Donnerstag, 29. März 2018

13 Fakten über Filme und mich

Foto: Sven Scheuermeier auf Unsplash

 Astrid erzählt im März von ihrem Verhältnis zum Film und hat ihre Leser*innen eingeladen, es ihr gleichzutun. Das Verlinkungstool ist noch ein paar Tage geöffnet. Vielleicht mögt ihr auch noch etwas beitragen?

Gleich zu Beginn muss ich euch ein Geständnis machen: Ich bin gar keine große Filmeguckerin. Meine Liebe gehört zu ganz großen Teilen Hörbüchern und Podcasts. Das liegt daran, dass ich die Finger nicht gut stillhalten kann. Ich möchte gerne während des Medienkonsums sticken oder Hexagone zusammennähen. Das geht natürlich verlustfreier bei Medien, die man nur hören muss.

Wenn ich doch Filme gucke, dann am liebsten mit dem Lieblingsmenschen. Während ich im besten Fall komplett in der Geschichte aufgehe und mit Charakteren identifiziere, achtet er viel mehr darauf, wie Licht und Raum wirken. Das führt anschließend zu sehr spannenden Diskussionen und zu ganz neuen Blickwinkeln für mich.

Weil ich beim Filmgucken so sehr mit den Charakteren mitgehe, brauche ich Taschentücher. Wenn jemand anfängt zu weinen, mache ich nämlich mit. Das war schon immer so. Als ich als kleines Kind zum ersten Mal den "König der Löwen" gesehen habe, mussten wir nach Mufasas Tod eine Viertelstunde was anderes schauen, bis ich aufgehört hatte, zu schluchzen. Mir fallen auch spontan drei Filme ein, die mich in den vergangenen vier Jahren in sehr nasse Häuflein Elend verwandelt haben - ich bin daher zuversichtlich, dass das so bleibt.

Über Lieblingsschauspieler*innen musste ich eine Weile grübeln. Helena Bonham Carter sorgt ziemlich zuverlässig dafür, dass ich Filme von weitem interessant finde. Und Sigourney Weaver liebe ich als Ellen Ripley in "Alien" sehr. Aber zumeist wähle ich nach Genre und Plotzusammenfassung aus...

Mit Buchverfilmungen bin ich meistens unzufrieden, besonders wenn ich die Vorlage liebe. Mir ist bewusst, dass man in zwei Stunden Film niemals 1500 Seiten in ihrer Gesamtheit unterbringen kann. Mir ist ebenfalls bewusst, dass die beiden Medientypen völlig unterschiedliche Anforderungen und Stärken haben und Merkmale des einen nicht direkt ins andere umgesetzt werden können. Aber meistens gehen bei der Umsetzung genau die Aspekte verloren, die ich am Buch geliebt hatte.

Ich mag viele Horrorfilme nicht. Besonders die verdammt häufige sexualisierte Gewalt gegen Frauen kann ich nicht ab. Abseits meiner politischen Überzeugungen ist es aber einfach auch emotional nicht so angenehm für mich, wenn alle fünf Minuten jemand unter lautem Geschrei verstirbt und Menschen weinen. Wie gesagt: Ich heule da mit. Im Zweifel auch mitten in einem Zombiefilm, wenn sich ein infizierter Vater wortreich von seiner verzweifelten Tochter verabschiedet. Es gibt aber natürlich auch Horrorfilme, die ich klasse finde. "The Girl With All the Gifts" zum Beispiel (Trailer - Achtung, stellenweise blutig und brutal). Dabei ist das sogar eine Buchverfilmung, deren Vorlage ich sehr mag - warum habe ich hier beschrieben.

RomComs, also romantische Komödien kann ich in der Regel auch nicht ab. An diesen stört mich, wie oft hochgradig gruseliges Verhalten der Love Interests zu Romantik hochstilisiert wird. Da sitze ich dann vor dem Laptop und zetere, dass "Nein" einfach "Nein" heißt, Stalking nicht romantisch ist und ob es eigentlich arg schwierig war, derart stereotype Charaktere zu bauen. Grr!

Ich mag Fantasy und Science Fiction als Genres ziemlich gerne. Mit zwölf Jahren saß ich mit großen Kulleraugen im Kino und schaute "Der Herr der Ringe - Die Gefährten". Das Bedürfnis, nach Neuseeland zu reisen, ist nicht abgeklungen. Zur Kompensation habe ich die Filme mittlerweile ich das so oft wiedergesehen, dass ich manche Passagen mitsprechen kann. (Die "Hobbit-Verfilmungen finde ich übrigens im Gegensatz dazu ziemlich schlimm. Für einen eloquenten Verriss empfehle ich an dieser Stelle "The Hobbit: A Long-Expected Autopsy" von Lindsay Ellis.)

Als Lieblingsgenre würde ich animierte Kinderfilme sehen. Auch die bringen mich unter Umständen zum Heulen und sind natürlich auch nicht zwangsläufig frei von Stereotypen. Aber auch da kann man sich ja Perlen rausgreifen, die zu einem passen. "Frozen" hat mich zum Beispiel intensiv durch mein Auslandssemester in Finnland begleitet. "The cold never bothered me anyway", ihr wisst schon. Seitdem ist "Let it go" mein Soundtrack für schwierige Entscheidungen, neue Anfänge und... naja, für's Loslassen natürlich.

