Mittwoch, 21. Februar 2018

[Stadt - Land] Preptalk: Spandau

Der Bahnhof war das Erste, was ich von Spandau gesehen habe.
Susanne von mami made lebt in Wien. Vor einiger Zeit ist ihr aufgefallen, dass sich ihr Leben von das auf dem Land massiv unterscheidet - so sehr, dass man voneinander gar keine Vorstellung hat. Das möchte sie in ihrer neuen Linkparty Stadt - Land ändern, indem man mal davon spricht, wie es da so ist, wo man so wohnt. Im Preptalk hat sie sich ihrem, dem 4. Bezirk, statistisch genähert - und damit bei mir offene Türen eingerannt. So frisch nach dem Umzug bin ich nämlich verdammt neugierig, wo ich hier eigentlich gelandet bin!

Meine frischgebackene Heimatstadt Berlin ist die größte deutschsprachige Stadt der Welt. Ich wohne ganz westlich, im Bezirk Spandau, von dem viele Berliner gerne behaupten, er gehöre gar nicht so recht dazu. Hierhin hat es mich nicht verschlagen, weil ich nicht so richtig Berlinerin werden wollte, sondern weil der Lieblingsmensch und ich hier durch einen glücklichen Umstand eine gemeinsame Wohnung gefunden haben, die wir a) bezahlen konnten und die uns b) auch noch gefiel. Der Mensch im Bürgerbüro hat mir aber enthuasiastisch zu meiner Wahl gratuliert - er sei hier geboren und aufgewachsen und wolle nirgends anders wohnen. Hier in Spandau gäbe es noch die meisten Ureinwohner*innen, während es in Mitte verschwindend wenige seien - damit sei Spandau echter Berlin als diverse andere Bezirke. (Ich habe ihn nicht gefragt, ob er mir die Verwässerung durch meine Person übelnimmt.)

Berlin-Spandau: Architekturmix galore.
Urkundlich erwähnt wird die Stadt Spandau bereits 1232, aber die Besiedlung lässt sich bis ins 6. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals lebten slawische Stämme am Ufer der Havel. Zum Ende des zwölften Jahrhunderts wurde erstmals eine Burganlage in den Urkunden erwähnt, die dem Bezirk seinen Namen geben sollte: Spandow.

Heute ist Spandau mit knapp 92 Quadratkilometern der viertgrößte Bezirk Berlins. Dabei hatte er allerdings mit gut 238.000 Einwohner*innen die geringste Bevölkerung. Dieser Zusammenhang ergibt sich aus dem hohen Anteil von Wasser- und Waldflächen des Bezirks. Für mich bedeutet das viele Möglichkeiten für Spaziergänge in der Nähe - find ich super!

Berlin-Spandau: Wappen von 1954
Der größte Teil der Bevölkerung Spandaus ist zwischen 27 und 45 Jahre alt - da falle ich total rein. Die nächstgrößere Altersgruppe ist über 65.
Überdurchschnittlich viele Menschen in Spandau waren im Dezember 2017 arbeitslos, nämlich 10,0 Prozent (Bund: 5,3 Prozent; Berlin: 8,4 Prozent), zugleich ist der Anteil an Ausländer*innen und Menschen mit Migrationshintergrund mit 18,9 Prozent bzw. 33,8 Prozent deutlich größer (Bund: 9,5 Prozent bzw. 21,0 Prozent; Berlin: 16 Prozent bzw. ?? Prozent).

Insgesamt wohnen all diese Menschen in 118.602 Wohnungen mit 428.304 Zimmern. Im Schnitt macht das 3,6 Zimmer - es gibt aber auch über 3.500 Wohnungen mit sagenhaften sieben oder mehr Räumen (oh, the possibilities!) und knappe 3.000 mit einem einzelnen Zimmer.

Wenn Spandauer*innen krank werden, können sie eine*n der 317 niedergelassenen Ärzt*innen aufsuchen. Den größten Anteil haben daran Zahnärzt*innen (130), Allgemeine und Innere Medizin nimmt nur den zweiten Platz ein (122). Ob eine*r der immerhin 27 Gynäkolog*innen neue Patient*innen aufnimmt, muss ich noch rausfinden. Drückt mir an dieser Stelle gerne die Daumen!

Berlin-Spandau: Ich mag dieses Haus. Es ist genauso krumm, wie es hier aussieht.

Der Blick in die politische Stastik war leider keine große Freude: 14,1 Prozent der Spandauer*innen haben bei der letzten Bundestagswahl eine gewisse populistische Partei gewählt. Wenig überraschend ist diese Partei die große Stimmengewinnerin im Vergleich zu 2013. Gleichzeitig haben Union und SPD gemeinsam über 14 Prozent der Stimmen verloren, während Die Linke und Grüne nahezu unverändert blieben - eventuell ein Hinweis darauf, wo starke Parteiidentifikation stattfindet und wo der Frust am größten ist?

Insgesamt scheint es jedenfalls eine tendenziell mittig-konservative Gegend zu sein, in die ich hier geraten bin. (Allerdings hab ich als erstes die Niederlassung der Linken gefunden - mal sehen, was ich hier an konkreter Politik mitbekomme.)

Berlin-Spandau: Computerläden und Solarien sind ziemlich häufig.
Statistiken beinhalten ja manchmal auch Details, die etwas kurioser sind. Städtische Bäder sind so ein Punkt. Ich weiß jetzt jedenfalls, dass Spandau drei Freibäder und vier Hallenbäder hat. Insgesamt bieten diese sieben Bäder eine Wasserfläche von 3790 Quadratmeter. Runtergerechnet auf alle Spandauer*innen ist das gar nicht mal so viel - 13,3 Quadratmeter in den Freibädern und grandiose 3,2 Quadratmeter in den Hallenbädern. Puh, ein Glück, dass sicher ein paar wasserscheu sind!

Häufiger als Bäder nutze ich tendenziell Bibliotheken. Lustigerweise gibt es auch davon sieben Stück in Spandau mit insgesamt 314.708 Medien, die in der Statistik nicht genauer spezifiziert werden. Ganz offensichtlich muss ich da mal selbst nachschauen gehen und mir einen Büchereiausweis machen lassen!

Berlin-Spandau: Dieses Haus gefällt mir besonders gut. Im Laden unten gibt es leckeres Fladenbrot.
Im Februar sammelt Susanne eigentlich Infos zum Verkehr in unserer Umgebung, daher könnt ihr euch schon mal drauf gefasst machen, schon bald mehr über Spandau herauszufinden!

Habt ihr euch schonmal Statistiken zu eurer Umgebung angeschaut? Erzählt mal!

Kommentare:

  1. Toll, etwas über deinen neuen Kiez hier zu erfahren ( ich bin mir gar nicht bewusst, dass ich da schon mal bei Berlinbesuchen war ).
    So viele öffentliche Bäder & Bibliotheken finde ich ja schon bemerkenswert! ( Wir haben nur noch ein Kombibad mit Eisbahn in der Nähe und nur noch eine Stadtteilbibliothek und mehrere kirchliche. )
    Bin gespannt, was du da noch alles zu erzählen weißt.
    GLG
    Astrid

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    1. Puh, das ist dann echt keine große Ausbeute bei euch. Ich werde bestimmt mal gucken gehen, wie die so "in echt" sind...

      Liebe Grüße
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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