Sonntag, 22. Juli 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Viel Tee und Liebeslektüre an diesem Sonntagnachmittag

Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.  
 
Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Woche? Meine war gefüllt mit meinem Typo3-Kurs und weiteren Schritten in Sachen Zukunftsplanung. Ihren krönenden Abschluss fand sie am Freitagabend im Garten einer Bekannten - mit Gras unter den Zehen, Windbeuteln im Bauch und Erdbeeren in der Bowle. Diese Bowle ist auch schuld daran, dass dieser Beitrag erst heute erscheint, gestern war dann nämlich viel Rumliegen und 80er-Jahre-Actionfilmgucken angesagt...

Netzfunde der Woche

Zwischendurch und immer wieder habe ich diese Woche auch gelesen. Meine Rezension zu "Der Ursprung der Liebe" von Liv Strömquist ist ein Ergebnis davon. Online war aber noch viel mehr los. Eigentlich hätte ich schon am Dienstagvormittag genügend Material für einen ordentlich gefüllten Post gehabt, aber natürlich nicht zum selben Zeitpunkt aufgehört, Artikel zu durchforsten. Also schenkt euch ein Heißgetränk eurer Wahl nach, macht es euch gemütlich und klickt euch durch. 

Widerstand gegen Zerbröselung der Demokratie


Madeleine Albright warnt im Deutschlandfunk Kultur vor einer neuen faschistischen Gefahr. Der Faschismus sei heute eine Methode, die Gesellschaft zu spalten, nach dem Motto "Wir gegen die anderen!". Neben einem kritischen Blick in die USA geht es auch kurz um den Rechtsruck in Europa.

Bei Spiegel Online berichtet Georg Dietz unter dem Titel "Widerstand. Eine Geisteshaltung, die man einüben kann" von einer Berliner Veranstaltung zum Widerstand gegen das Hitler Regime. Von dort schlägt er einen Bogen zum aktuellen Rechtsruck in Europa und welche Bedeutung das Wort "Widerstand" darin erfährt - sowohl von Seiten derer, die Europa durch diesen Rechtsruck gefährdet sehen, als auch durch die Rechten selbst, die diesen Begriff für sich vereinnahmen wollen.

Ebenso wie den Begriff "Widerstand" versuchen die Rechten auch, sich feministische Ideen anzueignen und sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Insbesondere seit der Silvesternacht 2015/2016 in Köln soll Fremdenfeindlichkeit durch Berufung auf Frauenrechte legitimiert werden. Die Rechte der Frauen seien nämlich, so die rechte Erzählung, nur durch Männer mit Migrationshintergrund und deren rückständiges Frauenbild gefährdet. DaMigra, der Dachverband der Migrantinnenorganisationen, hat gegen diese Vereinnahmung die Aktion #ohneuns ins Leben gerufen. Bei Watson gibt es ein Interview dazu.

Widerstand sollte auch im Netz geleistet werden, befindet The Verge. Die alte Weisheit "Don't Feed The Trolls" sei falsch - Trolle unwidersprochen Hass verbreiten zu lassen, lasse die angegriffenen Menschen mit ihren Verletzungen allein.

Mit Trollen beschäftigt sich auch die Studie "Hass auf Knopfdruck" des Londoner Institute for Stragtegic und der Initiative #ichbinhier. In diesem Artikel auf jetzt.de warnt die Initiative vor den Folgen, die organisierte Troll-Armeen im Netz für die gesamte Gesellschaft hätten - am Ende solle nicht nur die Demokratie in den Kommentarspalten, sondern im ganzen Land ausgehebelt werden.

Sexuelle Belästigung

Frauen wird ja gerne mal gesagt, sie sollten sich sofort wehren, wenn sie sexuell belästigt werden. Dass das ziemlich fiese Folgen für die Belästigte selbst haben kann, erfährt gerade Sigi Maurer. Die ehemalige Abgeordnete der österreichischen Grünen bekam sexistische Facebook-Nachrichten und machte diese samt Absender öffentlich. Jetzt wurde sie vom Besitzer des Accounts verklagt, er habe die Nachrichten gar nicht selbst geschrieben und durch Maurers Veröffentlichung wirtschaftlichen wie immateriellen Schaden erlitten. Spiegel Online berichtete hier und in der Kolumne von Margarete Stokowski. Ich bin vor allem unangenehm überrascht, dass derartige Nachrichteninhalte in Österreich nicht strafbar sind.

In Leipzig verharmloste die Polizei derweil einen sexuellen Übergriff in einer Polizeimeldung: Der Grabscher habe sich von den "ebenmäßigen Formen" einer jungen Frau "magisch angezogen" gefühlt. Bento berichtete darüber und erläuterte die drei Hauptprobleme: Neben der Verharmlosung werde mit dieser Wortwahl auch Victim Blaming betrieben und statt nüchtern zu berichten, lieber eine unterhaltsame Geschichte erzählt.

Schwangerschaftsabbruch


Auf Bento erzählen drei Frauen von ihren Erfahrungen in der Schwangerschaftkonfliktberatung. An sich ein guter Artikel, weil sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergrundgeschichten und Sorgen zu Wort kommen und weil deutlich wird, dass der Wert der Konfliktberatung in hohem Maße von der beratenden Person abhängt. Ich finde es allerdings extrem schade, dass eine Frau berichtet, ihren Abbruch hinterher als "Mord" zu empfinden und die beiden anderen sich für die Fortführung der Schwangerschaft entschieden haben. Da hätte ich von Bento echt mehr erwartet. 

Überhaupt wird von Abtreibungen in den allermeisten Fällen nur mit der "Das ist alles ganz fürchterlich und schlimm"-Grundhaltung gesprochen, auch in feministischen Kreisen. Dass ein Schwangerschaftsabbruch auch ohne große Gewissensqualen geschehen und schlicht eine große Erleichterung sein kann, kommt selbst in feministischen Diskursen nur selten vor, bemängelt Claire im *innenAnsicht-Magazin.

Habt ein schönes Restwochenende!

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