Samstag, 14. Juli 2018

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Erst mal eine Tasse Tee, dann reden wir weiter!
 Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.  

Diese Woche war eine gute Woche. Am Dienstag erreichte mich eine Mail, welche die Weichen für die nächsten Jahre gestellt hat. Ich freue mich unheimlich darüber und habe einen beträchtlichen Teil dieser Woche mit den entsprechenden Vorbereitungen verbracht. (Mehr Infos gibt's dann, wenn alles in trockenen Tüchern ist.)

Abgesehen von Freudentränen und Bürokratie habe ich viel gelesen, um bald wieder eine Rezension veröffentlichen zu können und euch heute wieder ein paar Netzfunde zuspielen zu können.

Feministische Netzfunde der Woche

"Danke, es hat Taschen!" von Wepsert beschreibt die Entwicklung der Frauenkleidung in Sachen Taschen und warum diese so wichtig für die Emanzipation sind: "Frauenbekleidung ohne Taschen zu konstruieren, ist bis heute eine Entscheidung, die auf den Annahmen fußen könnte, dass Frauen nicht bauen und erschaffen und keine Werkzeuge mit sich herumtragen und dass Frauenbekleidung (und der Mensch darin), in erster Linie gut aussehen muss. Funktionalität hinten angestellt. Was natürlich großer Quark ist (...)"

"Wenn der Zyklus Achterbahn fährt" im Tagesspiegel berichtet über PMDS, die prämenstruelle dysphorische Störung. So wird ein die schwere Form des prämenstruellen Syndroms bezeichnet, die einige aufklären, das Menschen mit Uterus vor der Menstruation quält. Neben körperlichen Symptomen (Krämpfe, schmerzende Brüste, etc.) treten dabei auch psychische Symptome auf (emotionale Labilität, Angstzustände, etc.). Beschrieben wird im Artikel, was während des Zyklus' in hormoneller Hinsicht so passiert und dass ein Zyklustagebuch helfen kann, dem auf den Grund zu kommen. Außerdem gibt es ein paar Tipps, wie die Beschwerden gelindert werden können. Soweit so super. Was mich aber trotzdem nervt: Schon im Teaser wird angesprochen, dass auch die Partner unter der PMDS zu leiden haben. Zwei Fragen: Soll das ein generisches Maskulinum sein? Oder gehen wir einfach hier mal davon aus, dass nur Heteras PMDS haben? Eine dritte Frage schließt sich für mich an: Warum muss in einem Artikel über krasse Beschwerden von Menschen mit Uterus schon gleich zu Beginn darauf verwiesen werden, dass auch die armen Menschen ohne Uterus darunter leiden müssen? (Der Artikel verwendet übrigens wenig überraschend "Frauen" und "Männer".)

Für diejenigen von euch, die auch "The Handmaid's Tale" ("Der Report der Magd") von Margaret Atwood gelesen oder die Serie gesehen haben, könnte dieses Interview der Autorin mit Penguin interessant sein. Sie spricht darin unter anderem über ihre Überlegungen zum Plot, über ihr Leben in Berlin während der Niederschrift und über die Rezeption des Romans in den 1980ern und heute.

Außerdem bin ich bei Good Impact auf ein Interview mit Mithu Sanyal gestoßen. Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin wünscht sich ein "verpflichtendes Gendertraining in Kindergärten und Schulen", das allerdings Erzieher*innen und Lehrer*innen als Zielgruppe hat, nicht die Kinder. Es soll dabei helfen, dass Kinder nicht mehr nach Geschlechtsstereotypen erzogen werden. Diese Abkehr von Stereotypen soll präventiv gegen Sexismus und sexuelle Gewalt helfen. Wenn Mädchen auf der einen Seite nicht mehr beigebracht würde, still und lieb zu sein und Jungs Emotionen nicht nur haben, sondern auch darüber sprechen dürften, sei es für alle einfacher, Grenzen zu formulieren.

