Samstag, 2. Juni 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Wochenende. Jetzt erstmal 'nen Tee!
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Nach wie vor hält mich meine Weiterbildung ziemlich auf Trab: Ich lerne gerade die Grundlagen von HTML und CSS und ich kann euch sagen, da schwirrt mir manchmal sehr der Kopf. Mein Dozent flitzt nämlich nur so durch die einzelnen Inhalte, so dass ich mit fliegenden Fingern mittippen muss, um nicht den Anschluss zu verlieren. Zum Glück ist mein Dozent großartig und immer bereit, den selbstgeschriebenen Code anzuschauen und den Tippfehler auszuspähen. (Wenn ich ihn selbst entdecke, bin ich aber natürlich sehr stolz.) Es macht unheimlich Spaß, so schnell so viel zu lernen, bindet aber gleichzeitig auch reichlich geistige Kapazitäten. Deswegen für den Moment weiterhin nur Netzfunde. Da gibt's aber auch genug nachzulesen!

(Nicht-)Mütter

Katja Grach hat auf kleinerdrei ein Interview zum Thema MILF ("mom I'd like to f*ck") gegeben. Darin spricht sie über ihr kürzlich veröffentlichtes Buch "MILF-MÄDCHENRECHNUNG – Wie sich Frauen heute zwischen Fuckability-Zwang und Kinderstress aufreiben". Wenig überraschend geht es dann auch im Interview darum, wie in den letzten Jahren ganz neue Schönheitsnormen für Mütter entstanden sind, was das mit Neoliberalität und Patriarchat zu tun hat und wie der Kack überwunden werden kann. Ich stelle mir vor, dass das eine erleichternde Lektüre für Mütter sein kann.

"Nicht nur Mütter waren schwanger" ist der Titel eines Sammelbandes, der gerade auf Startnext (unter anderem von mir) gecrowdfunded wird. Er vereint über zwanzig "Erfahrungsberichte, Visionen und Bilder" zu "oft überhörten Geschichten rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Elternsein Raum. Es geht um Fehlgeburt, Abtreibung, Pränataldiagnostik und Repro-Medizin, um altersuntypische oder queere Kinderwünsche, um trans-Schwangerschaften, p.o.c.-Perspektiven und Entscheidungen gegen Mutterschaft." (Zitate habe ich aus der Crowdfunding-Beschreibung entnommen.)

Ich find das ja immer spannend, Familie(n) auch außerhalb der Friede-Freude-Eierkuchen-Mama-Papa-Kind(er)-Normativität zu betrachten und dahin zu gucken, wo es schwierig oder auch einfach nur außergewöhnlicher ist. Deswegen freue ich mich sehr auf meine Ausgabe.

Das erste Funding-Ziel ist bereits erreicht, das Projekt wird also auf jeden Fall verwirklicht. Aber da während des Crowdfundings weitere unvorhergesehene Kosten aufgetreten sind, wären die Initiator*innen sehr dankbar, wenn auch das zweite Ziel geschafft werden könnte. Vielleicht ist das Thema ja auch für euch von Interesse?

Schwangerschaftsabbrüche, again

Wer hier schon länger mitliest, weiß ja, dass mich das Thema Schwangerschaftsabbruch dieses Jahr schon mehrmals beschäftigt hat. Wer nachlesen möchte, findet hier Posts dazu. Momentan ist da auch noch kein Ende in Sicht, denn noch hat sich an der deutschen Gesetzgebung nichts geändert. In Irland gab's dafür Grund zu feiern!

Repeal the 8th

Letzte Woche haben die Ir*innen am Freitag über das 8th Amendment, also die achte Verfassungserweiterung abgestimmt. Diese setzte das Recht auf Leben des Fötus ab dem Zeitpunkt der Zeugung mit dem Recht auf Leben der schwangeren Person gleich und verbot damit faktisch alle Schwangerschaftsabbrüche - auch in Fällen von Vergewaltigung, Inzest und (bis 2013) nicht lebensfähigen Föten.

2012 kostete dieser letzte Punkt das Leben einer Frau: Savita Halappanavar wurde in der 17. Schwangerschaftswoche ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzt*innen diagnostizierten eine beginnende Fehlgeburt, weigerten sich aber, den Fötus zu entfernen, da dessen Herz noch schlug. Erst als die Herztöne verschwunden waren, nahmen die Ärzt*innen den Eingriff vor. Zu spät für Savita Halappanavar - sie hatte sich eine Blutvergiftung zugezogen und verstarb kurz nach der Entbindung des toten Fötus. 2013 wurde das 8th Amendment aufgrund ihres Falles so gelockert, dass zumindest im Falle tödlicher Anomalien des Fötus ein Schwangerschaftsabbruch möglich wurde.

Seit dem vergangenen Wochenende ist dieses Amendment nun Geschichte: Zwei Drittel der Wähler*innen stimmten gegen das Abtreibungsverbot in der Verfassung. Die Regierung hat angekündigt, das Parlament werde bis zum Ende des Jahres eine Neuregelung ausarbeiten. Offenbar soll es sich dann um eine Fristenregelung handeln, die Abbrüche bis zur zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt.

