Dienstag, 12. Dezember 2017

[Rezension] The Slow Regard of Silent Things

"The Slow Regard of Silent Thing" von Patrick Rothfuss

"The Slow Regard of Silent Things" ist eine kurze Geschichte, die Teil der "Kingkiller Chronicles" von Patrick Rothfuss ist - eine Trilogie, von der derzeit zwei Bände veröffentlicht sind. Die Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf den dritten Band um Kvothe, der in einer Spielmannsfamilie aufwächst, dann einige Jahre als Straßenkind verbringt und schließlich auf einer legendären Universität zum größten Magier aller Zeiten wird. (Da ich beide Bücher erst in der deutschen Hörbuchvariante kenne, findet sich in diesem Blog noch keine Rezension - zu verfälscht ist mir die Geschichte durch die doppelte Interpretation.)

"The Slow Regard of Silent Things" ist nicht lang, gerade mal 80 Seiten. Was darin passiert, ist schwer zu sagen - nicht zuletzt, weil man die ersten beiden Romane kennen muss, um sich überhaupt zurecht zu finden. Gezeigt wird das Leben der Nebenfigur Auri, die allein in den verschlungenen Gängen und Kammern tief unter der Universität lebt, das sie das im englischen Original das "Underthing" nennt. Gezeigt ist dabei durchaus auch wörtlich zu nehmen, denn "The Slow Regard of Silent Things" ist üppig illustriert mit filigranen Zeichnungen von Nate Taylor.
 Über sieben Tage hinweg begleitet man Auri auf ihren täglichen Wegen und bei ihren Aktivitäten. Beispielsweise macht sie Seife oder bemüht sich, den richtigen Platz für Fundstücke zu finden. Das klingt nicht nach einem "richtigen" Plot mit irgendeinem zu lösenden Konflikt? Ist es auch nicht. Im Prinzip ist es die Charakterstudie einer Figur, die von vielen Fans geliebt wird, stellenweise poetisch, mit traumhafter Atmosphäre und genauso seltsam wie ihre Hauptperson, sie sich irgendwo zwischen Abflussrohren herumschlängelt und darüber nachdenkt, wo sich ein beschädigtes Zahnrad wohlfühlen könnte.

Man folgt Auri, bekannt aus "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear", in ihr unterirdisches Reich.
Mich hat zu keinem Zeitpunkt gestört, dass das Buch seltsam ist. Das ist stimmig. Was mich stört, ist, wie wiederholt und energisch in Vor- und Nachwort darauf hingewiesen wird, dass dieses Buch seltsam ist. Als hätten die Lesenden nicht selbst die Möglichkeit, das auf 80 Seiten zu bemerken. Es ist in meinen Augen absolut unnötig, dass Patrick Rothfuss insgesamt viermal erwähnt, dass er auch nach zigfachen Korrekturdurchläufen und Dutzenden Beta-Lesenden unsicher war, ob "The Slow Regard of Silent Things" wirklich veröffentlicht werden sollte. Dieses Verhalten erinnert mich an eine Person, die eine Kontaktanzeige in der Lokalzeitung aufgibt und darauf hinweist, dass sie "ein bisschen verrückt, hihi" ist.

Meine Empfehlung: Lest das Buch, wenn ihr "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear" mochtet. Aber lasst Vor- und Nachwort weg. Sie nerven. Und haben zumindest meine Augen so in den Hinterkopf gedreht, dass ich Auris Geschichte beinahe nicht zu Gesicht bekommen hätte.

Besonders begeistert haben mich die verträumten, zarten Illustrationen von Nate Taylor.