Zuletzt muss ich doch noch was zum Thema Fußball-WM sagen. Ich hatte euch vor vier Wochen zwar eine ballfreie Zone versprochen, aber diese beiden Themen sind mir dann doch wichtig:
In Großbritannien wurde eine Studie durchgeführt, laut der es während Fußballturnieren häufiger zu häuslicher Gewalt kommt. Der Artikel bei ze.tt meint, dieses Ergebnis ließe sich vermutlich auch auf andere Länder übertragen. Zahlen für die häusliche Gewalt in Deutschland gibt es also (noch) nicht.
Ein Sündenbock unter den Spielern ist allerdings ausgemacht worden und der bekommt zumindest verbal einiges ab: Mesut Özil. Übermedien untersuchte den Sturz vom "Integrationsmaskottchen zum Buhmann". Der Artikel "Die Unerwünschten" bei ZEIT Online kritisiert die symbolische Opferung des Spielers, zieht den Rahmen dann jedoch weiter auf. Dort geht es dann um den "Fremden" als Sündenbock im Allgemeinen, mit Mesut Özil und Geflüchteten als Beispiele.

Genießt euer Wochenende!

Kommentare:

  1. Da musste ich ja grinsen, da ich schon seid Jahren gerade als Hundebesitzerin ständig auf der Suche nach Kleidung mit vernünftigen Taschen bin. Oft genug musste man dann auf Männerklamotten ausweichen (für die Hunderunde im Wald geht das ja, aber eigentlich finde ich das doof). Gut, dass sich das allmählich ändert.
    Den "Report der Magd" habe ich auch letztens gelesen, nachdem ich Atwood für mich durch die "Hexensaat" gefunden habe.
    Morgen rezensiere ich ein Buch auf meinem blog, das dich auch interessieren könnte.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Das kann ich mir vorstellen, dass es als Hundebesitzerin gleich noch drängender wird, Taschen zu haben. Und du hast Recht - Herrenkleidung ist da eine eher suboptimale Option.

      Ich geh jetzt natürlich gleich mal nach deiner Rezension gucken. ;)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Ich selber bin kein Fußballfan. Aber dieses Zerreißen von Özil ist eine Frechheit! Kann es sein, das seine Familie in der Türkei ist und er vielleicht diese nur schützen wollte?... Ich sach jetzt nix mehr dazu.
    Ich verstehe das mit der Gleicherziehung auch nicht. Ich habe beide Geschlechter in meinem Haushalt großgezogen und dabei festgestellt, dass Mädchen sich selbstständig in die Rolle der Frau begeben und Jungen immer eine Waffe finden, auch wenn es gar keine gibt. Definitiv hatte der Monsterjunge genauso einen Bezug zu Puppen wie das Monstermädchen sich wie ein Kerl aufführte. Sich gegenseitig die Köpfe einschlug... Sie haben sich selber ihre Rollen gesucht. Nicht das es jetzt heißt, dass das Monstermädchen mich kopiert hat, denn ich war die die das Möbel baut, den Reifen wechselt und "Männeraufgaben" übernimmt.
    Entschuldige, aber mich regt dieser Gendersache einfach nur auf...
    Ich schau mir jetzt mal deine Links an.
    Lieben Gruß
    Andrea

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    1. Ja, es kann total viele Gründe haben, warum Özil sich mit Erdogan abbilden lässt, das stimmt. Und eigentlich ist es im Endeffekt fast egal, was genau der Grund ist - es rechtfertigt auf jeden Fall keine Hexenjagd.

      Was die Geschlechterrollen betrifft, ist es ja (manchmal: leider) so, dass Kinder halt nicht nur mit ihren Eltern in Berührung kommen, sondern auch von allen anderen Leuten um sie herum geprägt werden. Und wenn ich mir verschiedene Bereiche so angucke (beispielsweise Medienangebote für kleine Kinder), ist der Mainstream schon sehr klar auf bestimmte Rollenbilder festgelegt.

      Ich hoffe, du hattest an den Links dennoch Freude.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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