Donnerstag, 28. Dezember 2017

Fuck Gender Norms

Schon länger wollte ich mal ein revoluzzzionäres Häschen nähen. Endlich findet es seinen Weg hierher.
Jeden Monat sammelt Jule unter dem Titel "Politisiert euch!" Handarbeiten, die nicht einfach nur hübsch, sondern eben auch politisch sind. Hier könnt ihr die Ergebnissevom November sehen. Im Dezember bin ich endlich auch wieder dabei - auf den allerletzten Drücker. Zeit wird's definitiv mal wieder!

Schon im Herbst ist mir nämlich dieses schlafende Häschen von der Nadel gehüpft. Wie es in seinem Schlummer trotzdem politisch sein kann? Das seht ihr, wenn es sich im Traum auf den Bauch dreht:

Fuck Gender Norms. Das Häschen zeigt auch im Schlaf noch den Mittelfinger.
Da drücke sich das Häschen aber nicht so fein aus, meint ihr? Ich glaube, es hat sein Näschen einfach gestrichen voll davon, dass es immer wieder von fremden Leuten gesagt bekommt, dass es sicher ein Mädchen sei. Denn jedes Mädchen - und bitteschön ausschließlich diese - liebe ja pink. Pinke Jungshäschen könne es also einfach nicht geben. Es sei allerdings erstaunlich, dass es nicht glitzere - so als Mädchen liege es ihm doch quasi in den Genen, dass es auf alles anspringe, was glitzere. Außerdem möge es bitte nicht immer so wild umherspringen - Mädchen seien schließlich brav. Mehr so niedlich-kreativ und fürsorglich. Von all diesen Erwartungen ist das kleine Häschen so müde geworden, dass es eingeschlafen ist.

Das Häschen ist so müde von all den Leuten, die ihm sagen, wie es sein soll. Wovon es wohl träumt?
Ich sag euch was: Das Häschen mag seinen pinken Pelz wirklich gern. Genauso gerne brüllt es auch wie ein gefährlicher Tiger und flitzt blitzschnell durch den Wald. Danach blättert es in seiner Häschenhöhle am liebsten in Bilderbüchern voller mutiger Polizistinnen und freundlichen Krankenpflegern, feuerspeienden Drachen und magischen Meerjungfrauen. Oder es baut so hohe Bauklötzchentürme, dass es die obersten Teile nur noch mit seinen langen Ohren zurechtrücken kann. Manchmal zieht es seinen kleinen Häschenpuppen auch Kleider an, die es selbstgemacht hat. Und mit seinen Freunden spielt es Fußball vor der Höhle - der Haselnussstrauch ist immer ihr Tor. Es gibt so vieles, was das Häschen mag und gerne macht - aber das würde alles noch viel mehr Spaß machen, wenn es dafür nicht immer mit hochgezogenen Augenbrauen angeschaut würde. Das wäre dann auch nicht so ermüdend, dass es hier am hellichten Tag schlummern muss.

Es wäre so viel einfacher, ein Häschen zu sein, wenn einem nicht alle hineinreden würden.
Ich würde mich - für das Häschen und alle anderen - wirklich freuen, wenn in unserer Gesellschaft nicht überall unübersehbar "Für echte Frauen", "Für harte Männer", "Für süße Prinzessinnen" oder "Für kleine Piraten" oder ähnlicher Scheiß draufkleben würde. Wenn kleine Jungs unbehelligt mit Puppen spielen dürften und kleine Mädchen nicht dafür ausgelacht würden, lieber Huckleberry Finn als Wendy zu lesen. Wenn jede und jeder einfach tun und mögen dürfte, was ihr und ihm am liebsten ist - ohne dass geguckt wird, ob man da die angeblich richtige Schublade gegriffen hat. Weil die Welt zu bunt ist für Normativität, wie Jule kürzlich geschrieben hat (auch wenn es ihr da gar nicht in erster Linie um Geschlechternormen ging).


Dienstag, 26. Dezember 2017

[3 of a Kind] Dinge, die ich an mir mag

Drei Dinge, die ich an mir mag. Die blonden Haare hab ich nicht mehr, die mochte ich aber auch.
Im Dezember möchte Sas gerne drei Dinge von uns erfahren, die wir an uns selbst mögen. Es ist eventuell der letzte Aufruf in dieser Reihe, da Sas mindestens pausieren, wenn nicht sogar aufhören möchte, monatlich drei Dinge zu sammeln - aber dafür hat sie ein wunderschönes Motto für den Dezember gewählt. Mein Eindruck ist, dass viele Menschen sehr genau wissen, was sie an sich selbst stört - mich selbst möchte ich da gar nicht ausnehmen. Da schadet es keinesfalls, mal mit  Wohlwollen auf die eigenen Stärken zu schauen.

