gerichtet werden. Mitmachen kann jede*r, ob allein oder als Gruppe, mit viel und auch mit wenig Aufwand. Als Beispiele wurden von den Organisator*innen "gefaltete, mit Straßenkreide gemalte, auf dem Fahrradgepäckträger herum gefahrene, als Brosche getragene" Boote - der Fantasie sind also keine Grenze gesetzt: "Hauptsache, viele viele Boote im öffentlichen Raum." Um die Aktion noch sichtbarer zu machen, wird darum gebeten, die Fotos unter dem Hashtag #seenotmontag zu veröffentlichen. In dieser Facebook-Veranstaltung zum Seenotmontag gibt es noch mehr Infos, aber vielleicht ist ja auch jemand interessiert, der*die nicht so sehr auf Facebook unterwegs ist.

Feminimus

Ist euch mal aufgefallen, dass Frida Kahlo zur Zeit quasi überall ist? Ich hab sie auf Jutebeuteln gesehen, auf T-Shirts, in Büchern - und sogar über meinem Bett hängt ja ein selbstgemaltes Porträt von Frida. Der Deutschlandfunk widmete ihr angesichts einer aktuellen Ausstellung in London einen Bericht. Darin geht's nicht nur darum, inwiefern Frida Kahlo eine Stilikone ist, sondern auch darum, warum sie im Feminismus so eine wichtige Rolle spielt. (Anmerkung: Angesichts der Inspiration, die sich Modeschöpfende aus Fridas Kleidung tragen, denke ich natürlich direkt an kulturelle Aneignung im Sinne der Critical-Whiteness-Bewegung und finde es mindestens schwierig.)

Beim brause*mag ist diese Woche ein Artikel erschienen, der einen Blick auf feministische Kämpfe in Iran, Südkorea, Südafrika und Argentinien wirft.

Im innenAnsicht-Magazin gibt es diese Woche den Erfahrungsbericht einer Betroffenen von Vaginismus, also Schmerzen im Bereich des Scheideneingangs. Diese Schmerzen sind so intensiv, dass vielen Betroffenen jegliches Einführen von Fingern, Sexspielzeugen, aber eben auch Tampons unmöglich ist.

Habt ein schönes Wochenende!

Samstag, 11. August 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Samstagstee ist besonders wichtig, wenn man nicht aus dem Bett kommt.

Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Das war keine schöne Woche für mich. Kurz nachdem ich den letzten Samstagstee veröffentlicht habe, lag ich vor dem örtlichen Rossmann auf dem Boden. Aufstehen war nicht. Und üble Schmerzen hatte ich auch: Hexenschuss. Was folgte, war eine Krankenwagenfahrt und diverse Stunden auf einem Flur in der Notaufnahme. Immerhin: Nur nette Leute um mich herum.

Die folgenden Tage habe ich hauptsächlich auf der Couch verbracht, lange stehen geht immer noch nicht besonders gut, aber immerhin kann ich wieder ohne Hilfe aufs Klo.

Alles ein bisschen blöd also. Nicht mal im Internet hab ich gelesen. Aber solche Wochen gibt es einfach auch - und definitiv freue ich mich darauf, wieder ungehindert in die Hocke zu gehen und mich zügig durch die Stadt zu bewegen. Drückt ihr mir die Daumen, dass ich bald wieder soweit bin?

Netzfunde der Woche 

Ein wenig habe ich die Zeit natürlich auch genutzt, um im Internet zu stöbern.

Gute Idee für gelangweilte Nachmittage, an denen man mit Schmerzen im Bett liegt: Podcasts. Höre ich ja grundsätzlich gerne, aber diese Woche hatte ich auch Zeit für richtig lange Strecken. Und so habe ich Sophie Passmann im Podcast "Alles gesagt" von Zeit Online gehört. Vier Stunden lang. Frau Passmann spricht darin - unter anderem versteht sich - über Feminismus, Sozialdemokratie und antifaschistisches Liedgut. Die erste halbe Stunde oder so fand ich schwer erträglich, weil die beiden Typen ständig reinquatschen. Aber entweder wird es besser oder ich hab mich dran gewöhnt. Auf jeden Fall bin ich einmal mehr begeistert von Frau Passmann. (Zuletzt war ich das öffentlich im Juni. Nachzulesen hier.)

Videos gehen auch: ze.tt hat ein Video zum Thema Brustkrebsvorsorge geteilt, das ich sehenswert finde. Weil Brustkrebsvorsorge wichtig ist. Und weil das Video schön anzusehen ist. 

Unter dem Titel "Elon Musk und die Mobmaschine" schreibt Sascha Lobo auf Spiegel Online über Männlichkeitsperformance, (Cyber-)Mobbing und Meinungsfreiheit.