Samstag, 9. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Work in Progress meines regenbogenbunten CSD-Linkparty-Kissens - mit Tee.
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Meine steht im Zeichen des nahenden Umzugs - der Lieblingsmensch hat gestern die gemeinsame Wohnung bereits vorab bezogen, bei mir kündigen sich potenzielle Nachmieter*innen an. Weil meine Vermieterin eigentlich heute Vormittag jemandem mein kleines Dachgeschoss zeigen wollte, habe ich bereits unter der Woche geschrubbt und dabei immer wieder auch nachdenklich einzelne Dinge betrachtet: Ob die wohl in den Koffer passen und mit nach Berlin dürfen? Ich bin mir bei vielem unschlüssig, gerade weil meine Transportmöglichkeiten auf Rucksack und Koffer beschränkt sind. Wenn man weiß, dass man noch ungefähr 60 Kilogramm transportieren kann, fällt einem zum Einen auf, wie viel Kram man besitzt und zum Anderen, an was man wirklich hängt. Mal sehen, ob sich das einigermaßen einpendelt - für meine Bücher habe ich mir schon vorgenommen, sie mir liefern zu lassen.

Der Fall Kristina Hänel lässt mich auch in dieser Woche nicht los. Im HR-Inforadio gab es den Beitrag "Paragraf 219a - brauchen wir eine neue Abtreibungsdebatte?". Darin geht es nicht nur um den besagten Paragrafen, der beispielsweise Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet, sondern unter anderem auch um Beratungsgespräche, Statistiken zu Schwangerschaftsabbrüchen und Stellungnahmen von Politikerinnen verschiedener Parteien sowie Kirchenvertretern. Hörenswert!
(Und wäre ich nicht kürzlich eh bereits aus der katholischen Kirche ausgetreten, wüsste ich jetzt wieder, warum es höchste Eisenbahn ist.)

Dank eines Cosmo-Videos auf Facebook (auch ohne Account hier zu sehen), bin ich auf die polnische Künstlerin Monika Drożyńska gestoßen. "Das Sticken ist für mich eine politische Aktion. [...] Als Handwerk wurde es vom Kapitalismus geschluckt. Wir können es uns zurückholen, gemeinsam wirken", meint sie. Ich freu mich ja immer über politisches Handarbeiten (Jules monatliche Aktion kennt eh jede*, die* hier liest, oder?).

In der neuesten Episode des Lila Podcasts sprechen Barbara Streidl und Susanne Klingner über gleichberechtigte Beziehungen, feministische Partner und Pläne für 2018. Hab ich wie üblich gerne gehört.

Ausführliche (feministische) Buchtipps geben Katrin Rönicke, Susanne Klingner und Barbara Streidl außerdem hier im KleinesGespräch Adventskalender. Nachdem ich mir vergangenes Wochenende unheimlich viele Regale aufgestellt habe, müssen die ja gefüllt werden. Vielleicht hat ja eine von euch ein ganz ähnliches "Problem"?

Mit meinem Tee springe ich nun rüber zum Samstagsplausch bei Andrea und lese nach, was euch in dieser Woche beschäftigt hat.

Samstag, 2. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden


Symbolbild: Der Untersetzer von Antje liegt nach wie vor unter meiner Lieblingstasse.
Hallo ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Ich hoffe, sie war wirklich nett zu euch und hat euch nicht mehr aufgebürdet, als ihr auf einmal tragen konntet und wolltet.
Für mich ist besonders das Wochenende aufregend. Während ich das bei Andreas wöchentlichem und sehr liebgewonnenem Samstagsplausch verlinke, mache ich mich nämlich in Berlin bereit, um zu IKEA zu fahren. Grundsätzliche Möblierung der Wohnung wird angeschafft, da ich bei meinem Umzug quer durch die Republik keine Möbel mitschleppen werde (und für ein langsames Zusammensammeln auf Flohmärkten keine Zeit ist). Der Plan: So viele Bücherregale, wie irgendwie möglich! Drückt mir doch bitte die Daumen, dass der Lieblingsmensch und ich nach diesem Samstagvormittag im IKEA immer noch zusammenleben wollen...