Ich schätze das Durchhaltevermögen, mit dem ich auch langwierige Projekte durchziehe und vollende. Manchmal mit Pausen, ab und zu mit zusammengebissenen Zähnen. Aber mit dem Ziel immer vor Augen - und irgendwann in der Hand. Oder eben auch im Bett, wenn wir von einem Hexagonquilt sprechen.

Ich mag meine Freude an Sprache, an Wortbildern und Vergleichen. Ich liebe es, wenn beim Sprehen oder Schreiben in meinem Kopf Bilder und Satzfragmente aufploppen, wenn ich zu Beginn des Satzes nur grob weiß, wohin ich damit möchte und auf halbem Wege die nächsten Worte irgendwo in meinem Kopf Worte verschlafen die Augen öffnen, sich umgucken und dann aufgeregt auf und ab hüpfen. Genau so fühlt es sich an, wenn ich Sätze bastle. Derselbe Teil meines Kopfes sprüht Herzchen, wenn er in den Texten anderer Leute auf besonders schöne Sätze trifft. Und ja, manchmal hab ich mich auch schon in die Eloquenz von Chatnachrichten verliebt.

Über den dritten Punkt hab ich ein Weilchen nachgedacht. Es ist mir schwer gefallen, mich für diesen zu entscheiden: Ich mag meinen Körper. Es fühlt sich seltsam an, das zu schreiben - aus verschiedenen Gründen. Zum einen, weil ich das Gefühl habe, das sei total oberflächlich und es seien doch bitteschön die inneren Werte, die zählen und ich sollte hier doch bitteschön voll deepen Shit präsentieren. Zum anderen aber auch, weil es mir angesichts all der Diätgespräche und der glattgebügelten Modelfotos um mich herum manchmal gar nicht so leicht fällt, mich selbst anzuschauen und gut zu finden. Dabei kann mein Körper so viele wunderbare Dinge: im Wald spazieren gehen, durch die Nacht tanzen, einen tollen Menschen umarmen, laut lachen und sich Geschichten ausdenken...Und ja, meistens gucke ich ihn (oder vielmehr: mich!) auch gerne an.

Was mögt ihr an euch selbst? Sas' Linkparty ist noch bis Silvester offen. Oder ihr verratet es mir einfach in den Kommentaren.

Samstag, 23. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Prost! Das Weihnachtswochenende beginnt mit einer großen Tasse Tee. Ich bevorzuge ja kleine Eimer.
Hallo ihr Lieben!

Bei mir ist nach wie vor keine Weihnachtsstimmung aufgekommen. Das ist aber jedes Jahr so, daher versetzt es mich nicht allzu sehr in Aufregung. Ich freu mich einfach auf Feiertage, die ich nicht zuletzt nutzen werde, um Zeugs für Berlin zu packen (und mir zu überlegen, was ich eigentlich in den nächsten Wochen noch unbedingt hier in Stuttgart brauche...). Die Zeit rast momentan noch schneller als gewöhnlich, bei den ersten Kolleginnen stelle ich fest, dass ich sie dank Weihnachtsurlaub nur noch wenige Tage zu Gesicht bekommen werde - erster Wehmut macht sich momenteweise breit. Gleichzeitig gibt es noch so viel zu tun und zu organisieren und so viele vorfreudige Gedanken über die Neuwohnungseinrichtung, dass ich emotional ganz durcheinandergewirbelt bin.

Obwohl diese Woche gefühlt in dreifacher Geschwindigkeit an mir vorüber gesaust ist, habe ich trotzdem ein paar gute Sachen im Internet gefunden. Gerührt hat mich heute Morgen dieses achtminütige Video über Transgender-Kinder und ihre Eltern, die über Ängste und Konflikte, aber auch über Liebe und Akzeptanz sprechen.

In der Weihnachtsepisode des Lila Podcasts sprechen Katrin Rönicke und Julia Korbik über deren neues Buch "Oh, Simone! Warum wie Beauvoir wiederentdecken sollten". "Ich liebe das Leben so sehr und verabscheue den Gedanken, eines Tages sterben zu müssen. Und außerdem bin ich schrecklich gierig; ich möchte vom Leben alles, ich möchte eine Frau, aber auch ein Mann sein, viele Freunde haben und allein sein, viel arbeiten und gute Bücher schreiben, aber auch reisen und mich vergnügen, egostisch und nicht egoistisch sein...", liest Katrin Rönicke vor und ich bin hin und weg. Ich liebe es ja, Menschen dabei zuzuhören, wie sie begeistert von einem Thema sprechen. Dank Julia Korbiks Begeisterung ist ihr Buch direkt auf meinen Lesewunschzettel gewandert, wo auch schon "Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene" steht. Wem das auch so geht, für den gibt's in der Podcast-Episode auch noch eine Verlosung des Buchs.

