Samstag, 3. März 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Weg mit §219a StGB!
Morgendliches Stillleben mit Tee und aktuellem Stickprojekt: Weg mit §219a StGB!

Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Die Woche ist mit "kalt" ziemlich gut zusammengefasst. Die Minusgrade in Berlin waren meist zweistellig. Deswegen habe ich viel Zeit damit verbracht, unter diversen Kuscheldecken vergraben zu lesen. Aber ich bin nun auch im Besitz eines Berliner Bibliotheksausweises und gestickt wurde auch: Das halbfertige revoluzzzionäre Monsterchen (Schnittmuster) zeige ich euch dann im Laufe der Woche. Vorher habe ich aber einige Artikel zusammengestellt, die zu lesen sich lohnt:

Netzfunde: Schwangerschaftsabbruch bis Ninja-Katze

Auch in dieser Woche war zu §219a StGB wieder einiges zu lesen - ihr wisst schon, das ist der Paragraph, der es ermöglicht, Frauenärzt*innen anzuzeigen, die Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen auf ihre Website packen. Gerne gelesen habe ich von Charlotte Kerner im ZEIT Magazin, wie sie den Bogen zur zweiten Frauenbewegung schlägt, in deren Rahmen sie bereits für Selbstbetimmungsrechte demonstiert hat. Aus dem Herzen spricht mir wie so oft Margarete Stokowksi bei SPIEGEL online: Sie nimmt insbesondere die Argumentation von Konservativen und Rechten in den Blick, wo im thematischen Umfeld von Schwangerschaftsabbrüchen viel die Rede ist von Würde des Menschen (gemeint ist die der ungeborerenen, nicht der schwangeren Person!) oder auch von Willkommenskultur (für deutsche Ungeborene, nicht für Menschen auf der Flucht!). Diah Riese schaut sich in der taz an, wie Vertreter*innen der CDU sich in den letzten Jahren insgesamt zu Themen wie Verhütung und sexueller Selbstbestimmung geäußert haben. Ihr Resümee: Das Frauenbild dahinter sei geradezu beleidigend. Man möchte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und eine Menge Demonstrationsplakate malen.

Apropos Demonstration: In Pakikstan wird gerade unter Einsatz von Binden und Tampons demonstriert. Der indische Film "Pad Man" soll dort nämlich nicht ins Kino kommen. Er erzählt, wie ein Mann eine Maschine für kostengünstige Damenbinden entwickelte, damit die menstruierenden Menschen in seinem Umfeld nicht mehr auf Stofffetzen und Zeitungspapier angewiesen seien. Die pakistanische Zensurbehörde klassifizierte diesen Film als "gegen unsere Traditionen und Kultur". In sozialen Netzwerken posieren nun Menschen mit Hygieneartikeln, um gegen diese Zensur zu protestieren. Ich find's super und freue mich, dass die Deutsche Welle berichtet hat.

In diesem Artikel auf ZEIT ONLINE beklagt Marlen Hobrack, dass zwar sexuelle Bedürfnisse von Jungs in der (Pop-)Kultur allgegenwärtig sei, diejenigen von Mädchen und jungen Frauen jedoch unsichtbar blieben oder höchstens durch Männeraugen gesehen würden. "Wenn wir den Gedanken zuließen, das Mädchen erregt werden und geil sein können, vor allem aber wenn eigenständige Bilder weibliche, frühadoleszente Lust zu formalisieren wüssten, könnten Mädchen viel selbstbewusster ihre eigene – anstelle der von einem männlich geprägten Blick oktroyierten – Sexualität entdecken."

Die Neue Zürcher Zeitung hat festgestellt, dass an ihren Leserdebatten (sic!) unterdurchschnittlich wenige Frauen teilnehmen und daraufhin versucht, im Dialog mit Leser*innen und einer Geschlechterforschung die Gründe zu analysieren. Hier teilt die Redaktion ihre - meiner Meinung nach wenig überraschenden - Erkenntnisse. Grundsätzlich äußern sich Frauen öffentlich weniger, weil sie aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit eher angegangen werden und die Art, wie Diskussionen geführt werden, Frauen eher abschreckt. Aber: Ich finds gut, dass die Zeitung sich damit auseinandersetzt und fragt, was sie besser machen könnte.

Was einen Ort zur Heimat macht (oder: machen kann), warum es absurd ist, "Heimat" auf Bundesebene anzusetzen und was die konkrete Anbindung ans Innenministerium geradezu beängsitgend macht, erläutert Alena sehr unterhaltsam in ihrem Gastpost auf kleinerdrei. Ich wollte diverse Sätze rot unterstreichen und andere mit Herzchen verzieren, weil toll.