Um die Vorfreude auf den IKEA-Besuch in Balance zu bringen, habe ich mich diese Woche weiterhin mit dem Fall der Gießener Ärztin Kristina Hänel beschäftigt. Auch Margarete Stokowski hat den Fall in ihrer Kolumne aufgegriffen - und die ist wie üblich lesenswert. Mein persönlicher Lieblingssatz: ""Gebärmutter" ist nicht die Funktionsbeschreibung eines ganzen Menschen, sondern ein Organ." Es stehen aber auch viele andere gute, wichtige Sätze drin - beispielsweise darüber, dass jeder andere Arzt auf seiner Webseite völlig selbstverständlich kundtut, welches Spektrum seine Arbeit umfasst und auch, warum es so problematisch ist, das bei Schwangerschaftsabbrüchen nicht zu tun.

Kurz nach dem Urteil hat die Ärztin auch ein Interview gegeben, das auf Change.org veröffentlicht wurde. Das fand ich auch sehenswert, hier ist es bei Facebook zu finden und auch ohne Mitgliedschaft anschaubar.

Letzten Samstag hatte ich ja schon erwähnt, dass das Umfeld von Frau Hänel Spenden sammelt, um ihr finanziell beizustehen. Am Dienstag betrug der Kontostand bereits über 7000 € (Quelle), die Geldstrafe ist damit also bereits abgedeck. Mich hat das sehr gefreut!

Einen weiteren bewegenden Artikel habe ich auf ZEIT ONLINE gefunden. Eine Redakteurin mit vietnamesischen Wurzeln erzählt von ihrer Kindheit, die stets von Abschiebung bedroht war, über Freunde der Familie, die plötzlich nicht mehr da waren, über die stets gepackten Notfalltaschen neben der Tür. Durchsetzt ist der Bericht von Protokollschnipseln aus Fragen der Behörde und Antworten ihres Vaters.

Zuguterletzt habe ich bei Deutschlandfunk Kultur noch einen kurzen Beitrag über Roller Derby gehört, der in ein paar Minuten erklärt, was diesen sport "partizipatorisch, inklusiv und feministisch" macht. Häufiger mal Roller Derby genießen zu können, ist ja einer der Gründe, warum ich mich auf Berlin freue.

Habt alle ein tolles Wochenende und erholt euch gut!

Samstag, 25. November 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Symbolbild: Der Untersetzer von Antje ist immer noch mein täglicher Begleiter
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Meine war gefühlt sehr kurz. Am Donnerstag hatte ich frei, weil der Schornsteinfeger zur Kontrolle vorbeikam. Während er anschließend in der Nebenwohnung randalierte, las ich bei der fabelhaften Maike davon, dass ihr Mann aus der Kirche austreten wird. Das ist etwas, das ich schon seit geraumer Zeit vorhabe. Mit der geraumen Zeit meine ich diverse Jahre. Warum es dann nie passiert ist? Die üblichen Gründe: mit anderen Dingen beschäftigt, zu den Öffnungszeiten des Standesamtes anderswo (=arbeiten), prokrastinierend. Man kennt das ja. Aber wie ich so Maikes Post vor Augen und einen ganzen freien Nachmittag zur Verfügung hatte, war der Entscheidung endlich getroffen. Eine Stunde später war ich konfessionslos. (Weil das für mich zuständige Standesamt nämlich am Donnerstagnachmittag geöffnet hat und mir daher keine Gelegenheit gegeben wurde, das nochmal um ein paar Jahre zu verschieben.)

Ziemlich ähnlich war das, als ich damals bei der wunderbaren Frau Jule davon las, dass sie sich bei der DKMS als potenzielle Knochenmarkspenderin registriert hat.
Offenbar bin ich ein Mensch, der hin und wieder virtuelle Tritte in den Po braucht, um Zeug zu erledigen, das irgendwo unter der Oberfläche herumwabert. Ihr auch? Dann klickt auf die Links oben und macht mal.