Auf http://www.nichts-gegen-juden.de/ finden sich Argumente und Diskussionshilfen gegen antisemitische Aussagen, darunter den Klassiker "Man darf ja nichts sagen, sonst ist man gleich Antisemit." Ich finde solche Sammlungen immer extrem hilfreich, weil ich in solchen Diskussionen gerade online gerne nochmal irgendwo nachschauen gehen würde. Am liebsten hätte ich solche Sammlungen auch noch für Fremdenhass, Antifeminismus und diverse andere Formen von menschengruppenbezogenem Hass. Wenn mal wieder der Kopf brennt und ich um vollständige, grammatikalisch korrekte und argumentativ vollwertige Sätze kämpfe.


Da Weihnachten traditionell einen Anstieg in Sachen häuslicher Gewalt zu verzeichnen hat, hat die *innenAnsicht hier eine Liste zusammengestellt, wohin sich Betroffene im Notfall wenden können. Kann man gar nicht oft genug anbringen, finde ich.

Zu Andreas ganz und gar friedlicher Plauschrunde setze ich mich jetzt dazu und gucke, wie es euch in dieser Woche so ergangen ist.



Ich wünsche euch allen - ob ihr feiert oder nicht - friedliche und entspannte Feiertage!

Sonntag, 17. Dezember 2017

[Sonntagstee] mit Netzfunden


Art Night bei der Weihnachtsfeier - mit spontaner Frida Kahlo-Malerei.
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Besonders toll war bei mir der Freitagabend. Als Weihnachtsfeier haben uns meine Chefinnen mit einer Art Night überrascht. Ausgewähltes Thema war Banksy, aber der Flyer an meinem Platz hat mich auf eine andere Idee gebracht und so habe ich die nächsten zwei Stunden mit Frida Kahlo verbracht. Besonders die Schattierungen haben riesigen Spaß gemacht und ich glaube, ich muss dringend wieder häufiger zeichnen und malen...

Im Internet habe ich mich diese Woche aber auch herumgetrieben und habe wieder einige Netzfunde für euch zusammengetragen.

Hörenswert fand ich diese Episode des Eigenstimmig-Podcasts. Darin wird Isabelle Klempfs Mannheimer Laden "umgekrempelt" vorgestellt, wo sie faire Kleidung verkauft und Workshops zum Nähen und Upcycling anbietet. Politisches Selbermachen ftw!

Berührt hat mich dieser Bericht einer christlichen Ärztin in den USA, die darüber schreibt, dass sie gerade wegen ihres Glaubens Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Sie sieht es als ihre christliche Pflicht an, Menschen in Notsituationen zu helfen  "[...] und ich glaube, dass es das Wichtigste ist, was ich jemals getan haben werde."

Kasia Babis hat mich mit "A Recipe for Disaster" gleichermaßen zum Grinsen und Seufzen gebracht. These des Comics: Wer Männern* und Frauen* von klein an ganz unterschiedliche Rollen, Interessen und Handlungsweisen aufzwingt, muss sich nicht wundern, wenn erwachsene Menschen Verständnisprobleme haben.

Mit diesen Funden hopse ich jetzt rüber zu Andreas Samstagsplausch und schaue nach, was ihr so die Woche über getrieben habt.

Habt noch ein schönes Restwochenende und kommt gut in die neue Woche!

Dienstag, 12. Dezember 2017

[Rezension] The Slow Regard of Silent Things

"The Slow Regard of Silent Thing" von Patrick Rothfuss

"The Slow Regard of Silent Things" ist eine kurze Geschichte, die Teil der "Kingkiller Chronicles" von Patrick Rothfuss ist - eine Trilogie, von der derzeit zwei Bände veröffentlicht sind. Die Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf den dritten Band um Kvothe, der in einer Spielmannsfamilie aufwächst, dann einige Jahre als Straßenkind verbringt und schließlich auf einer legendären Universität zum größten Magier aller Zeiten wird. (Da ich beide Bücher erst in der deutschen Hörbuchvariante kenne, findet sich in diesem Blog noch keine Rezension - zu verfälscht ist mir die Geschichte durch die doppelte Interpretation.)

