Samstag, 23. Juni 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Tee und Miezekatze. Ein guter Start ins Wochenende
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.  

Diese Woche war gut zu mir. Ich habe eine neue Gelegenheit aufgetan, Texte zu veröffentlichen, ein neues feministisches Rezensionsexemplar abgestaubt und sehr viel gelesen. Tatsächlich habe ich in den fünf Monaten in Berlin mehr gelesen als in den Jahren in Stuttgart zusammen.

Deswegen geht es hier im Blog oder bei Instagram auch kaum noch um Nadel und Faden. Damit habe ich in den letzten Monaten oft gehadert. Aber mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht - mein Leben hat sich geändert und meine Hobbys mit ihm. Das ist okay. Vermutlich wird es das noch diverse Male tun. Wie geht es euch damit? Vermisst ihr meine Hexagonprojekte?

Netzfunde der Woche

Abgesehen von Büchern habe ich auch Artikel im Internet gelesen und Podcasts gelauscht.Wie immer habe ich euch hier die wichtigsten zusammengetragen. Viel Spaß beim Schmökern und Hören!

Das Verschwinden der Sophia L.

Am 14. Juni ist die Studentin Sophia L, 28, verschwunden. Sie wollte von Leipzig nach Nürnberg und ist getrampt. Mittlerweile wurde in Spanien eine Leiche gefunden, bei der es sich um Sophias Körper handeln soll. Weil der LKW, in den sie zuletzt gestiegen ist, ein marokkanisches Kennzeichen trägt, schlachten rechte Medien und Facebook-Kommentatoren Sophias Verschwinden für ihre Hetze aus. Victim Blaming kommt auch immer wieder vor, also die Schuldzuweisung an Sophia selbst - trampen sei schließlich gefährlich und niemand brauche sich zu wundern. dabei wird ignoriert, dass nicht das Trampen das Problem ist. Frauen werden auch in öffentlichen Verkehrsmitteln angegriffen, wenn sie zu Fuß unterwegs sind oder wenn sie schlicht zu Hause sind. Durch die Konzentration auf die Fortbewegungsart und Sophias vermeintliche Mitschuld, gerät aus dem Blick, wer tatsächlich für ihr Verschwinden und ihren Tod verantwortlich ist: der Täter.

Sophias Freund*innen wehren sich gegen diese Zuschreibungen: Im Interview mit jetzt.de wenden sie sich entschieden gegen rechte Stimmungsmache und Victim Blaming. Sophia selbst habe sich seit Jahren für geflüchtete Menschen eingesetzt und wäre wohl entsetzt über die Instrumentalisierung. Dass Sohias Freund*innenkreis sich so entschieden gegen die Berichterstattung wendet, beeindruck mich. Ob ich das angesichts des Verschwindens einer Freundin könnte, weiß ich nicht.

Auf die Ohren: Podcast-Tipps

In einer längeren Wartephase während der Weiterbildung habe ich endlich in Rice and Shine hineingehört. Im Podcast von Minh Thu Thran und Vanessa Vu sprechen die beiden von ihrem Leben als junge Vietdeutsche - da geht es um Rassismuserfahrungen, vietnamesisches Essen, ums Politisch-Sein und in Folge fünf auch um queeres Dating. Ich mag die regelmäßigen Kicherattacken und die vielen persönlichen Anekdoten der beiden, die immer wieder auch Studiugäste begrüßen. Jetzt freue ich mich auf weitere Episoden!

Schon deutlich länger am Start ist der Lila Podcast, von dem ich hier ja schon mehrfach geschrieben habe. In der 101. Folge wird gestritten - es handelt sich nämlich um die Aufzeichnung einer Podiumsdiskussion zwischen Margarete Stokowski und Svenja Flasspöhler.
Diese Folge hat mich ganz besonders gefreut, weil ich ursprünglich eigentlich die Podiumsdiskussion direkt besuchen wollte.

Deutschlandfunk Kultur berichtet hier von der Gruppe Omas gegen Rechts. Sie gelten "inzwischen zu den Galionsfiguren der Proteste gegen die konservativ/rechtspopulistische Regierung Österreichs". Innerhalb von gerade mal sieben Monaten ist die Zahl der Omas auf über 3000 angestiegen. Warum sich die älteren Damen gegen die österreichische Regierung stellen? "Die Omas haben halt a bisserl mehr Zeit manchmal, um sich um die anderen wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern", sagen sie. Ihre Kinder hätten keine Zukunft verdient, in der sich die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wiederholten. Ich bin hochgradig begeistert und wünsche den Omas noch eine Menge Zulauf und Erfolge.

Crowdfunding für's Missy Magazine

Das Missy Magazine feiert seinen zehnten Geburtstag. Juhu und herzlichen Glückwunsch! Allerdings ist auch dieses feministische Magazin in Gefahr, pleite zu gehen. Um weitere zwei Jahre lang Ausgaben finanzieren (und die Mitarbeiterinnen anständig bezahlen) zu können, gibt's eine Crowdfunding-Kampagne. Ich persönlich schwanke ja immer noch zwischen der Pop-Box (5 von der Redaktion ausgewählte Bücher) und dem Sugar-Mama-Abo. Ein bisschen Zeit zum Entscheiden hab ich noch: Die Kampagne läuft bis zum 30.06.