Geärgert habe ich mich in dieser Woche auch - besonders, als die launige obere Hälfte längst getippt war. Und zwar darüber, dass die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Wofür? Dafür, dass sie auf ihrer Webseite Informationen über Schwangerschaftsabbrüche zur Verfügung gestellt hat.

So sieht diese "Werbung" aus. (Screenshot, http://kristinahaenel.de/page_abbruch.php)
Verurteilt werden konnte die Ärztin auf Grundlage des Paragrafen 219a des Strafgesetzbuchs, der in Deutschland das Werben für Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Dieser Artikel auf Legal Tribune Online erläutert die rechtlichen Hintergründe; beim Lesen habe ich mir mehrmals an den Kopf gelangt.

Damit die Ärztin die Kosten nicht alleine tragen muss, haben Unterstützer*innen eine Spendenaktion gestartet, die ihr bei Interesse hier finden könnt. Ich werde spenden. Weil ich Wert darauf lege, diese Frau zu unterstützen, die ihrerseits trotz mehrerer Anklagen Menschen in Ausnahmesituationen unterstützt hat. Weil ich es verdammt wichtig finde, dass ungewollt Schwangere auf der Suche nach Informationen genau diese finden - und nicht nur die Seiten militanter Abtreibungsgegner. Weil ich mir wünsche, dass dieser Fall Bewegung in die Debatte bringt - und vielleicht sogar einen Schritt in eine rechtliche Veränderung.

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch setze ich mich heute zu Andrea in die wöchentliche Plauschrunde, um zu lesen, was euch im Moment bewegt.

Habt ein schönes Wochenende!

Mittwoch, 22. November 2017

[3 of a kind] Dinge, für die ich dankbar bin

Dankbarkeit ist heute das Thema bei 3 of a kind.
Im  November möchte Sas gerne wissen, für welche drei Dinge wir dankbar sind. Ein schönes Thema, finde ich! Ehrlich gesagt ist es mir fast schwer gefallen, mich für drei Sachen zu entscheiden. Denn natürlich ist nicht immer alles glitzrig und perfekt, aber insgesamt bin ich im Moment sehr zufrieden mit meinem Leben - und dafür bin ich sehr dankbar.

Vor ein paar Wochen habe ich hier im Blog erzählt, dass ich nach Berlin ziehe. Da war noch nicht ganz klar, wo und wie es dort weitergeht, aber seit einigen Tagen weiß ich: Der Lieblingsmensch und ich haben eine gemeinsame Wohnung in Berlin gefunden. Ehrlich gesagt ist es auch noch die erste Wohnung, die wir uns gemeinsam angeschaut haben. Eine Wohnung, die Liebe auf den ersten Blick war - mit Dielenfußboden, gemütlicher Küche, Badewanne und sogar einem Balkon. Die Erleichterung und Dankbarkeit, die ich dafür empfinde, ist immens, ist doch auch Berlin kein einfaches Pflaster, wenn es um Wohnungssuche geht.

Turku in Finnland bleibt trotz Umzugs nach Berlin meine Herzensstadt.

Mein Auslandssemester in Finnland darf in dieser Liste nicht fehlen. Ich weiß, das ist ein Thema, auf das ich immer und immer wieder zu sprechen komme.
Aber die Erfahrung, in einem Land zu sein, wo ich keine der beiden Landessprachen spreche (Schwedisch habe ich dann ein kleines bisschen gelernt, finnisch kann ich nur wenige Worte lesen), fand ich unglaublich augenöffnend. In einem Bus zu sitzen, ohne irgendeine Idee zu haben, wovon die anderen reden. In einem Supermarkt dem aufgeregten Wortschwall einer  Kassiererin zuzuhören, ohne auch nur den blassesten Dunst zu haben, was sie möchte. Sich verlaufen und für ein paar Minuten niemanden finden, mit dem man eine gemeinsame Sprache hätte. Das waren alles mehr oder weniger unangenehme Erfahrungen in dem Moment, aber die haben mir sehr viel gegeben und meinen Horizont gewaltig erweitert.
Viel schöner als die Erfahrung völliger Verständnislosigkeit war die Möglichkeit, vier Monate lang nur zu studieren, was mich wirklich akut interessiert, mich in der Bibliothek nach Lust und Laune einzugraben und meine Hausarbeitsthemen wirklich ganz frei zu entscheiden - ich habe das Studieren an sich nie mehr geliebt als in Finnland.

