Samstag, 10. Februar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ich bin verliebt in die neue alte Teekannte. Und in farblich passende Zombie-Bücher.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Bei fantastischem Winterwetter habe ich diese Woche viel Zeit im Bett verbracht. Ich war nämlich krank - die hartnäckige Erkältung hab ich beim Umzug mitgebracht und dann vor lauter Kisten schleppen und Co nicht richtig auskuriert. Da hat sie sich nun gerächt. Tja, ich hab dann einfach umso mehr gelesen und Podcasts gehört.

Mein Highlight der Woche war "The Boy On The Bridge" von M. R. Carey. Der Roman ist teils Prequel, teils Sequel zu "The Girl With All The Gifts" und sollte definitiv als zweites gelesen werden, um so richtig genossen werden zu können.
Dargestellt wird eine Welt, die eigentlich schon untergegangen ist - durch eine Infektion verwandeln sich weite Teile der Menschheit in hirnlose Fressmonster und die Übriggebliebenen müssen irgendwie versuchen, sich und die eigene Spezies zu retten. Soweit so bekannt aus diversen Zombiefilmen, die ich gar nicht so gerne mag. Das Besondere an diesen Büchern ist für mich, dass "The Girl..." und "The Boy..." auf die grundpessimistische "Alle Menschen sind scheiße und bei der ersten Gelegenheit werden sie sich gegenseitig in den Rücken fallen"-Haltung bei gleichzeitiger "Nur der Mensch ist es wert, auf dieser Welt zu leben"-Überzeugung verzichten. Was mich besonders begeistert, sind aber die Figuren: Da sind kluge, coole, sympathische Frauen unterwegs, deren Betrachtung ganz ohne Male Gaze auskommt, ebenso wie grandios unsympathische Damen; es gibt schwule Männer, Personen mit Behinderung... Eine solche Bandbreite bin ich in der Nähe von Zombies nicht gewöhnt. Ich hab beim Lesen vor Frustration geheult und manchmal auch vor Erleichterung, ich hab laut gelacht und noch lauter (und ziemlich wüst) geflucht. Ganz große Buchliebe!

Verguckt hab ich mich gleich nochmal in Little Feminist, einem recht neuen Blog, der definitiv mehr Kommentare verdient hat, weil Lina nicht nur klug, sondern auch witzig über den Dreiklang "Arbeit, Angst, Ananas" oder über den Zusammenhang von Menstruation und Darmsperenzchen schreibt.

Amina von kleinerdr3i fragt sich nach Kritik aus ihrem Freundeskreis in diesem Post, ob sie zu politisch sei. Wenig überraschend lautet die Antwort: "nein". Weil politische Mühlen langsam mahlten, sei es nun mal wichtig, sich jetzt zu engagieren, um von den Ergebnissen auch noch was zu sehen zu bekommen - damit beispielsweise nicht mehr überwiegend Menschen ohne Uterus über Schwangerschaftsabbrüche entscheiden.

Dieser Artikel auf ZEIT online zieht Parallelen zwischen heutigen "Afrika-Schmonzetten" und dem Heimatfilm der Nachkriegszeit und erläutert, warum "Für immer Afrika" und Konsorten rassistisch sind: "Das Perfide der so unschuldig daherkommenden, verklärten Afrika-Filmbilder besteht nicht in den einzelnen Aufnahmen und Erzählungen, sondern darin, dass die immergleiche Geschichte unermüdlich reproduziert wird. Eine Geschichte, die ein rassistisch geprägtes Weltbild in Endlosschleife fortschreibt und bestärkt."

