Samstag, 14. April 2018

[Samstagstee] mit bedrohten Männern

Weniger Salat, dafür Tee und meinen Senf dazu gibt's auch an diesem Samstag wieder.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Ganz ehrlich? Wie schon bei der letzten Woche gibt's gar nicht mal so viel zu erzählen. Deswegen springe ich auch sofort zu den Netzfunden, wenn ihr nichts dagegen habt.

Nicht gelesen habe ich in den vergangenen Tagen den Jens Jessens Artikel "Der bedrohte Mann" in der ZEIT. Unter anderem, weil ich mich weigere, für reaktionären Scheiß auch noch Geld zu bezahlen. Immerhin verdient der Herr ja indirekt daran mit. Und die billigen Argumente gegen Feminismus kann ich mir auch in hoher Dosis gratis im Internet durchlesen. Es sind nämlich immer dieselben. "Mimimi, wir Männer dürfen gar nichts mehr sagen", "#notallmen" und so weiter. Trotzdem kam ich nicht darum herum, vom Artikel Notiz zu nehmen, denn gefühlt haben sich alle dazu geäußert. Wer nicht zustimmte, sah sich gezwungen, dagegen zu halten. Es ärgert mich ziemlich, dass mit so einem Mist so viel Aufmerksamkeit errungen werden kann. Aber zumindest zwei Repliken habe ich gerne gelesen.

So wie die von Marcel Wicker bei Pinkstinks. Im Antwortbrief zerlegt Marcel Wicker nicht nur die Argumentation Jessens, sondern erläutert ganz nebenbei noch, dass ja auch Männer Feministen sein (und sogar selbst was davon haben) können. Grundsätzlich sei das gar nicht so schwer, meint er. Feminismus bestehe nämlich in erster Linie darin, "kein Arschloch [zu] sein."

Margarete Stokowski ist gewohnt spitzzüngig und bezeichnet Jessens Auslassungen in ihrer Kolumne bei SpiegelOnline als "völlig irren Thesengulasch an prominentester Stelle". Ihre These: Nach seinem Artikel müsse sich keiner mehr sorgen, die peinlichsten Äußerungen zur #metoo-Debatte beizutragen.

Das war's schon für diese Woche! Genießt das Wochenende in vollen Zügen - das hab ich nämlich auch vor!

Samstag, 7. April 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Zum Start ins Wochenende gibt's natürlich Tee.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.
Hat diese Woche eigentlich überhaupt stattgefunden? Ganz ehrlich, ich kann mich an kein herausragendes Ereignis erinnern. Aber: Kein Ereignis heißt ja auch, dass nichts allzu Schlechtes passiert ist. Immerhin habe ich ordentlich Zeit damit verbracht, das Internet für euch zu durchstöbern: 17 Fragen und Antworten zum Schwangerschaftsabbruch gibt's bei Zeitjung. hier gibt's auch Infos zu den medizinischen Optionen. (Ja, ich bleibe weiterhin an §219a StGB dran.)

Das Missy Magazine schaute an Ostern in die Türkei und berichtet vom dortigen Widerstand gegen Erdogan und von der Entwicklung des organisierten Feminismus seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Spannend! (Seit ich ihn gelesen habe, ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke verschwunden. Aber vielleicht können einige von euch trotzdem darauf zugreifen?)

Ein Artikel über "ein ganz normales Paar" ist bei Spiegel Online erschienen. Darin beschreibt ein Philip Awounou wie er und seine Freundin ins Zentrum eines Shitstorms gerieten, nachdem ihr gemeinsames Foto für eine Werbekampagne der DAK verwendet wurde.Wie er als "Afro-Moslem-Flüchtling" und "Vergewaltiger" und sie als "Hure" bezeichnet wurden - nur, weil er schwarz ist. Philip Aounou, übrigens geboren in Deutschland, hat versucht zu verstehen, was in den Kommentator*innen vorgeht.