Die Bilder stammen alle von der Halbinsel Ruissalo - ich bin sehr dankbar dafür, dort gewesen zu sein.

Und zuguterletzt noch: Das Internet. Es ist meine Verbindung zum Lieblingsmenschen, der noch ein paar Monate weit weg wohnt. Zu meinen Freundinnen und Freunden, die größtenteils ebenfalls weit weg wohnen. Es ist der Ort, an dem ich die meisten dieser Freundinnen und Freunde kennen gelernt habe. Der Ort, wo sich mein Horizont stark erweitert hat - wo ich beigebracht bekommen habe, wie man stickt, wo mir feministische Perspektiven aufgezeigt wurden, wo ich die Podcsts finde, die ständig laufen. (Das gleicht für mich mehr als aus, dass das auch der Ort ist, wo ich mich mit irgendwelchen Trollen in Kommentarspalten streite...)

Wofür seid ihr dankbar?

Samstag, 18. November 2017

[Samstagstee] mit tollen Menschen

Symbolbild: Der Untersetzer von Antje ist nach wie vor mein täglicher Begleiter.
Hallo ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Meine war geprägt von Vorfreude auf dieses Wochenende, das ich mit ein paar meiner liebsten Menschen überhaupt verbringen werde, die samt und sonders zu weit weg wohnen. Da sich diese Entfernung aber noch vergrößern wird, wenn ich im Winter umziehe, bin ich glücklich um jeden gemeinsamen Tag. Mehr noch, wenn der von einer Pyjama-Party (jep!) geprägt sein wird, die sich nicht zuletzt durch einen Haufen leckeres Essen auszeichnen wird.

Bis es soweit ist, hatte ich aber das Vergnügen, offline wie online auf tolle Menschen zu treffen.

Ich betrete ein Schuhfachgeschäft. Eine übers Regal gebeugte Angestellte niest infernalisch und ich wünsche "Gute Besserung!" Sie strahlt noch, als ich sie kurz darauf um den zweiten Schuh eines Paars bitte. Als sie ihn mir Minuten später aus dem Lager bringt, drückt sie mir noch einen Zeitschriftenausschnitt in die Hand: Einen Gutschein. "Weil Sie so nett sind", sagt sie und zwinkert mir verschwörerisch zu. "Geben Sie den einfach an der Kasse mit ab." 

Solche Begegnungen freuen mich. Ich mag es, wenn ich für einen kleinen Moment ganz vertrauten Kontakt mit eigentlich wildfremden Menschen habe. Gleichzeitig lassen diese Augenblicke mich immer ein bisschen ratlos zurück, denn meiner Meinung nach tue ich nichts außergewöhnliches oder besonders hervorhebenswertes, wenn ich andere Menschen grüße, "bitte", "danke" und "auf Wiedersehen" sage oder ihnen eben Gesundheit wünsche. Wenn dieses Verhalten dennoch so viel Freude auslöst, frage ich mich schon, wie andere Kund*innen so auftreten.

Aber auch online bin ich auf tolle Menschen gestoßen, etwa auf dieses Interview der Frankfurter Rundschau mit Nnedi Okorafor, in dem die Fantasy- und Science Fiction-Autorin erzählt, dass sie unter anderem deshalb angefangen hat zu schreiben, weil sie keine komplexen schwarzen Mädchen- und Frauenfiguren in diesen Genres fand. Ich muss gestehen, ich hatte bisher noch nicht von ihr gehört. Aber nach diesem Text bin ich neugierig und werde die Augen nach ihr offen halten, denn außergewöhnliche Fantasy-Romane haben immer einen Platz auf meiner Leseliste. 