In einem Interview mit der Berliner Zeitung spricht Kholoud Bariedah über Frauenrechte in Saudi-Arabien und die Entstehungsgeschichte ihres Buches "Keine Tränen für Allah. Wie ich von Tugendwächtern verurteilt wurde und dem Frauengefängnis von Mekka entkam". Während ich dieses Ungetüm von einem Buchtitel eher abschreckend finde, fand ich Kholoud Bariedah im Interview umso sympathischer. "Ich liebe meine Heimat. [...] es ist ein Missverständnis, zu denken, ich wäre nur nach Deutschland gekommen, um ein freies Leben zu führen. Eher war es ein Ziel: Ich habe das Buch geschrieben, um Saudi-Arabien zu verändern." (Warum es allerdings so wichtig ist zu betonen, dass sie "recht gutes Deutsch" spricht, muss ein Geheimnis der Berliner Zeitung bleiben.)

Im Kaiserinnenreich bin ich auf einen famosen Post mit einer Menge Empfehlungen für Podcasts von und mit tollen Frauen gestoßen. Klickt euch da mal durch - nicht nur, wenn ihr auch krank im Bett liegen solltet, sondern auch beim Nähen, Regale einräumen, Pendeln...

So, damit sollte ich euch doch jetzt mindestens übers Wochenende bespaßt haben, oder? Während ihr lest und hört, mache ich frisch genesen eine große Stadt unsicher, die jetzt nur noch gut 90 Minuten Zugfahrt entfernt ist und lerne Menschen kennen, die mich virtuell schon ein ganzes Weilchen begleiten. Huiuiuim ganz schön aufregend, so ein Treffen "in echt"!

Genießt das Wochenende!
Ich liebe meine Heimat, wusste aber, dass ich nie dorthin zurückkehren kann, wenn ich das Buch veröffentliche. Ich würde dort verhaftet oder sogar getötet. Aber es ist ein Missverständnis, zu denken, ich wäre nur nach Deutschland gekommen, um ein freies Leben zu führen. Eher war es ein Ziel: Ich habe das Buch geschrieben, um Saudi-Arabien zu verändern. – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/29564790 ©2018

Kommentare:

  1. guten morgen,
    den kleinen feministenblog habe ich gleich mal auf meine elseliste gepackt. für alles andere fehlt mir gerade der kopf, wobei auch einiges dabei ist, was meine woche streifte. mal sehen, ob ich später noch einen beitrag hinbekomme.
    ich wünsche weiterhin gute besserung und noch besseres ankommen in deinem neuen zuhause.
    liebst,
    jule*

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    1. Heyho,

      vielen lieben Dank - und deinem Kopf wünsche ich, dass er sich übers Wochenende ein bisschen erholen konnte.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und gute Besserung!
    LG
    Yvonne

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    1. Vielen lieben Dank dir!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Wow eine Menge Infos. Wenn ich nachher wieder zu Hause bin, stöbere ich mal.
    Gute Besserung noch
    Andrea

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    1. Viel Spaß beim Stöbern (falls du noch nicht durch bist) und vielen Dank!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  4. Oje, umgezogen und gleich krank im Bett liegen, das ist ja dumm! Immerhin hast Du Dir mit interessanten Dingen die Zeit vertrieben.
    Gute Besserung!
    Liebe Grüße
    ANdrea

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    1. Vielen Dank! Ich hab aber das Gefühl, das ist typisch. Umzüge machen mich jedes Mal erstmal krank. Aber immerhin hab ich jetzt ja auch die Zeit, mich hinzulegen und wirklich zu gucken, dass es auskuriert wird.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  5. Guten Tag,
    na immerhin hast du die Zeit wirkungsvoll genutzt und bist dabei wieder gesund und fit geworden.
    Viel Spaß in der großen Stadt und mit den neuen alten Bekannten.
    Vielen Dank für die Netzfunde.
    Lieb Grüßt
    die Mira

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  6. Toll, dein Teekrug mit Tasse. :-) Das Duo macht gute Laune. LG von Regula

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    1. Ja, mir auch. Der Lieblingsmensch wollte sie entsorgen (stammt aus seinem Bestand), aber zum Glück hatte er mir das rechtzeitig gesagt, so dass ich mich laut schreiend zwischen das Teeservice und den Müll werfen konnte. ;)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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