Habt ein wunderschönes Wochenende, ihr Lieben!

Samstag, 4. August 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden zu Rassismus

Für heiße Schokolade war es diese Woche eigentlich zu warm. Aber so lecker!
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.  

Einmal mehr ist die Woche an mir vorbeigerauscht. Das liegt auch an meinem Übernachtungsgast: Seit Donnerstag ist Murphy zu Besuch, ein betagter French Bulldog-Herr. Er hasst die Hitze so sehr wie ich, pupst infernalisch und hat die niedlichsten Kulleraugen ever. Wahrscheinlich werde ich sein Geschnaufe fürchterlich vermissen, wenn er morgen Abend wieder zurück zu seiner Mama geht.

Netzfunde der Woche

Gelesen habe ich im Netz diese Woche natürlich trotz Hundebesuch. Besonders präsent war mir dabei ein Punkt: Rassismus ist gerade aufgrund des neuen Hashtags #metwo endlich wieder in der großen Diskussion.

Rassismus

Die taz berichtete online über den Hashtag #metwo: "Dass über Alltagsrassismus in Deutschland öffentlich gesprochen wird, ist absolut überfällig. Noch überfälliger ist allerdings eine Grundhaltung, die Selbstreflexion und Selbstkritik zulässt. Die nicht sofort abblockt, wenn das Wort Rassismus fällt." Denn genau das ist es, was immer wieder sichtbar wird: Sobald Mesut Özil oder irgendjemand sonst auf rassistische Angriffe hinweist, antworten hauptsächlich weiße Menschen ohne Migrationshintergrund wutschnaubend, das sei doch kein Rassismus. Und sowieso nicht schlimm. 

Dass Rassismus aber halt sehr wohl schlimm ist, zeigt ein Vice-Artikel: "Deutscher schießt auf minderjährige Geflüchtete und niemand interessiert sich dafür" Laut Artikel habe es 2019 bereits mindestens 359 Angriffe auf Geflüchtete und Unterkünfte gegeben. Einige Beispiele vom Juli werden im Artikel auch genannt, etwa ein Mann in Halle (Saale), der mit einer Eisenstange auf zwei Geflüchtete einschlug. Problematisch: Medien berichten kaum noch über Gewalt gegen Geflüchtete und gleichzeitig findet eine Bagatellisierung durch die Polizei statt, die rassistische Motive eher nicht so unbedingt sieht.

Ein langes persönliches Gespräch mit Mo Asumang hat Deutschlandfunk Kultur zum Thema Rassismus geführt. Darin erzählt sie, sie habe sich lange als Opfer geführt. Durch eine konkrete Morddrohung ändert sich das: Nach einer Phase voll Angst geht sie in die Gegenwehr und will die Leute treffen, die sie so sehr hassen. Sie arbeitet mit Häftlingen, besucht Pegida-Demos und besucht sogar den Ku-Klux-Klan in den USA.

Persönlich wird es auch kurz im Interview zu "Ankerzentren" im Deutschlandfunk Kultur. Darin spricht Vanessa Vu, die einem bayerischen Asylbewerber*innenheim aufgewachsen ist, unter anderem auch über ihre Erfahrungen und wie diese sich auf ihre Haltung zu den "Ankerzentren" auswirken. (Aufmerksame Leser*innen kennen Vanessa vielleicht schon, seit ich euch kürzlich den Podcast Rice and Shine vorgeschlagen habe.)

Auch Sascha Lobo spricht in der aktuellen Ausgabe seines Debatten- und Reflexionscasts über Rassismus und Integration - und konzentriert sich dabei auf die Rolle des Journalismus. Seine These: Medien könnten "nicht mehr so zu tun, als könne man neutral und objektiv über Vorgänge berichten, über die sich aus der Perspektive der liberalen Demokratie nicht neutral und objektiv berichten lässt."

Feminismus

Zum Abschluss habe ich noch etwas Schönes aus Neuseeland für euch: In Wellington hat sich die siebenjährige Zoe darüber geärgert, dass auf ein Hinweisschild zu Bauarbeiten an den Oberleitungen nur auf "Linemen" hingewiesen wurde. Dass Frauen zwar an den Leitungen arbeiteten, aber nicht genannt wurden, fand sie "falsch und unfair" - und teilte das der zuständigen Behörde in einem Beschwerdebrief mit. Sehr cool: Die Behörde versprach laut Bento-Informationen, in Zukunft von einer "Linecrew" zu sprechen. Ich bin entzückt und sehr begeistert von Zoe.  

Habt ein schönes Wochenende!