Beeindruckt hat mich auch dieses Interview mit Deniz Yükcel. Diese Eloquenz, dieser Humor und diese Hoffnung angesichts einer Haftsituation, die er selbst als Folter kategorisiert, haben mich sehr berührt. “Die Frage ist nicht, ob ein autoritäres Regime zusammenbricht; die Frage ist, welche womöglich irreversiblen Schäden es bis dahin am Schicksal Einzelner, an der Gesellschaft, an der Natur und am kulturellen Erbe anrichtet", schreibt er und diesen Satz bekomme ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf, weil er gleichzeitig so zuversichtlich und absolut zerstörerisch ist. 

Mit diesen tollen Menschen im Gepäck mache ich mich nun also auf zu einer sicherlich grandiosen Pyjama-Party und lege unterwegs noch einen Zwischenstopp bei Andreas vielgeliebtem Samstagsplausch ein. Wir lesen uns dort!

Habt ein fantastisches Wochenende - und seid nett zu Verkäufer*innen!

Mittwoch, 8. November 2017

Ohrenfutter #2: Podcasts zu Irland

Zusammen mit meinem Lieblingshörnchen habe ich im Oktober ein langes Wochenende in Dublin verbracht. Wer mir auf Instagram folgt, hat schon ein paar Bilder zu sehen bekommen - und auch mitgekriegt, dass wir aufgrund des Hurrikans Ophelia zwei Tage länger bleiben mussten (oder durften - wie man's nimmt). Bevor ich euch auch auf dem Blog Fotos zeige, will ich euch aber zeigen, mit welchen Podcasts ich mich auf die Reise vorbereitet habe. Ihr wisst ja, ohne geht bei mir gar nichts, ich brauch immer was auf die Ohren.

Der Podcast anekdotisch evident von Katrin Rönicke und Alexandra Tobor hat ebenfalls eine Irland-Folge. Darin berichten die beiden mit viel Enthusiasmus von ihrem jeweiligen Aufenthalt auf der Insel und Begegnungen mit Einheimischen. In den Kommentaren wurde ich sogar mit Reisetipps versorgt. Spätestens da war meine Reiselust ja sowas von geweckt!

Mehr für konkrete Bildung sorgte der Viva Britannia - Der Insel-Podcast. Der beschäftigte sich üblicherweise mit Großbritannien, aber in in einer Folge erklärt er auch die Grundzüge des Konflikts zwischen Irland und Nordirland. Der reicht ja sehr weit zurück und ist entsprechend verwickelt. Ein bisschen schwirrte mir nach dem Hören der Kopf, aber in Dublin habe ich dann gemerkt, dass mir diese halbe Stunde durchaus eine recht gute Grundlage geliefert hatte.

Gar nicht mal so viel, was ich vorher gehört habe, aber umso hilfreicher!

Wie bereitet ihr euch auf Reisen vor?

Samstag, 4. November 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ich starte gemütlich mit Tee und einem Untersetzer von Antje ins Wochenende.
Guten Morgen ihr Lieben!

Diese Woche beinhaltete für mich als Baden-Württembergerin zwei Feiertage. Dass der sonntägliche Sturm den Lieblingsmenschen länger in Stuttgart gehalten hat, hat die Woche auch noch ein bisschen besser gemacht. "Stürme sind gerade dein Ding, oder?", fragte eine Freundin, die auch meinen verlängerten Dublin-Urlaub im Oktober noch vor Augen hatte. Ja, Stürme scheinen mich derzeit zu verfolgen. Dieses Mal aber in sehr ruhiger und kuschliger Manier. Ich habe die Zeit unter anderem genutzt, um mich wieder einmal stundenlang durch meine Lieblingspodcasts zu hören.