Überhaupt, Filme mit Musik: Von "Les Miserables" habe ich jedes Mal wochenlang Ohrwürmer. "Reeeeed, the blood of angry men, blaaaaack, the dark of ages past, reeeed a world about to dawn, black the night that ends at laaaaaast...!" Hach. Kann ich übrigens auch nur mit Taschentüchern gucken, wenn ich Überschwemmungen vermeiden möchte. Bei "Empty Tables" reicht allein der Soundtrack.

Der letzte Film, den ich im Kino gesehen habe, war "Shape of Water". Was für ein wunderschöner Film! Dass er Oscars gewonnen hat, hat mich unheimlich gefreut. Nicht nur wegen der Story, die auf Liebe und Toleranz gegenüber Andersartigem setzt und damit einfach schon sehr sympathisch ist. Auch nicht ausschließlich wegen der Charaktere, die in ihrer Verschrobenheit endlos liebenswert sind (und sehr divers!). Sondern tatsächlich auch, weil der Film so unheimlich schön anzusehen ist mit seinem konstanten Petrolstich und den traumartigen Bildern. Wenn ihr ihn noch nicht kennt, überzeugt euch vielleicht der Trailer, das zu ändern.

Fasziniert hat mich "A Girl Walks Home Alone at Night" (Trailer). Vice beschreibt ihn als den "ersten iranischen Vampirwestern". Die Hauptperson: eine Vampirin im Tschador auf einem Skateboard. Total cool, ungewöhnlich - und feministisch, sowohl in der Prämisse als auch im Brechen stereotyper Bilder. (Für einen Einblick in feministische Filmtheorie möchte ich an dieser Stelle nochmal auf Lindsay Ellison verweisen. Die Episoden 5-7 ihrer Reihe The Whole Plate: Film Studies through a Lens of Transformers beschäftigen sich nämlich genau damit.)

Mein Lieblingsfilm ist "Harold and Maude". Der Trailer ist schräg, aber das ist der Film ja auch. Er erzählt, wie sich ein junger Mann mit zu viel Geld und zu wenig Lebensfreude in eine alte Dame verliebt, die vor Lebenslust nur so sprüht. An ihrer Seite bricht er aus den Erwartungen seiner Familie und der scheinbar vorherbestimmten Langeweile aus. Ich habe kürzlich hier darüber geschrieben, dass es so wenige Vorbilder gibt, wie man als Frau altern kann. Marlies Krämer ist mein neuestes, aber Maud war mein erstes.

Was ist euer Lieblingsfilm?

Kommentare:

  1. Danke fürs Mitmachen! "Harold und Maulde" habe ich ganz vergessen, den mag ich auch sehr. Wenn ich so viel mitleiden müsste, würde ich auch keine Filme mehr gucken.
    Nun wünsche ich dir ein paar intensive (Oster-)Tage!
    Herzlich
    Astrid

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    1. Vielen Dank, die hatte ich! Ich war am Rhein und habe Drachen gesehen!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. DEN Lieblingsfilm habe ich nicht. Aber ich laufe auch eher bei Liebeskomödien schreiend weg als bei Horrorfilmen, wobei ich letztere auch nicht unbedingt mag. SciFi und Fantasy dafür umso mehr.
    Zum Glück halten sich die Tränen bei mir zurück, aber ich kann nachfühlen wie es ist beim Gucken mit drinzustecken. ;)
    Interessanterweise dachte ich vor kurzem mal darüber nach, daß wir mehr Geschichten brauchen in denen alte Frauen die Heldinnen sind, und das gerne auch mal so fantasy-action-mäßig. :)
    Liebe Grüße
    Janina

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    1. Oh jaaa, da wäre so viel Raum zu füllen.
      Ich hab diese Woche endlich Mad Max: Fury Road gesehen. Da sind ein paar alte Damen dabei. <3

      Liebe Grüße
      Sabrina

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    2. Ach, den Film liebe ich ja allein wegen dem Endzeit-Thema und dann noch die Vielfalt der starken weiblichen Charaktere... <3 So eine als Haupdarstellerin wär's mal. Das erste was ich von dem Film übrigens mitbekommen hatte, war die "Kritik" von Anti-Feministen. Da dachte ich mir schon, daß ich den super finden werde. :D
      Liebe Grüße
      Janina

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    3. Haha, meckernde Anti-Feministen sind ziemlich oft ganz brauchbare Wegweiser. Immerhin das, ne? :D
      Und jaaaa, der Film ist einfach toll. Ich liebe es ja auch, wenn ich aus fast jeder Einstellung ein Poster machen möchte. (Und ich brauchte nur einen Sekundenbruchteil, um den Mann davon zu überzeugen, unser erstes gemeinsames Auto dann an der Fahrertür mit dem Skelett-Arm zu verzieren, wie Imperator Furiosa. Der ist nämlich mindestens ebenso entzückt.)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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