Das allein freut mich schon unheimlich. Es gibt aber einen Aspekt, der mich noch mehr freut und der hat mit Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit zu tun. Irland hat bis auf wenige Ausnahmen offenbar kein Briefwahlrecht und so mussten Stimmberechtigte von außerhalb nach Irland reisen, um sich gegen das 8th Amendment zu stellen. Je nach dem, wo sie sich aufhielten und wie spontan sie reisen wollten, konnte das ziemlich teuer werden. Zur Unterstützung haben drei junge Irinnen unter dem Titel "Abroad for Yes" eine Facebookseite gestartet, die Reisewillige und Spender*innen zusammenbrachte - und insgesamt rund 30.000 Euro auftat. Teilweise sind Menschen wohl bis kurz vor knapp in den Wahlkabinen angekommen. Daily Dot hat hier darüber berichtet.

... und was ist mit Deutschland?

Die Mädchenmannschaft kritisiert, dass wir in Deutschland seit 25 Jahren in der Kompromisslösung stecken, die da lautet: "Schwangerschaftsabbrüche sind illegal, aber unter bestimmten Bedingungen straffrei." Sie zitiert aus dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, in dem sich so schöne Begrife finden wie "die grundsätzliche Pflicht zum Austragen des Kindes". Das ist die Grundlage des Paragraphen §218 StGB, daher sei es nicht genug, §219a StGB loszuwerden. Die Mädchenmannschaft schreibt: "Wir wollen an § 218 ran. Wir wollen legalisierte Schwangerschaftsabbrüche, guten Zugang unabhängig von Ort, Pass, race, Gender und finanziellen Mitteln, eine Abschaffung der Beratungspflicht und eine Diskursveränderung zu Abtreibungen."
Ich für meinen Teil bin mir ziemlich sicher, dass ich zu diesem Thema in den nächsten Monaten noch ziemlich oft auf die Straße gehen werde.

Aber jetzt trinke ich erstmal meinen Tee aus und genieße, dass der nächtliche Regen die Hitze aus Berlin vertrieben hat. Puh! Und dann schnappe ich mir ein Buch und bereite eine Rezension für euch vor.

Genießt das Wochenende!

Kommentare:

  1. Hallo Sabrina,
    mit HTML und CSS würde ich mich auch total gerne mal intensiv beschäftigen. Ist schon toll, wenn man da selbst was machen kann, weil man versteht, wie es funktioniert. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass das Thema nicht ganz einfach ist und wenn es dann auch noch so schnell geht. Vermutlich hätte ich Probleme, dem zu folgen.
    Dir weiter viel Erfolg und ein schönes Wochenende
    LG
    Yvonne

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    1. Ich glaube, eigentlich ist es nicht schwierig. Vor allem HTML haben wir innerhalb von zwei Tagen abgefrühstückt und das geht auch gut. Solange ist das nämlich auch schön übersichtlich. Der Schweinsgalopp durch CSS hat mich jetzt aber ehrlich gesagt ganz schön rausgerissen. Aber ich hoffe, das bessert sich demnächst wieder, ich werde einfach noch ein bisschen in meinem Buch blättern und so.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Wieder ein Stelldichein zum Samstagsplausch... wie schnell doch eine Woche verfliegt! Ja, HTML & CSS sind mir bestens bekannt. Zur Zeiten meines Satzstudios gehörte es nämlich auch Website zu erstellen...

    Ein herzlicher Sonnengruß... zum Wochenende von Heidrun

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    1. Nicht schlecht! Ich fange da ja quasi bei Null an und da ist gerade CSS ziemlich verwirrend. "So und jetzt wenden Sie das mal an diesem anderen Fall an." - "Öh. Moment. Ich muss hier jetzt erstmal rausfinden, was denn jetzt wem entspricht!" Aber das wird. Bestimmt.

      Liebe Grüße und auch dir ein schönes Wochenende
      Sabrina

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  3. Das Buch auf Startnext hab ich zufällig auch gesehen (muss ich mir nochmal genauer angucken), das mit dem 8th Amendment hab ich hier über Medien und Freunde mitbekommen. Bis dahin war mir auch überhaupt nicht klar wie krass streng das dort geregelt war und wie weit das in die Gesundheitsversorgung von Frauen eingriff. Zum Beispiel, dass ein notwendiges Medikament verweigert wird, weil es sich negativ auf eine zukünftig mögliche Schwangerschauft auswirken könnte. "Abroad for Yes" ist ja eine tolle Geschichte.
    Noch viel Spaß beim Programmieren und liebe Grüße
    Janina

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    1. Vielen Dank!
      Ja, das sind dann einfach gruselige Aspekte mit dem verweigerten Medikament. Ich mein, dass man darüber informiert und sagt "Hier, wenn Sie vorhaben, demnächst schwanger zu werden, dann ist das jetzt scheiße", finde ich wichtig. Aber rein hypothetische Schwangerschaften zum Anlass zu nehmen, einer Person in einer akuten Notlage nicht zu helfen (und damit im Zweifel die rein hypothetische Schwangerschaft aufgrund Tod der Person gleich ganz ad acta zu legen) ist sooooo... falsch. Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, desto mehr Kopfschmerzen bekomme ich.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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