Während ihr lest und lauscht, mach ich mich erst einmal auf den Weg zu einer Gartenparty in Brandenburg. Ich freu mich auf Grillgemüse, Mais-Feta-Salat und gute Gespräche.
Was habt ihr so vor am Wochenende?

Kommentare:

  1. Na ja, zu diesen Omas zähle ich mich ja auch. Und wir sind tatsächlich in der Großen Überzahl, wenn wir spontan demonstrieren. Das lässt einen dann ab und an etwas verzagt zurück. Ist es den Jungen egal, wenn Europa implodiert? Etwas, von dem sie Zeit ihres Lebens profitiert haben. Ich weiß, ich weiß...ich wollte nur mal meine Gefühle schildern.
    Habe diese Woche einen üblen Brief gekriegt, bin dadurch etwas anders drauf...
    Interessant, wie sich dein Leben verändert hat! Aber das Arbeiten mit der Hand kommt wieder. Ich kenne es auch nicht anders.
    Dir alles Gute!
    Astrid

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    1. Als ich in Stuttgart noch in der 40-Stunden-Woche gearbeitet habe, ist mir aufgefallen, dass viele der Demos, auf die ich gerne gegangen wäre, irgendwann unter der Woche nachmittags waren - also, wenn ich nicht aus dem Büro weg konnte. Ich könnte mir vorstellen, dass sich auch aus solchen Gründen Protest verstärkt ins Internet zurückzieht oder so?
      Tatsächlich wäre das mal spannend zu sehen, wie sich so Protestformen nach Alter (oder auch anderen Faktoren) verteilt...

      Ich hoffe, du kannst den Brief bald verdauen.

      Alles Liebe
      Sabrina

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  2. hej sabrina,
    das mit der jungen Frau haben wir von hier aus auch verfolgt. klar bin ich auch immer sehr skeptisch gegenüber dem trampen und der spruch ist mir sicher auch erstmal rausgerutscht. ich finde es gefährlich, aber eben weil die leute so sind und schon so viel passiert ist. aber klar, man wird als frau auch im park überfallen, beim joggen, in der u-bahn... schlimm! gestern wurde hier in dänemark ein mann gesucht, der wohl eine 9 jährige vergewaltigt haben soll. wie es aussieht, ist der mann gefasst. das mädchen hat ja auch nicht selbst schuld, weil es mit einem fremden mitgefahren ist! die tasse mit der mieze ist ja der hammer :0) ich werde einfach nur relaxen, ein bisschen häkeln und nähen, ach ja und lesen :0) das bügeln hab ich grad hinter mich gebracht...hab ein schönes WE und ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

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    1. Hej Ulrike,

      so regionale Nähe macht auch nochmal was aus, oder? Ich hab irgendwann festgestellt, dass Sophia und ich zeitweise an derselben Uni studiert haben.
      Ich hoffe, du hattest ein schönes Wochenende!

      Liebe Grüße nach Dänemark
      Sabrina

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  3. Der Samstagsplausch macht’s möglich... und nun drehe ich heute am Sonntag weiter Schritt für Schritt meine Blogrunde.

    Dankeschön für die Tipps. Ein herzlicher Sonnengruß... zum Sonntag aus Augsburg von Heidrun

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    1. Ich hoffe, dein Wochenende war auch schön, liebe Heidrun!

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  4. Zu früheren Zeiten bin ich auch getrampt, Sabrina. Nicht weit, nur bis zur nächsten Stadt. Allerdings hatte ich auch immer ein gutes Gefühl. Nur einmal habe ich Muffensausen bekommen und diesen Kerl kannte ich auch noch. Schlimm die ganze Sache. Dir einen lieben Gruß, Nicole

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    1. Einmal ist einmal zu viel, ne? Aber dass gerade Männer aus dem Nahraum gefährlich sind, passt zu den statistischen Daten. Laut diesen ist es ja viel wahrscheinlicher, dass man von (Ex-)Partnern oder Verwandten angegriffen wird, als von Wildfremden. Deswegen ist es ja auch so problematisch, dass diese Fälle so viel prominenter sind - weil es dazu führt, dass ganz andere Maßnahmen als förderungswürdig gelten.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  5. Den Fall hab ich auch mitbekommen und erst gedacht - Oh, beim Trampen nicht angekommen... Aber dann ist mir aufgefallen: Trampen ist nicht mehr so normal wie früher, auch seitdem es online Mitfahrgelegenheiten und so gibt, außer bei meinen Freund*innen auf Wanderschaft.
    Also ist es auch weniger normal einfach Leute mitzunehmen. Was mich daran auch so ärgert ist, daß gerade die Leute die jetzt schimpfen und hetzen genau so welche sind, die Tramper*innen am Rasthof stehen lassen, so daß im Endffekt es Menschen mit böser Absicht leichter haben.
    Schweres Thema, also noch was lustiges: Beim Klick zum Missy Magazin hab ich zuerst die Popp-Box gesehen, mich kurz gewundert und dann sehr amüsiert. :)
    Liebe Grüße
    Janina

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    1. Stimmt, das ist auch noch so ein Aspekt, dass immer weniger Leute Tramper*innen mitnehmen. Das schränkt ja auch wieder die Auswahl ein, zu wem man dann ins Auto steigt...

      Jaaaa, die Popp-Box fand ich auch total witzig! (Es ist dann übrigens das Abo geworden, ich hab mich irgendwann dann doch entschieden.)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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