"The Slow Regard of Silent Things" ist nicht lang, gerade mal 80 Seiten. Was darin passiert, ist schwer zu sagen - nicht zuletzt, weil man die ersten beiden Romane kennen muss, um sich überhaupt zurecht zu finden. Gezeigt wird das Leben der Nebenfigur Auri, die allein in den verschlungenen Gängen und Kammern tief unter der Universität lebt, das sie das im englischen Original das "Underthing" nennt. Gezeigt ist dabei durchaus auch wörtlich zu nehmen, denn "The Slow Regard of Silent Things" ist üppig illustriert mit filigranen Zeichnungen von Nate Taylor.
 Über sieben Tage hinweg begleitet man Auri auf ihren täglichen Wegen und bei ihren Aktivitäten. Beispielsweise macht sie Seife oder bemüht sich, den richtigen Platz für Fundstücke zu finden. Das klingt nicht nach einem "richtigen" Plot mit irgendeinem zu lösenden Konflikt? Ist es auch nicht. Im Prinzip ist es die Charakterstudie einer Figur, die von vielen Fans geliebt wird, stellenweise poetisch, mit traumhafter Atmosphäre und genauso seltsam wie ihre Hauptperson, sie sich irgendwo zwischen Abflussrohren herumschlängelt und darüber nachdenkt, wo sich ein beschädigtes Zahnrad wohlfühlen könnte.

Man folgt Auri, bekannt aus "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear", in ihr unterirdisches Reich.
Mich hat zu keinem Zeitpunkt gestört, dass das Buch seltsam ist. Das ist stimmig. Was mich stört, ist, wie wiederholt und energisch in Vor- und Nachwort darauf hingewiesen wird, dass dieses Buch seltsam ist. Als hätten die Lesenden nicht selbst die Möglichkeit, das auf 80 Seiten zu bemerken. Es ist in meinen Augen absolut unnötig, dass Patrick Rothfuss insgesamt viermal erwähnt, dass er auch nach zigfachen Korrekturdurchläufen und Dutzenden Beta-Lesenden unsicher war, ob "The Slow Regard of Silent Things" wirklich veröffentlicht werden sollte. Dieses Verhalten erinnert mich an eine Person, die eine Kontaktanzeige in der Lokalzeitung aufgibt und darauf hinweist, dass sie "ein bisschen verrückt, hihi" ist.

Meine Empfehlung: Lest das Buch, wenn ihr "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear" mochtet. Aber lasst Vor- und Nachwort weg. Sie nerven. Und haben zumindest meine Augen so in den Hinterkopf gedreht, dass ich Auris Geschichte beinahe nicht zu Gesicht bekommen hätte.

Besonders begeistert haben mich die verträumten, zarten Illustrationen von Nate Taylor. 

Titel: The Slow Regard of Silent Things: A Kingkiller Chronicle Novella (Kingkiller Chronicle 3)
Autor: Patrick Rothfuss
Verlag: Gollancz
Umfang: 176 Seiten

Samstag, 9. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Work in Progress meines regenbogenbunten CSD-Linkparty-Kissens - mit Tee.
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Meine steht im Zeichen des nahenden Umzugs - der Lieblingsmensch hat gestern die gemeinsame Wohnung bereits vorab bezogen, bei mir kündigen sich potenzielle Nachmieter*innen an. Weil meine Vermieterin eigentlich heute Vormittag jemandem mein kleines Dachgeschoss zeigen wollte, habe ich bereits unter der Woche geschrubbt und dabei immer wieder auch nachdenklich einzelne Dinge betrachtet: Ob die wohl in den Koffer passen und mit nach Berlin dürfen? Ich bin mir bei vielem unschlüssig, gerade weil meine Transportmöglichkeiten auf Rucksack und Koffer beschränkt sind. Wenn man weiß, dass man noch ungefähr 60 Kilogramm transportieren kann, fällt einem zum Einen auf, wie viel Kram man besitzt und zum Anderen, an was man wirklich hängt. Mal sehen, ob sich das einigermaßen einpendelt - für meine Bücher habe ich mir schon vorgenommen, sie mir liefern zu lassen.

Der Fall Kristina Hänel lässt mich auch in dieser Woche nicht los. Im HR-Inforadio gab es den Beitrag "Paragraf 219a - brauchen wir eine neue Abtreibungsdebatte?". Darin geht es nicht nur um den besagten Paragrafen, der beispielsweise Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet, sondern unter anderem auch um Beratungsgespräche, Statistiken zu Schwangerschaftsabbrüchen und Stellungnahmen von Politikerinnen verschiedener Parteien sowie Kirchenvertretern. Hörenswert!
(Und wäre ich nicht kürzlich eh bereits aus der katholischen Kirche ausgetreten, wüsste ich jetzt wieder, warum es höchste Eisenbahn ist.)