Zu Ohren gekommen ist mir diese Woche unter anderem die wundervolle siebte Episode von Anekdotisch Evident übers Alleinsein und über Einsamkeit - und über den Unterschied zwischen beidem. Als Mensch, der sehr gerne allein ist, sich aber enorm ungern einsam fühlt, war das eine Wohltat!

Unter den Augen hatte ich unter anderem diesen Post bei kleinerdrei. Wenn ihr den Link anklickt, landet ihr bei einem unheimlich berührenden Text über das Ankommen in Deutschland. Außergewöhnlich fand ich Alwinas Perspektive auf das Wohneheim, in dem sie mit ihrer Familie die erste Zeit verbracht hat und wo sie viel Geborgenheit empfunden hat. Was mir in anderen Erzählungen und Berichten eher als gefürchtete Massenverwahranstalt erscheint, wird hier zu einem geliebten Zuhause  voller Freunde, das vor der furchterregenden Außenwelt schützt. Spannend!

Bei PinkStinks habe ich einen Artikel über sexualisierte Gewalt in der Werbung gelesen. Bei den Abbildungen blieb mir schon manchmal die Spucke weg. Ich meine, da passieren doch sicherlich diverse Freigabeprozesse, bevor so ein Machwerk veröffentlicht wird. Wie kann es sein, dass die Ergebnisse so aussehen wie im Artikel gezeigt? Über werbemelder.in hatte ich ja schon an einem anderen Samstag geschrieben - der verlinkte Artikel zeigt die Notwendigkeit nochmal deutlich.

Mit diesen Netzfunden setze ich mich jetzt an Andreas virtuellen Samstagsplausch-Tisch, bevor ich endlich mal wieder zum Friseur düse. Darauf freue ich mich schon seit Wochen!

Habt ein tolles Wochenende!

Dienstag, 31. Oktober 2017

Was macht die deutsche Kultur (für mich) aus?

Weinberge in der Nähe von Stuttgart. Diese Art, Wein anzubauen, vermittelt mir ein intensives Heimatgefühl.
Astrid hat sich am Tag der deutschen Einheit entschieden, der derzeit wieder vielbeschworenen "deutschen Kultur" nachzuspüren und ihre Leser*innen eingeladen, es ihr gleichzutun. Das Verlinkungstool ist nur bis heute Abend geöffnet und ich schliddere sozusagen im letzten Moment dazu. 

In einem irischen Pub vor einem großen Teller mediterraner Pasta habe ich mir Mitte des Monats Gedanken gemacht, was für mich "typisch deutsch" ist, beziehungsweise was ich besonders intensiv mit dem Land verbinde, in dem ich aufgewachsen bin.  

Grundgesetz

Was ursprünglich als vorübergehende Vorabverfassung gedacht war, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich bewährt: Ich für meinen Teil bin ein ziemlicher Fan des Grundgesetzes. Dass der erste Artikel mit den Worten "Die Würde des Menschen ist unantastbar" beginnt, feiere ich sehr. Dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau darin niedergeschrieben ist, ebenfalls - besonders wenn ich bedenke, dass die Frauen im Parlamentarischen Rat - allen voran Elisabeth Selbert - dafür heftige Kämpfe ausgefochten haben.
Besonders schätze ich an ihm, dass es wieder und wieder betont, dass die eigene Freiheit dort endet, wo die der oder des anderen beginnt - dass wir alle in unseren Handlungen stets Rücksicht auf die anderen nehmen und deren Freiheiten respektieren müssen. 
Viele weitere Gedanken zum Grundgesetz finden sich auch im Podcast "Das Grundgesetz geht alle an!" sowie im Feature "Grundgesetzland - Eine Volksbefragung in 5 Artikeln" (beide von WDR 3). (Bei letzterem ist mir der Absatz über die Meinungsfreiheit in Artikel 5 sauer aufgestoßen, aber  das Konzept der Political Correctness ist keines, zu dem ich meine Meinung in diesem Post erschöpfend darlegen kann)

