Samstag, 5. Mai 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Puh, da war auf einmal der April rum. Bei mir hatte sich eine kleinere Blogunlust breit gemacht, die aber nun hoffentlich ausgestanden ist. Auf jeden Fall freue ich mich, heute wieder am Samstagsplausch teilzunehmen.

Passiert ist in den letzten Wochen unter anderem, dass ein befreundetes Paar geheiratet hat. Zu meiner großen Ehre durfte ich Trauzeugin der Braut sein und so die Eheschließung in vorderster Reihe miterleben. Das bedeutete nicht zuletzt Synchronschniefen mit der Braut. Ich bin immer noch schwer gerührt und glücklich, dabei gewesen zu sein.

Weil ich im Zuge dieser Hochzeit wieder mal viel mit dem Zug unterwegs war, gibt es jetzt auch wieder meine...

Netzfunde der Woche

Aus der Reihe "Dinge, die mich erstaunen Was soll der Scheiß eigentlich?": In der Sendung "Maischberger" wurde einmal mehr darüber diskutiert, ob man eigentlich noch rassistische Bezeichnungen für Schwarze Menschen verwenden dürfe. Dabei sei "bis zur 58. Minute allein das N-Wort 26 Mal ausgesprochen" worden, berichtet Ali Schwarzer in den Übermedien.
Mir ist klar, dass es schwierig ist, immer auf dem neuesten Stand zu sein, welche Selbstbezeichnungen en vogue sind, wie man gerade richtig gendert und so weiter. Dafür muss man sich aktiv mit diesen Themen beschäftigen. Aber dass um die immer gleichen rassistischen Begriffe alle paar Wochen in den Öffentlich-Rechtlichen debattiert werden soll, versteh ich nicht. Da gibt's einfach nichts mehr zu debattieren. Echt nicht.

Um diskriminierende Sprache ging es auch im fluter., allerdings gleich an vier Beispielen zu gendersensibler Sprache und rassistischen Beleidigungen. Neben Marlies Krämer kommen auch Tahir Della, Lann Hornscheidt und ein Student zu Wort. Ganz klar: Sprache ist eine riesige Baustelle. Aber das schöne an Baustellen ist ja, dass sie am Ende etwas Schöneres und besser Funktionierendes hinterlassen. 

Ebenfalls bei fluter. habe ich eine Reihe gefunden, die die internationalen Effekte von #metoo zusammenfasst. Das fand ich sehr spannend zu lesen! Denn abgesehen von Deutschland und den USA hab ich in meiner Filterblase wenig mitbekommen. Hier geht's zum ersten und da zum zweiten Teil.

Nach dieser Lektüre hab ich mir dann auch erstmal die aktuelle Ausgabe des Magazins zum Thema "Körper" bestellt. Ich werde davon berichten!

Bereits vor einiger Zeit habe ich das feministische Magazin "an.schläge" abboniert. Die erste Ausgabe fand ich schon mal super und hab mich deswegen sehr gefreut, dass die leitende Redakteurin Lea Susemichel DeutschlandradioKultur ein Interview gegeben hat - über ihr Magazin und darüber, wie sie zum Feminismus gekommen ist.

Weit weniger gefreut hat mich dieser andere Beitrag des DeutschlandradioKultur. Darin ruft Svenja Faßpöhler Frauen dazu auf, "sexuelles Begehren selbst zu formulieren". Dagegen ist erstmal auch nichts einzuwenden - tatsächlich ist "weibliches" Lust ja bis heute viel weniger erforscht als männliche. Blöd wird es an der Stelle, an der Frau Faßpöhler meint, wir lebten heute nicht mehr in einem Patriarchat "im rechtlichen Sinne". Also in der ersten Antwort. Nun weiß ich nicht genau, was ich mir unter einem Patriarchat im rechtlichen Sinne vorstellen soll. Ich bezweifle aber hart, dass ein Land das Patriarchat in dem Moment abschüttelt, in dem es "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in seine Verfassung schreibt. Dann geht es auch weiter mit victim blaming im Rahmen von #metoo und ehrlich gesagt... an dem Punkt habe ich die Lektüre abgebrochen, weil ich vor lauter Augen verdrehen nichts mehr sehen konnte. Ich kann deswegen auch nicht sagen, ob Frau Faßpöhler meint, dass die Formulierung des eigenen sexuellen Begehrens mich vor sexualisierter Gewalt irgendwie schützen würde. Wundern würde es mich nicht...

