Samstag, 10. März 2018

[Samstagstee] mit Frauenkampftag

Zum Frauenkampftag war ich etwas wacher als Cthulu auf dieser Tasse.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Am Donnerstag war Frauenkampftag. Mein Thema ist ja schon seit längerem §219a StGB und die sexuelle Selbstbestimmung. Dafür hab ich mir ein neues feministisches Monsterchen genäht und für die *innenAnsicht einen Artikel geschrieben. Außerdem war ich abends auf der großen Demo im Pro-Choice-Block unterwegs - unter anderem mit Redebeiträgen aus Polen und Irland, wo die Selbstbestimmung Schwangerer deutlich mieser aussieht als hier. Da läuft es einem kalt den Rücken runter. Und hinterlässt bei mir eine Menge Unverständnis für die Leute, die öffentlich überlegen, dass so ein Weltfrauentag ja echt unnötig sei, weil wir doch alles erreicht hätten... Nö, haben wir nicht. Und deswegen ist es immer noch wichtig, wütend zu sein und auf die Straße zu gehen.

Ein Plädoyer für diese Wut, für's Mundaufmachen, für "das Feuer in euren Bäuchen", hat Anne auf kleiner3 veröffentlicht. Es ist mein liebster Text zum Frauenkampftag in diesem Jahr. Wie gut, ihn kurz vor einer Demo zu lesen! (Wirkt aber sicher auch am Wochenende noch.)

Eine, die immer wütend zu sein scheint, ist Margarete Stokowski. Deswegen verlinke ich ihre Kolumne hier so oft. Zum Weltfrauentag schreibt sie tatsächlich auch über Wut und überlegt, ob der Feminismus zu weit gegangen sei. Ihre Antwort: "Natürlich! Es gehört zum Wesen des Feminismus, "zu weit zu gehen" für die aktuell geltenden Normen. Weil sich sonst nichts verändert."

Ziemlich viel Wut im Bauch hatte offenbar  auch Nina Weber, als sie für SPIEGEL online "Bitte schön still sein. Und schlucken" geschrieben hat. Der Kommentar bezieht sich auf ein Statement des Frauenärzteverbandes. Es handelt eigentlich von Gründen für ansteigende Abtreibungszahlen, offenbart aber ein ziemlich gruseliges Frauenbild. Und fröhliche Relativierung der potenziellen Nebenwirkungen der Pille. Nur, falls ihr noch Treibstoff für den eigenen Zorn braucht.

Frau Naijn hat in ihrem Post dagegen daran erinnert, dass nicht jede*r immer kämpfen kann. Dass es manchmal unendlich müde machen kann. Und dass es okay ist, dann auch im Bett zu bleiben, um neue Kraft zu sammeln - für den langen Weg, den es noch zu gehen gibt. Das finde ich bei allem Kampfgeist immer wichtig zu bedenken.


Nochmal auf kleiner3 hat Alice "Eine Anleitung gegen Ignoranz in Rassismusdebatten" veröffentlicht, in der sie die üblichen Argumente aufzählt und ihnen Gegenargumente gegenüberstellt. Sowas finde ich ja immer wertvoll, wenn ich mich mal wieder in Online-Debatten verwickele und im Eifer des Gefechts mal nicht mehr weiter weiß. Vielleicht hilft diese Anleitung ja auch einem*r von euch!

Ich war diese Woche aber nicht nur wütend, sondern hab mich auch von Herzen gefreut: Feminismus im Pott haben nämlich einen neuen Podcast. Hurra, mehr Ohrenfutter für mich! In der ersten Folge geht's hauptsächlich um aktuelle Lektüre und Body Positivity. Ich bin gespannt, wie sich das in weiteren Folgen entwickelt!

Habt ein schönes Wochenende - seid wütend auf üblen Scheiß und freut euch über schöne Momente!


Kommentare:

  1. Nach wie vor finde ich es wichtig, dass jede Frau selber über ihren Körper bestimmen sollte. Am Ende landen die ungewollten Babys bestenfalls in einer Klappe oder werden unter schlechten Bedingungen großgezogen. Es gibt genügend geliebte Kinder...
    Über schöne Momente freue ich mich gerade ganz besonders. Denn in meinem fast ausschließlich "weiblichen" Beruf könnte ich gerade nur noch kotzen und würde mich lieber nicht mehr aus dem Bett bewegen.
    Ich genieße jetzt mal das frei Wochenende
    Andrea

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    1. Ja, das ist das Problem, das daraus folgt. Kinder, die gezwungenermaßen zur Welt kommen, werden da ja dann nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen. Und das jemandem anzutun, finde ich ziemlich fies.

      Oweh, ich hoffe, dass es dir beruflich bald besser geht - und damit auch insgesamt!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Das Feld ist gross. LG von Regula

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    1. Das ist es! Es spielt ja auch unheimlich viel mit rein, das auch weit über Werbung für Schwangerschaftsabbrüche oder sogar Schwangerschaftsabbrüche hinaus reicht - zum Beispiel die Frage "Wem trauen wir verantwortungsvolle Entscheidungen eigentlich zu?"
      Oder auch die Frage, wie gehen wir eigentlich mit Reproduktion insgesamt um - angesichts von sinkenden Geburtstationenzahlen und immer mehr Hebammen, die sich ihren Job aufgrund exorbitant hoher Versicherungsprämien nicht mehr leisten können, liegt da ja einfach insgesamt eine Menge im Argen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Wenn man bedenkt, dass die Einnahme der Antibabypille 1964 noch als grob anstößig von der Bundesregierung kritisiert wurde und Mifepriston seit 1999 in Deutschland zugelassen wurde...
    ach, lassen wir das. Momentan brauche ich positive Eindrücke ;)) Liebe Grüße und eine feine Woche, Nicole

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    1. Ja, da ist auch historisch schon einiges an Ignoranz zu finden.
      Dir persönlich wünsche ich aber einen ganzen Haufen positiver Eindrücke.

      Liebe Grüße und eine schöne Woche
      Sabrina

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