Samstag, 9. Juni 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Zum Start ins Wochenende gibt es Tee.

Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Wahrscheinlich glaubt ihr mittlerweile, ich würde unter der Woche nur Däumchen drehen (und schwitzen). In Wirklichkeit lerne ich immer noch HTML/CSS, lektoriere den Fantasy-Roman einer Bekannten, schreibe und editiere Texte für das *innenAnsicht-Magazin, deren Instagram-Account ich auch pflege. Es gibt also eine Menge zu tun - und ich liebe es. Netzfunde habe ich trotzdem für euch zusammengetragen. Viel Spaß beim Lesen!

Netzfunde der Woche


Die Heinrich-Böll-Stiftung hat einen neuen geschlechterpolitischen Podcast, "Our Voices, Our Choices". Geplant sind insgesamt sechs Folgen, in der ersten geht es um "Frauenproteste weltweit": für Abtreibungsrechte in Polen, für das Recht auf Frieden in Kolumbien und für das Recht auf selbstbestimmte Bekleidung in Kenia - also abseits der deutschen und US-amerikanischen Stimmen, die wir sowieso mitbekommen.
Ein bisschen toller fände ich es noch, wenn der Podcast nicht von einem Mann eingesprochen würde (Männer sind insgesamt deutlich überrepräsentiert in der Podcast-Szene), gleichzeitig weiß ich natürlich nicht, welche Gründe es für diese Entscheidung gibt. Ich freu mich auf weitere Folgen.

Die einen wollen, dass sich alles ändert, die anderen wollen, dass alles bleibt, wie es ist. In der bisherigen politischen Geschichte war es meistens so, dass die Linken den Aufbruch zu neuen Ufern verlangen, während die Rechten bewahren möchte. Jetzt kommt der Protest gegen das Bestehende aber auf einmal von rechts, eine rechte "Alternative" träumt utopisch von Heimat. Gleichzeitig wird die Linke als staatstragend empfunden und versucht, die Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte zu verteidigen. Wie es dazu kommt und was das für "links" und "rechts" heute bedeutet, erläutert Deutschlandfunk Kultur in diesem Beitrag.

Bitte verständlich!


Der Tagesspiegel hat Sophie Passmann "über unerwünschte Penisbilder, alte weiße Männer und Remoulade" interviewt. Mir hat imponiert, wie wenig Standesdünkel dabei zum Ausdruck kommt - natürlich breche sie politische Infos für ihre Fans auf Instagram herunter. Klar fände sie es okay, in der Jolie zu veröffentlichen - sie wolle schließlich "keine Systemkritik üben, sondern nur, dass junge Frauen ab und zu, wenn sie im Schwimmbad die Sommertrends durchblättern, einen klugen Gedanken abbekommen." Das sei manchmal wertvoller als ein komplexer Text, der nicht gelesen werde. "Ich finde es sinnvoll, Leute, die sich eher für ihre eigene Lebenswelt interessieren, da abzuholen", erklärt sie und ich halte das für sehr sinnvoll.

Als ich ganz zart angefangen habe, mich für Feminismus zu interessieren, kam ich an Artikel der Mädchenmannschaft oder des Missy Magazine nicht ran. Da wimmelte es von Begriffen, die ich damals noch nicht kannte und von Themen über die ich mir nie intensiv Gedanken gemacht hatte. "Toxic Masculinity"? "Intersektionalität"? Ich hatte keine Ahnung. Und ich brauchte niederschwelligere Angebote, um da irgendwie reinzukommen. Heute ertappe ich mich dabei, dass ich selbst auch fröhlich mit diesen Begriffen um mich schmeiße, weil sie mir so vertraut sind wie "Hawaii Toast" und "Laptop". Bei meinen Artikeln für das *innenAnsicht-Magazin steht regelmäßig "Erklär das mal, um niederschwellig zu sein" in der Edition. Ähem. Ich glaube, von Frau Passmann kann auch ich mir eine Scheibe abschneiden.

Apropos *innenAnsicht: Gestern diskutierte der Rat der Deutschen Rechtschreibung erstmals über geschlechtergerechtes Schreiben (hier die taz zu den Hintergründen). Zu diesem Anlass habe ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich 5 Gründe für eine geschlechtergerechte Sprache erläutert habe.

"Intersektionalität" ist wie gesagt einer der Fachbegriffe, die ständig benutzt werden. Seit den 90ern beschreibt er eine Ausprägungsform des Feminismus. Bei Daily Dot habe ich einen Artikel gefunden, der den Begriff definiert und mit einem entzückenden Sop-Motion-Video veranschaulicht.

Geschlechterklischees in Printmedien


In Comics sind diese Geschlechterklischees sind immer noch verbreitet: Ungesund verdrehte sexy Babes, die gleichzeitig Po und Brüste zeigen, stehen Muskelmännern in Ganzkörperstrumpfhose zur Seite. Deutschlandfunk Kultur hat hier mit den  Comiczeichnerinnen Katja Klengel und Lisa Frühbeis gesprochen. Die beiden fordern unter anderem mehr Frauen in den Jurys - und mehr authentische Frauenfiguren.