Leider hat auch Barbara Puchler bei ZeitOnline auf eine ähnliche Pauke. Ebenfalls in Bezug auf #metoo findet sie, Frauen sollten aufhören, sich als das "schöne Geschlecht [zu] gerieren" und schon sei sexuelle Belästigung Schnee von gestern. Also weg mit Make-up, Highheels und hautengen Hosen? Frau entsage allen Oberflächlichkeiten und schwupps hätten wir eine gleichberechtigte, gewaltfreie Gesellschaft?
I call bullshit. Für mich riecht das gewaltig nach "Wenn Frauen nur endlich wären wie Männer, könnte man sie auch endlich behandeln wie echte Menschen", nach einer tief sitzenden Verachtung für weiblich konnotierte Eigenschaften.
Ich finde es sehr wichtig, dass Frauen nicht geschminkt auf Highheels und in hautengen Schuhen auftreten müssen. Dass hübsch zurecht gemacht sein nicht der Preis ist, den wir zahlen müssen, um als Frauen zu leben. Aber im Gegenzug würde ich keiner Frau verbieten wollen, sich mit "weiblichen" Attributen zu schmücken. Menschen in ihrer persönlichen Ausdrucksform zu beschneiden, unter dem Vorwand, ihnen dafür Rechte zu gewähren, ist scheiße. Menschen zu suggerieren, dass sie mit ihrer Kleidung, ihrem Outfit irgendwie dazu beitragen würden, zur Zielscheibe sexualisierter Gewalt zu werden, ebenfalls. Von tatsächlicher Gleichberechtigung können wir meiner Ansicht nach jedenfalls erst dann sprechen, wenn tatsächlich egal ist, wer was anhat und wie viel Farbe die Person sich egal wo aufgetragen hat. Noch ein Artikel, der mich frustriert.

Also lieber was anderes lesen und zum Abschluss nochmal freuen! Wusstet ihr - um bei der Lust zu bleiben - , dass der Wonnemonat Mai auch der Monat der Masturbation ist? Ich wusste es nicht, sehe da aber durchaus einen Zusammenhang. Im Missy Magazine hab ich nachgelesen, wie es dazu kam. 

Und mit diesem frisch angelesenen Wissen geh ich in die Sonne. Kommt ihr mit?

Kommentare:

  1. Diese ganzen Debatten nerven so dermaßen. N-Wort, #metoo, "Hey ich bin eine Wolke und kein Mann, dafür kommst du in den Knast".... Ich meide mittlerweile schon viele Medien und habe eine ziemlich große Filterblase, da man sonst echt gegen Wände rennen möchte. Seine eigene Meinung darf man nicht mehr vertreten, weil man jemandem damit auf dem Schlips treten könnte, der seine eigene Meinung vertritt aber keine andere Meinung akzeptiert.... Paradoxon anyone?
    Ich halte mich aus den Diskussionen so gut es geht raus, das schont die Nerven. Den Link zum Missy Magazine muss ich mir mal speichern für später, das ist dann doch interessant :-)
    Liebe Grüße
    Magda

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    1. Das ist eine Vorgehensweise, die für mich nicht funktioniert. Natürlich kann ich mich nicht an jeder Debatte intensiv beteiligen und es gibt sicherlich genügend Flecken auf der politischen Landkarte, wo ich keine Ahnung habe. Aber ich finde die Regel "Wenn mir jemand sagt, dass es verletzend sei mit einem bestimmten Wort angesprochen zu werden bzw. auf eine bestimmte Weise behandelt zu werden, dann kann ich das dieser Person auch einfach glauben und den verletzenden Kram unterlassen" für ich recht praktikabel.

      Meine persönliche Meinung zu N-Wort und Co halte ich nämlich für reichlich irrelevant im Vergleich mit den Erfahrungen tatsächlich Betroffener.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. wow! das hast du zu deinen netzfunden aber noch ordentlich deinen senf dazugegeben. sehr fleißig. ja blogunslust. vermutlich ergreift sie alle mal.... das fluterheft liegt hier auch rum. bisher konnte ich aber nur die tollen bilder abfeiern. ganz fabelhaft.
    hab ein sonniges wochenende!
    liebst,
    jule*

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    1. Tolle Bilder abfeiern ist ja schon mal ein Anfang. :D

      Liebe Grüße
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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