Dank eines Cosmo-Videos auf Facebook (auch ohne Account hier zu sehen), bin ich auf die polnische Künstlerin Monika Drożyńska gestoßen. "Das Sticken ist für mich eine politische Aktion. [...] Als Handwerk wurde es vom Kapitalismus geschluckt. Wir können es uns zurückholen, gemeinsam wirken", meint sie. Ich freu mich ja immer über politisches Handarbeiten (Jules monatliche Aktion kennt eh jede*, die* hier liest, oder?).

In der neuesten Episode des Lila Podcasts sprechen Barbara Streidl und Susanne Klingner über gleichberechtigte Beziehungen, feministische Partner und Pläne für 2018. Hab ich wie üblich gerne gehört.

Ausführliche (feministische) Buchtipps geben Katrin Rönicke, Susanne Klingner und Barbara Streidl außerdem hier im KleinesGespräch Adventskalender. Nachdem ich mir vergangenes Wochenende unheimlich viele Regale aufgestellt habe, müssen die ja gefüllt werden. Vielleicht hat ja eine von euch ein ganz ähnliches "Problem"?

Mit meinem Tee springe ich nun rüber zum Samstagsplausch bei Andrea und lese nach, was euch in dieser Woche beschäftigt hat.

Samstag, 2. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden


Symbolbild: Der Untersetzer von Antje liegt nach wie vor unter meiner Lieblingstasse.
Hallo ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Ich hoffe, sie war wirklich nett zu euch und hat euch nicht mehr aufgebürdet, als ihr auf einmal tragen konntet und wolltet.
Für mich ist besonders das Wochenende aufregend. Während ich das bei Andreas wöchentlichem und sehr liebgewonnenem Samstagsplausch verlinke, mache ich mich nämlich in Berlin bereit, um zu IKEA zu fahren. Grundsätzliche Möblierung der Wohnung wird angeschafft, da ich bei meinem Umzug quer durch die Republik keine Möbel mitschleppen werde (und für ein langsames Zusammensammeln auf Flohmärkten keine Zeit ist). Der Plan: So viele Bücherregale, wie irgendwie möglich! Drückt mir doch bitte die Daumen, dass der Lieblingsmensch und ich nach diesem Samstagvormittag im IKEA immer noch zusammenleben wollen...

Um die Vorfreude auf den IKEA-Besuch in Balance zu bringen, habe ich mich diese Woche weiterhin mit dem Fall der Gießener Ärztin Kristina Hänel beschäftigt. Auch Margarete Stokowski hat den Fall in ihrer Kolumne aufgegriffen - und die ist wie üblich lesenswert. Mein persönlicher Lieblingssatz: ""Gebärmutter" ist nicht die Funktionsbeschreibung eines ganzen Menschen, sondern ein Organ." Es stehen aber auch viele andere gute, wichtige Sätze drin - beispielsweise darüber, dass jeder andere Arzt auf seiner Webseite völlig selbstverständlich kundtut, welches Spektrum seine Arbeit umfasst und auch, warum es so problematisch ist, das bei Schwangerschaftsabbrüchen nicht zu tun.

Kurz nach dem Urteil hat die Ärztin auch ein Interview gegeben, das auf Change.org veröffentlicht wurde. Das fand ich auch sehenswert, hier ist es bei Facebook zu finden und auch ohne Mitgliedschaft anschaubar.

Letzten Samstag hatte ich ja schon erwähnt, dass das Umfeld von Frau Hänel Spenden sammelt, um ihr finanziell beizustehen. Am Dienstag betrug der Kontostand bereits über 7000 € (Quelle), die Geldstrafe ist damit also bereits abgedeck. Mich hat das sehr gefreut!

Einen weiteren bewegenden Artikel habe ich auf ZEIT ONLINE gefunden. Eine Redakteurin mit vietnamesischen Wurzeln erzählt von ihrer Kindheit, die stets von Abschiebung bedroht war, über Freunde der Familie, die plötzlich nicht mehr da waren, über die stets gepackten Notfalltaschen neben der Tür. Durchsetzt ist der Bericht von Protokollschnipseln aus Fragen der Behörde und Antworten ihres Vaters.

Zuguterletzt habe ich bei Deutschlandfunk Kultur noch einen kurzen Beitrag über Roller Derby gehört, der in ein paar Minuten erklärt, was diesen sport "partizipatorisch, inklusiv und feministisch" macht. Häufiger mal Roller Derby genießen zu können, ist ja einer der Gründe, warum ich mich auf Berlin freue.

Habt alle ein tolles Wochenende und erholt euch gut!