Dass Frauen für's Herz schreiben und Männer für's Hirn ist ja auch so ein beliebtes Klischee. Laut diesem Artikel von EditionF ist es aber bei weitem nicht das einzige. Gemeinsam sorgen sie für eine strukturelle Schlechterstellung von Autorinnen, die sich in weniger Rezensionen, weniger Hardcoververöffentlichungen und schlussendlich weniger Geld niederschlagen. Im Artikel kommen zwei Schriftstellerinnen und eine Kulturjournalistin zu Wort, die die Probleme auseinanderfriemeln und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Habt ein zauberhaftes Wochenende!

Kommentare:

  1. oh ja. diese begrifflichkeiten, die wie dicke mauern vor den inhalten stehen. zum heulen! so geht diskriminierung eben auch. zum thema intersektionalität fällt mir dazu auf, dass es mal eine zeitlang im spiegel (oder eben ausgerechnet nur im menschen magazin) eine zusammenfassung des artikels ind leichter sprache gab. DAS wäre mal ein schritt in richtung inklusion, wenn das mal durchgängig gemacht würde.
    sagt eine, unter deren unihausarbeiten IMMER drunterstand, sie würde sich zu umgangssprachlich ausdrücken. ich rolle mal kurz mit den augen und kratze meine finger, die jucken und einen blogartikel schreiben wollen *lach*
    hab ein charmantes wochenende!
    liebst,
    jule*

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    1. Ja, das ist definitiv ein Mittel zur Ausgrenzung - und vermutlich nicht mal ein bewusstes. Bei mir ist es zum Beispiel auch so, dass meine Vorstellungen, was *schöne* Sprache ist, stark durch Literatur geprägt ist, aber auch durch die Uni und durch Artikel, die ich lese. Und gerade im deutschen Sprachraum habe ich den Eindruck, dass da oft ein Zusammenhang zwischen Komplexität und Schönheit anerzogen wird. Der steckt auch in mir und meinen Texten - es ist (für mich) oft viel, viel schwerer, Texte leichter zu machen, als sie etwas verschwurbelt stehen zu lassen. Nicht zuletzt, weil ich dann an Formulierungen hänge, die über Sprachwitz funktionieren mögen oder so. Aber ja, wenigstens als ergänzendes Angebot halte ich Zusammenfassungen und Versionen in leichter Sprache für sehr wünschenswert, um nicht von vornherein Stimmen aus der Diskussion auszuschließen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

      PS: Dann lass deine Finger doch schreiben! Ich freu mich, wenn ich von dir lese. :D

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  2. Hallo Sabrina,
    deine Themen sind so gar nicht meine Themen, deswegen kann ich bei dir irgenwie nie einen gehaltvollen Kommentar abgeben. Aber, um dir zu zeigen, ich war da und habe deinen Samstagsplausch gelesen, lasse ich dir wengistens Folgendes da: Auch dir ein schönes Wochenende!
    LG
    Yvonne
    Yvonne

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    1. Das find ich sehr toll, dass du trotzdem immer wieder vorbeischaust und dir meine Posts durchliest. Ich hoffe, du hattest auch ein schönes Wochenende!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Bei uns wurde seit über 50 Jahren gestern wieder ein Junge in die Familie geboren, nach allen den vielen hochwillkommenen Mädchen herrscht jetzt eine gewisse Unsicherheit. Muss man den anders behandeln? Nee, geht gar nicht. Okay, keine Röcke und Kleider. Aber sonst? ;-)

    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Es soll ja vereinzelt auch Jungs geben, die in der Sommerhitze mehr Luftigkeit am Bein schätzen, also vielleicht werden selbst bei diesem Neuankömmling in der Familie die vertrauten Rock- und Kleiderschnitte eines Tages wieder zum Einsatz kommen. Und wenn nicht, ist das ja auch okay. Ich glaube, im Endeffekt geht's ja einfach darum, die Leute so anzunehmen, wie sie sind - und deine Familie liest sich in deinem Blog, als würdet ihr das grundsätzlich so handhaben. :)

      Liebe Grüße und herzlichen Glückwunsch zum neuen Familienmitglied!

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  4. Ich muss jetzt mal öffentlich gestehen, dass ich "Intersektionalität" noch nie gehört oder gelesen habe. Irgendwie komme ich persönlich mit der Definition auf Wikipedia auch besser zurecht, was aber auch daran liegen kann, dass die auf deutsch ist. ;-)

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    1. Na, wenn es mir zumindest gelungen ist, bei dir Neugierde auf ein Wort zu wecken, dann ist das doch schon mal einiges. :)

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  5. Ich weiß, ich weiß... der Samstagsplausch war vor zwei Tagen! Doch lieber spät als gar nicht, lasse ich heute noch ein paar Worte hier...

    Danke für den Tipp zum Podcast! ... und das Innenansicht MAGAZIN gucke ich mir demnächst mal an.

    Ein herzlicher Sonnengruß... zum Start in die neue Woche von Heidrun

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    1. Ich freu mich auch montags noch über Kommentare - oft schaffe ich es auch nicht am Wochenende überall vorbei zu schauen. Daher danke für deine lieben Worte!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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