Für den Online-Auftritt des Missy Magazins schreibt Debora Antmann, warum sie es mies findet, dass durch den Rechtsruck plötzlich wieder bislang zutiefst verpöhnte Dinge als "sagbar" gelten. "Ich vermisse die Zeiten, in denen die Leute aus „Furcht“ vor der „Antisemitismusfalle“ wenigstens noch die Klappe gehalten haben. Es hat mich beruhigt, dass gerade „Judenwitze“ und anderer antisemitischer Kram in bestimmten Kontexten nicht zum guten Ton gehört haben."

Da war wieder viel Wut dabei, diese Woche. Zur Nervenberuhigung finde ich da Katzen immer gut. Und diese Fotos von Ninja-Katzen sind geradezu sensationell, um den Geist kurz zur Ruhe und den Körper zum Lachen zu bringen. Ist zwischendurch auch wichtig!

Habt ein tolles Wochenende!

Kommentare:

  1. Über die Ninja-Katzen musste ich lachen, liebe Sabrina. Auch wenn es nicht immer so aussieht könnte unser Kater bei der Fotoaktion bestimmt mitmachen ;)) Über die anderen Themenn konnte ich nicht wirklich lachen - es ist beschämend wieviele Schritte wir momentan zurückgehen, nicht wahr?! Man könnte meinen, die letzten 30 Jahre (oder länger) wären umsonst gewesen. Übrigens, bei uns hat es vergangene Nacht geschneit und wir haben -vier Grad... der Frühling naht ;))) Dir ein kuscheliges Wochenende. Herzlichst, Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich, wenn ich dich zum Lachen bringen konnte! :D
      Und ja, ich find's auch erschreckend, wie entschieden manche versuchen, die Zeit einfach zurückzudrehen. Zeigt mir aber auch, dass man sich nicht auf Erfolgen früherer Zeiten ausruhen darf, sondern immer wieder auch an alten Fronten weiterkämpfen muss. Ganz schön anstrengend...

      Liebe Grüße
      Sabrina

      Löschen
  2. Da hast du wieder viele tolle Lesetipps! Werde sie mir heute Abend vornehmen!
    Bon week-end!
    Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Viel Vergnügen und auch dir ein schönes Wochenende, liebe Astrid!

      Löschen
  3. huh, der link zum missy magazin funktioniert nicht. den rest kannte ich schon. ich bin gespannt auf dein monsterchen. vielleicht für die kommende politisierungssammlung? *zwinker* hab ein warmes wochenende!
    liebst,
    jule*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hoppla, ich hab ihn schnell repariert. Danke für den Hinweis!
      Das Monsterchen sollte eiiiigentlich schon im Februar fertig werden, aber gut Ding will manchmal mehr Weile haben.

      Liebe Grüße
      Sabrina

      Löschen
  4. Hier in Ö gibt es aufgrund politischer Tatsachen viel Grund für Wut und Ärger. Ich müsste mich mit einem ganzen Berg Katzen zudecken, um meine Nerven angemessen zu beruhigen :D Danke für deine interessanten Links!

    Liebe Grüße,
    Veronika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das kann ich mir vorstellen! So eine Schmusedecke aus schnurrenden Katzen wäre wirklich nicht verkehrt!

      Liebe Grüße und vielen Dank
      Sabrina

      Löschen

Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!
Wegen der veränderten Gesetzeslage muss ich euch bitten, zunächst diese Hinweise zu lesen:

Wenn ihr hier kommentiert, werden die von euch eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie beispielsweise eure IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findet ihr in meiner Datenschutzerklärung (Link unter meinem Header ) sowie in der Datenschutzerklärung von Google (https://policies.google.com/privacy?hl=de).

Eure(n) eigene(n) Kommentare könnt ihr jederzeit selbst entfernen oder von mir löschen lassen.

Kommentare, die Direktlinks zu unbekannten bzw. unersichtlichen Seiten (ohne erkennbare URL-Adresse) beinhalten, werden von mir aus Sicherheitsgründen direkt gelöscht.

Bitte auch nicht wundern, wenn es ein wenig dauert, bis der Kommentar sichtbar wird: Ich moderiere und beantworte jeden einzelnen.

Danke, dass ihr bis hier durchgehalten habt und für euren Kommentar!