Samstag, 17. Februar 2018

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Cthulu-Tasse im Wochenrückblick
In ungefähr diesem Zustand befand ich mich diese Woche auch.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Letzte Woche habe ich mich beim Samstagsplausch als "frisch genesen" bezeichnet. Das war mehr Optimismus und Vorfreude aufs Wochenende in Hamburg als irgendwas anderes: Donnerstagabend musste ich nämlich einsehen, dass ich nicht nur nicht genesen, sondern eindeutig fiebrig war. Und nochmal Bettruhe... Das macht mich unheimlich ungeduldig, weil um mich herum so viele Baustellen offen sind, die ich unbedingt beackern möchte! Aber dieses Mal zieh ich das durch mit dem Im-Bett-bleiben, bis ich wirklich wieder fit bin!

Immerhin hat sich das wieder positiv auf die Fülle an Netzfunden ausgewirkt, die ich euch heute präsentieren kann:
 
Dieses Jahr heiraten zwei meiner Freundinnen. Eine von ihnen wird ihren jetzigen Nachnamen behalten, die andere den ihres Ehemanns annehmen. In der Gesamtstatistik ist die zweite Wahl immer noch deutlich populärer: Ganze 80 Prozent der heiratenden Frauen entscheiden sich für einen Namenswechsel. Im Zeit-Magazin wird dieses Verhalten in einem Artikel kritisiert - weil das Private auch politisch ist und der Namenswechsel patriarchale Strukturen zumindest nicht in Frage stellt.

Am Freitag hat mir eine Freundin einen Screenshot der Sonntagsfrage geschickt, der mich so gar nicht erfreut hat: Blau lag laut infratest dimap nur einen mickrigen Prozentpunkt hinter rot. Nun sind solche Umfrageergebnisse ja immer nur genau das: Ergebnisse von Umfragen. Trotzdem finde ich es jedes Mal erschreckend zu sehen, wie Deutschlands älteste demokratische Partei und die Neurechten so aufeinander zu kippen - und frage mich jedes Mal: Was tun? Dieser Frage ist auch Anne von kleinerdrei nachgegangen und hat in diesem Post Strategien gegen den Empörungsburnout gesammelt. Besonders wichtig ist es aus ihrer Sicht dabei, sich bewusst auszudrücken. "Achtet auf eure Sprache. Achtet darauf, welche Worte ihr benutzt und wie ihr das tut. Erkennt die Macht von Sprache an und damit auch eure Verantwortung." Wie genau das aussehen kann, wird weiter aufgeschlüsselt. Fand ich für mich hilfreich.

Dass es wichtig ist, genau hinzuschauen und zu -hören ist auch Grundsatz dessen, was als Identitätspolitik bezeichnet wird: Bezeichnet wird damit ein politisches Engagement, das auf der Erfahrung von Unterdrückung gründet und sich dagegen auflehnt, mit den eigenen Erfahrungen, Wünschen und Bedürfnissen immer wieder an den Rand gedrängt zu werden. In diesem Artikel auf Geschichte der Gegenwart schreibt Patricia Putschert, es sei problematisch, "dass die Einteilung politischer Anliegen in wichtige und unwichtige, in Haupt- und Nebenwidersprüche aus der Position jener erfolgt, die im Kampf um Repräsentation immer schon auf der Gewinnerseite stehen." Diese Gewinnerseite, die berühmten alten weißen Männer, verteidigten ihre Privilegien zunehmend radikal. Gleichzeitig würde dadurch aber die weiße Identität auch immer stärker als eine von vielen wahrgenommen. (Überhaupt hab ich festgestellt, dass ich die Geschichte der Gegenwart mal im Auge behalten möchte. Da sind tolle Artikel dabei!)

Gerne gehört habe ich wie immer die neueste Episode des Lila Podcast. Besonders getroffen hat mich dabei der Verweis auf Studien, laut denen rund ein Drittel der Frauen bei vaginalem Sex Schmerzen haben (und bei Anal-Sex sogar fast drei Viertel!) - ohne deshalb abzubrechen. Weil sie Schmerzen für etwas halten, was zu Sex halt dazugehört. Weil ihnen die Lust ihres Partners wichtiger vorkommt als die eigene Schmerzlosigkeit. Das hat selbst beim Zuhören wehgetan.