Das Bundesinnenministerium, seit dieser Legislaturperiode auch zuständig für Heimat,hat Ende März seine Mannschaft (!) präsentiert - sie ist sehr weiß und sehr cis männlich. Bei vielen Feminist*innen hat diese mangelnde Diversität zu starker Kritik geführt: Da fehlten Frauen!
Nun finde ich es in der Tat befremdlich, wenn Ministerien komplett männlich besetzt sind. Dass Repräsentation wichtig ist und gemischte Teams üblicherweise besser darin sind, unterschiedliche Blickwinkel zu berücksichtigen, muss ich hier sicher nicht weiter erläutern. Nur: Dass es sich bei diesem im Speziellen um ein "Bundesinnenmännersterium" (taz) handelt, ist gar nicht das drängendste Problem! Das Missy Magazine hat in diesem Artikel erklärt, warum: "Das Problem ist nicht, dass „Heimat“ nur von Männern repräsentiert wird, sondern, dass wir uns überhaupt über den Begriff und seine Bedeutung unterhalten müssen. [...]Eine rassistische Institution zu diversifizieren schafft diese nicht ab, sondern legitimiert sie dadurch, dass „ja auch alle mitmachen dürfen“. (Den Punkt zur Polizei sehe ich anders, aber trotzdem: Sehr lesenswert.) Die taz schlägt hier in die selbe Kerbe und schlägt ein paar weitere Gruppen vor, die man doch diversifizieren könnte, wenn einem so viel an bloßer Repräsentation läge - etwa den Ku-Klux-Clan. Ich hab sehr gelacht.
Jetzt trinke ich meinen Tee aus und mache mich auf den Weg in die Stadt. Meine Mama ist nämlich mal wieder zu Besuch und hat ihre beste Freundin mitgebracht. Wir hoffen auf Sonnenschein!

Dienstag, 3. April 2018

[Lieblingsplatz] Teufelsberg

Blick über eine Hügelkuppe auf den Teufelsberg
Der erste Blick auf den Teufelsberg.
Im Westen Berlins, zwischen den S-Bahnhöfen Grunewald und Heerstraße, erhebt sich der Teufelsberg. Es ist ein sogenannter Trümmerberg, der nach dem zweiten Weltkrieg augeschüttet wurde. Rund ein Drittel der zerbombten Berliner Häuser macht aus ihm mit Industrieabfälle und Bauschutt den zweithöchsten Berg des Stadtgebiets. Aber das sieht man natürlich nicht, wenn man vor oder gar auf ihm steht. Stattdessen sieht man schon von weitem eine alte Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-Amerikaner aus dem Kalten Krieg. Seit Ende der 1990er stehen die Gebäude leer und verfallen. An den zerfetzten Planen der Kuppeln zerrt der Wind, es raschelt und klappert. Für viele Jahre verlassen, war der Teufelsberg ein lost place, ein verlorener Ort. Heute hat er als Street Art Galerie seine Tore wieder geöffnet.

Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Wenn ihr Street Art mögt, kann ich euch den Teufelsberg nur empfehlen.
Ich fand die Atmosphäre in den Hallen, Treppenhäusern und Kuppeln extrem spannend - einerseits die unübersehbaren Spuren des Verlassenseins und der Vernachlässigung über viele Jahre und andererseits die Malereien voller liebevoller Details.

Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
An den vielen Details konnte ich mich kaum satt sehen.
Die Bandbreite der Motive reicht von sehr verspielten, filigranen Wandgemälden bis hin zu gröberen, kleineren Stencils. Ich wusste meistens gar nicht, wohin ich als nächstes gucken, geschweige denn gehen, sollte. Bei jedem Schritt in eine Richtung hatte ich das Gefühl, in der anderen irgendetwas übersehen zu haben.

Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Besonders in den zerfetzten Planen der Kuppel faucht der Wind unüberhörbar. Und ich mochte das Licht!
Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass man ziemlich viele Stunden durch diese Anlage streifen kann - und dabei immer und immer wieder ein neues Detail entdeckt, das den Augen bisher verborgen geblieben war.

Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Annähernd naturalistische Motive finden hier ebenso Platz wie comicartige Bilder.
Hätte ich nicht so gefroren - der Besuch fiel auf einen dieser eisigen Vorfrühlingstage - hätte ich wahrscheinlich noch ein paar hundert Fotos mehr gemacht. Hier zeige ich euch einfach nur meine Favoriten, um den Beitrag nicht zu sprengen.

Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Street Art auf dem Teufelsberg
Morbide wird es auch stellenweise - passt gut zum desolaten Umfeld.
Wenn ihr also bei schönem Wetter nicht wisst, wohin mit euch - den Teufelsberg würde ich euch hiermit ganz entschieden ans Herz legen wollen. Für die Bloggenden unter euch: Der Eintrittspreis mit Recht auf Fotografie kostet zwar mehr, ist's aber definitiv wert. Ihr seht ja, warum...

Wohin geht euer nächster Ausflug?