Samstag, 31. März 2018

[Samstagstee] mit haarigen Netzfunden

Das Wochenende startet mit Tee und Plauschrunde. Wie immer.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Wenn ihr das lest, bin ich zu Ostern an den Rhein gefahren. Dort wohnt der Schwiegerpapa in spe und freut sich seit Wochen darauf, den Lieblingsmenschen und mich in seine Arme zu schließen. Einen Platz in seinem Herzen habe ich schon, seit ich zum ersten Mal die Nase zu seiner Tür reingestreckt habe - und umgekehrt genauso. Der Schwiegerpapa in spe ist nämlich super.

Falls ich also länger nicht auf Kommentare antworte oder später auf einen virtuellen Besuch vorbeischaue, liegt das daran, dass ich bis zur Halskrause gefüllt bin mit Leckereien, geschichtswissenschaftliche Gespräche führe oder durch irgendeinen Weinberg strolche. Damit euch das Warten nicht zu lange wird, hab ich aber ein paar Netzfunde für euch zusammengesammelt.

Bullshit zu Schamhaaren

Ihr kennt das, ich verbreite samstags öfter schlechte Laune. Ich wüte und zetere mich durch eine Ladung Netzfunde und hoffe, dass ein bisschen von meiner Wut auch euch ansteckt und uns antreibt, gemeinsam etwas gegen die Scheißigkeit der Welt zu unternehmen. Dieses Mal war es die jetzt-Redaktion, die meinen Zorn entfacht hat. Lina von Little Feminist hat hier einen Leserbrief zu einem Artikel veröffentlicht, in dem drei Typen darüber schwadronieren, wie sie zu Schambehaarung stehen. Nicht zu ihrer eigenen wohlgemerkt, sondern zu derjenigen der Frauen, mit denen sie Sex haben. Nach der Lektüre des ursprünglichen Artikels war ich wütend genug, um Feuer zu speien. In Form eines Leserinnenbriefs hat die jetzt-Redaktion dieses auch abbekommen.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es völlig okay, sich über Präferenzen und Abneigugnen auszutauschen. Die meisten von uns haben welche. Aber: Zu einem solchen Austausch gehören alle Beteiligten. Für diesen Artikel hätte das bedeutet: Männer wie Frauen (besonders aber letztere - immerhin sind es ihre Körper, die hier verhandelt werden). Nur, man wenn über solche Dinge spricht, ist es möglich, dass nur Dinge stattfinden, die allen recht sind. Dass alle Beteiligten wirklich Spaß und sexuelle Erfüllung finden.

Was in einen solchen Austausch definitiv nicht gehört, sind objektifizierende, übergriffige Aussagen aus einer einzigen Gruppe. Und schon gar nicht aus der Gruppe, um deren Körperbehaarung es gar nicht geht. Anders formuliert: Dieser Artikel gehört nicht in einen solchen Austausch. Dass er in einem Magazin erscheint, der sich dezidiert an ein junges Publikum richtet, den Menschen, die sich ihrer persönlichen Position zur eigenen Körperbehaarung vielleicht noch nicht ganz sicher sind, finde ich zum Kotzen. 
Ich würde mir wünschen, dass viel mehr über Konsens gesprochen und geschrieben wird, statt  sexistische Bilder zu reproduzieren. Ich würde mir wünschen, dass man junge Menschen (und zwar Männer wie Frauen!) dazu empowert, sich in ihrem Körper wohlzufühlen. Dazu, ihre körperliche Selbstbestimmung durchzusetzen und im Zweifel Leute von der Bettkante zu schubsen, die ihnen beim ersten Date mit Einwegrasierern vor der Nase herumwedeln (statt sich entweder zu enthaaren oder zu einem Blowjob bereitzuerklären). Dazu, einen Zugang zu eigenen sexuellen Vorlieben, zu eigenen körperlichen Präferenzen zu finden. Dazu, die eigenen Bedürfnisse ebenso ernstzunehmen, wie die der oder des anderen.

Sonstige Netzfunde

Zum Lachen hat mich Lina von Little Feminist aber auch gebracht. Ihr Brief an Jens Spahn ist köstlich. Ich habe sehr darüber gelacht, "dass die Pille danach kein Smartie ist [...]. Das eine hat Schokolade außen rum, das andere nicht. Das eine gibt es in der Apotheke, das andere im Supermarkt. Das eine vertrage ich trotz Laktoseintoleranz, das andere nicht."

Marlies Krämer finde ich super. Darüber habe ich hier schon mal geschrieben. Mit ihrem Kampf für geschlechtergerechte Sprache zieht sie jetzt vor das Bundesverfassungsgericht und ist bereit, auch bis zum Europäischen Gerichtshof zu gehen. Weil das Geld kostet, hat sie hier eine Spendenkampagne gestartet.

Ich diskutiere seit dem Urteil des Bundesgerichtshofs gefühlt täglich über das generische Maskulinum. Besonders heftig unter Beiträgen, die diese Petition von Pinkstinks teilen. Darin wird die Kulturministerkonferenz (sic!) aufgefordert, die Entwicklung einer geschlechtergerechten Sprache bei Expert*innen zu beauftragen. Nachgelegt hat Pinkstinks dann nochmal mit diesem Artikel. Darin zeigt Nils Pickert auf, wie Sprache Vorstellungen prägt - am Beispiel von Vergewaltigungen. Die Zitate sind alle bekannt, aber sie lösen in mir jedes Mal von neuem eine Menge Wut aus. Auf Sprache achten ist wichtig - gendern ist dabei nur ein Aspekt.

"Rechte sind nicht erst dann oder dadurch ein Problem, wenn sie die öffentliche Ordnung stören, sondern wenn und weil sie rechts sind." So beginnt dieser Artikel im Missy Magazine. Das mache eine friedliche Koexistenz mit ihnen zur unterlassenen Hilfeleistung denjenigen gegenüber, deren Würde und Leben durch sie bedroht sind. Das mache Widerstand notwendig, der ganz friedlich auch so aussehen könne: Nazis keine Bühne zu geben. Spannende Überlegungen zum Zusammenhang zwischen öffentlicher Ordnung und Privilegien, die man mal durchs Hirn wälzen kann.

Und jetzt: Genießt das Wochenende!

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