Über den Widerstand gegen §219a StGB (kurz gesagt der Paragraph, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet und genutzt wird, um Ärzt*innen zu verbieten, darüber zu informieren) hatte ich hier ja schon häufiger berichtet (zum Beispiel hier und hier). In der kommenden Woche kommt da nochmal Bewegung rein: Am 22. Februar wird im Bundestag über das Gesetz debattiert, wobei die Debatte live übertragen wird (Infos des Bundestags mit aktueller Uhrzeit usw.: hier) Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung hat für diesen Tag zu einer Demo aufgerufen. Momentan läuft bereits die zugehörige Fotoaktion. Teilnehmen möchte ich am liebsten an beidem. Sehe ich da bekannte Gesichter?


Für einen versöhnlichen Schluss habe ich diese Woche auch eine Rezension zum wundervoll illustrierten Buch Women In Science von Rachel Ignotofsky veröffentlicht. Schaut doch mal vorbei, vielleicht findet ihr ja neuen Lesestoff für euch!

Erzählt mal, wie war eure Woche so?

Kommentare:

  1. Oje, immernoch krank!! Gute Besserung! Ich habe bei der Heirat den Doppelnamen gewählt, damals die einzige Alternative zum Annehmen des Namen des Mannes. In der Praxis ist das extrem umständlich, z.B. bei Ärzten. Wo ich lange bin, ruft man mich unter dem Namen meines Mannes auf, bei neuen, um es zu verkürzen mit dem ersten Teil des Doppelnamens, mit meinem Mädchennamen. Den korrekten Doppelnamen benutzt eigentlich kaum einer. Da muss ich flexibel bleiben und immer gut hinhören :)
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hui, da wäre ich dann ja auch verwirrt, wenn alle Leute mich unterschiedlich nennen. :D

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Erstmal gute Besserung, liebe Sabrina!

    Eine sehr informative Liste hast du da - vielen Dank!

    Die Fotoaktion gucke ich mir heute abend an, das könnte was für mich sein.

    Übrigens habe ich meinen Namen bei der Heirat behalten, und die Kinder tragen auch meinen :).

    Lieber Gruß,
    Sonja

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    1. Lieben Dank!
      Irgendwie wundert es mich nicht, dass *du* deinen Namen behalten hast.

      Tatschlich weiß ich gar nicht, was ich mit meinem Nachnamen täte, wenn hier eine Hochzeit ins Haus stünde. Hm!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Ich habe zweimal geheiratet. Beim ersten Mal haben wir (= Mann 1 und ich) beide jeweils unseren Namen behalten, beim zweiten Mal haben wir (= Mann 2 und ich) uns für meinen Namen entschieden (man beachte die Formulierung!). Und ich habe gerade überlegt, aber ich glaube, auf allen Hochzeiten, auf denen ich bisher sonst war, hat bis auf eine Ausnahme die Frau den Namen des Mannes angenommen. Nicht in allen Fällen nur aus Tradition, aber das spricht schon eine deutliche Sprache...
    Gute Besserung!

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    1. Danke!

      Ja, ich glaube auch, dass es mehr als den Traditionsgrund gibt, sich für seinen Namen zu entscheiden. Sicherlich gibt es auch viele Paare, die sich das gemeinsam überlegen und gemeinsam entscheiden. Aber die Statistik ist da schon ein bisschen krass. Und ich hab immer meine Tante im Ohr, die schnaubend meinte, es sei doch total albern, wenn bei einem *Mann* "geborener XY" stünde. Sie ist selbstverständlich verheiratet, trägt den Namen ihres Mannes und findet das bei Frauen anscheinend nicht beschnaubungswürdig...

      Liebe Grüße
      Sabrina

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    2. Mein Mann sagt immer, sein Geburtsname sei sein Mädchenname :D Ich finde, egal ob Traditionsgründe oder nicht, dass man sich so lange weigern sollte, den Namen des Mannes zu nehmen, bis sich die Verteilung halbwegs normalisiert hat :D

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  4. Kuriere dich bitte aus. Um mich heraum sind so Einige nach so einer fiebrigen Geschichte zu früh wieder "aufgestanden". Also bitte Ruhe!

    Gruß Marion

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    1. Ja, dieses Mal bin ich wirklich brav. Die Hummeln im Hintern müssen sich hinten anstellen und ein bisschen Ruhe geben.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  5. Ich habe auch den Namen meines GG angenommen, liebe Sabrina. Wir wollten eine Familie gründen und ein gemeinsamer Nachname hat sich da sehr richtig angefühlt. Gute Besserung für Dich und einen lieben Gruß, Nicole

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    1. Liebe Nicole, das ist für mich auch ein gutes Argument für einen gemeinsamen Nachnamen. Grundsätzlich finde ich es nur gut, wenn die Entscheidung irgendwie reflektiert passiert und nicht einfach "weil man das so macht". :)

      Liebe Grüße und danke dir
      Sabrina

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Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß!

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