Mittwoch, 14. Februar 2018

[Rezension] Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World

Women in Science - 5 Fearless Pioneers Who Changed The World, Rezension
"Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World": Naturwissenschaftlerinnen in meinem Regal
Angezogen hat mich wieder einmal das Cover - coole Illustrationen, fast ein Regenbogenfarbverlauf und glänzende Elemente. "Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World" ist ein schönes Buch. Und sein Innenleben hält, was es außen verspricht: Die Illustrationen von Rachel Ignotofsky sind farbenfroh, liebevoll und lebhaft. Ich mag die tonigen Seiten, deren Farben ganz oft abgestimmt sind auf die konkrete Profession der gezeigten Frau.

Pro Doppelseite wird eine Frau dargestellt, die Herausragendes in den Natuswissenschaften geleitet hat - von Hypathia, einer der ersten Lehrerinnen in Alexandria (etwa 350 - 415 v. Chr.) bis zur Mathematikerin Maryam Marzqakhani (geb. 1977) geht es durch die Jahrhunderte. Als bestürzend empfand ich beim Lesen, wie oft die Frauen von Männern ausgebremst oder gar um Ideen bestohlen wurden. Nicht nur, weil universitäre Bildung lange Zeit den Männern vorbehalten war. Ich habe beispielsweise auch in der Schule gelernt, dass die Struktur der DNA von James Watson und Francis Cricket entdeckt worden wäre. Allerdings hätten die beiden ihren Medizin-Nobelpreis ohne unerlaubte Blicke in die Arbeit Rosalind Franklins nicht errungen. Erstaunlich, dass das in meiner Schulzeit nicht thematisiert wurde.

Neben den harten biographischen Fakten hat Rachel Ignotofsky auch lustige Anekdoten verpackt - etwa, dass Annie Easley, eine der ersten Afroamerikaner*innen, die als Informatiker*innen für die NASA arbeiteten, von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde und Präsidentin des Ski-Clubs der NASA war.

"Women in Science" beschränkt sich aber nicht auf die Biographien, sondern hat noch mehr zu bieten: Für Nicht-Naturwissenschaftler*innen unter den Lesenden gibt es unter anderem ein Glossar, in dem beispielsweise die DNA nochmal ganz knapp erklärt wird - ein ziemlicher Pluspunkt, wie ich finde. Weil die Autorin an ihrer Recherche so viel Freude hatte und diese mit ihrem Publikum teilen möchte, nennt sie einige ihrer Quellen - auch, weil es so viel mehr über die Frauen zu sagen gibt, als im Buch Platz finden konnte. Auf der Doppelseite "More Women in Science" reißt Rachel Ignotofsky ganz knapp 14 weitere Frauen an, um zu zeigen, dass es viel, viel mehr gibt. Sie schließt mit einem empowernden Statement: "The next great scientist could be you!" Es gibt also eine Menge zu entdecken - im Buch und auch darüber hinaus! Und wenn das immer noch nicht reicht, gibt es auch noch eine Postkartenbox zum Buch, so dass man die Damen auch noch an die Wand hängen und an Freund*innen verschicken kann!

Women in Science: Annie Easley arbeitete als Informatikerin für die NASA
Annie Easley war eine der ersten Afroamerikaner*innen, die für die NASA als Informatiker*in gearbeitet hat.
Bei aller Begeisterung habe ich auch zwei Kritikpunkte. Ich fand die Dichte an US-Amerikanerinnen sehr hoch. Das mag daran liegen, dass Rachel Ignotofsky selbst in Los Angeles wohnt oder daran, dass NobelpreisträgerInnen extrem häufig aus den USA kommen, aber dennoch hätte ich mir da eine größere Bandbreite gewünscht. Neben der Diversität fehlt mir an einigen Stellen auch eine kritischere Auseinandersetzung mit den Frauen: Beispielsweise wird eine Atombombe in meinen Augen kein Stück besser, nur weil Frauen an ihrer Erfindung beteiligt waren. Natürlich geht es darum, deren bahnbrechende Arbeit zu würdigen und auf einer einzigen Seite dann auch noch die Risiken und Nebenwirkungen dieser Arbeit zu diskutieren, ist vermutlich nur schwer möglich, aber bei mir hinterlässt das einen schalen Nachgeschmack.

Weil es natürlich auch außerhalb der Naturwissenschaften großartige Frauen gibt, hat Rachel Ignotofsky mittlerweile auch ein Buch über Athletinnen, Women in Sports, veröffentlicht. Nun ist Sport so gar nicht mein Thema, aber reinblättern möchte ich auf jeden Fall mal. Und falls sie danach losgeht und Schriftstellerinnen porträtiert, möchte ich bitte das Buch, die Postkartenbox und mindestens ein Shirt!

Bis es aber soweit ist, können wir ja aber auch an anderer Stelle weiterlesen. Zum Beispiel in Good Night Stories for Rebel Girls oder auch die Reihe Great Women von Astrid, die überhaupt erst meine Lust an Biografien geweckt hat.

Titel: Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World
Autorin: Rachel Ignotofsky
Verlag: Ten Speed Press
Umfang: 128 Seiten
  1. Preis: 12,99 €

Kommentare:

  1. Oh, darauf hab ich gewartet! Ich glaube sogar das ist das gleiche Buch, was ich hier in einem Buchladenfenster schonmal gesehen habe. Dann lohnt sich das ja auf jeden Fall und ich bin gespannt wen ich noch nicht kenne. :) Das mit der DNA wusste ich zwar schon, aber erschreckenderweise auch nicht aus dem Studium.
    Liebe Grüße
    Janina

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    1. Ich find's sehr krass, dass das immer noch so falsch gelehrt wird. Dabei scheint das ja mittlerweile irgendwie ein offenes Geheimnis zu sein.

      Falls du es liest, würde mich sehr interessieren, ob es dir auch so gut gefällt. Du bist ja wesentlich näher an den Naturwissenschaften dran als ich.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Danke für die Erwähnung!
    Hier liegt auch noch das Buch von Penelope Bagieu mit Frauenporträts in Comic - Form, findet aber eher Interesse bei meinem Mann, denn bei mir. Auch aktuell mischen viele Frauen an vorderster Front in den Naturwissenschaften mit, aber das Nobelkomitee hat Scheuklappen. Frauen im Sport fehlen bei mir auch, obwohl ich welche auf der Liste habe. Aber es ist auch nicht so mein Ding.
    Ich freue mich aber, wenn so viele Frauen an diesem Thema arbeiten, denn es gibt so viel zu (wieder-)entdecken.
    LG
    Astrid

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    1. Ja, es gibt eine Menge (wieder-) zu entdecken und deswegen freu ich mich so sehr, dass du mich da mit der Nase drauf gestupst hast. Das ist wirklich eine Fundgrube für mich.

      Das Buch von Penelope Begieu steht auch auf meiner Leseliste. Mal sehen, ob es mir geht wie dir - oder eher wie deinem Mann. :)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Das Buch steht auch in meinem Regal und ich mag es sehr! Spannend, wie einem nach der Lektüre plötzlich die Namen einiger der Porträtierten auffallen. Ohne das Buch wäre mir bestimmt nie aufgefallen, wer diese Christiane Nüsslein-Volhard ist, von der im Uninewsletter ein Vortrag angekündigt worden ist :)

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    1. Jaaa, genau wegen solchen Effekten gefallen mir solche Kurzbiographien, dass sie einen erstmal grundsätzlich aufmerksam und empfänglich machen für Personen, von deren Existenz man einfach bisher gar keine Ahnung hatte.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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