Verantwortungsgefühl für den Holocaust
Ein für mich zentraler Bestandteil des Deutschseins. Nichts hat in meinem Geschichtsunterricht mehr Raum eingenommen wie die Aufarbeitung des Holocausts - und das finde ich gut und richtig so. Zu verstehen wie und wodurch Menschenhass und (nationalsozialistische) Regime entstehen und sich der Verantwortung des Einzelnen bewusst zu machen, finde ich wichtig. Das hat nichts damit zu tun, Nachgeborenen einen schweren Sack kollektiver Schuld aufzuladen. Die Ärzte haben mal gesungen "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt." Dreht man ein bisschen an den Zeitformen dieser Aussage, ist man bei dem, was ich als Verantwortungsgefühl für einen lange zurückliegenden Massenmord verstehe.

Gesundheitssystem
Was ich an Deutschland sehr schätze, ist die Tatsache, dass wir ein einigermaßen funktionierendes Gesundheitssystem haben. Ich bin nicht begeistert von den deutlichen Unterschieden zwischen Kassen- und Privatpatienten in Bezug auf Wartezeiten und Co, aber dass es grundsätzlich für alle möglich ist, einen Arzt aufzusuchen, operiert zu werden und Medikamente zu erhalten, finde ich sehr gut. Auf kultureller Ebene verstehe ich das als Absage an das "Biste selbst schuld!" und das "Musste jetzt selber mit klarkommen!", das ich angesichts von zu viel sogenannter "Eigenverantwortung" empfinde - und diese Absage ist mir sehr sympathisch.

Pünktlichkeit und Effizienz
Hier bin ich ein bisschen auf Erfahrungen einer Studienfreundin angewiesen, die teilweise in Paraguay aufgewachsen ist und gerade im Bezug auf das Verständnis von Pünktlichkeit lustige Geschichten erzählen kann, etwa über Busse, die halt "vormittags" fahren oder über Abschiedsfloskeln, die völlig unbestimmt lassen, wann der Sprechende wiederkommt.
Tatsächlich bin ich recht klischeehaft deutsch, plane grundsätzlich Pufferzeiten in meine Reiseplanungen ein und werde schon nervös, wenn ein Zug mal zwei Minuten später auftaucht als geplant. Ob das für jede Situation (und den eigenen Blutdruck!) die beste Eigenschaft ist, sei mal dahingestellt.

Erfindungsreichtum
Ich bin in Stuttgart aufgewachsen, das liebevoll auch Benztown genannt wird. Carl Benz gilt als Erfinder des Automobils mit Verbrennungsmotor, obwohl es Vorläufer gab, die weniger mediale Aufmerksamkeit erhielten (bei Wikipedia gibt es mehr darüber zu erfahren). Als Kind bin ich durch das Mercedes-Museum gestiefelt und auch sonst habe ich schon früh andere deutsche Erfindungen kennen und schätzen gelernt - allen voran den Buchdruck von Johannes Gutenberg oder auch den Computer von Konrad Zuse. Das Bedürfnis, an Ideen so lange herumzutüfteln, bis sie wirklich richtig gut funktionieren, erscheint mir dadurch sehr deutsch. (Unabhängig davon, dass beispielsweise die hohe Nobelpreisdichte bei US-Amerikanern ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass auch anderswo verdammt gute Ideen ausgebrütet werden.)

Brot
Wenn ich anderswo in der Welt unterwegs bin, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich die deutsche Brotvielfalt vermisse. In den USA habe ich Vollkornbrot mit anständiger Kruste innerhalb von zehn Tagen derart vermisst, dass ich einmal sogar davon geträumt habe. So krass ist es natürlich bei weitem nicht überall, aber der Blick in diverse Regalmeter voller unterschiedlicher Brote, löst in mir ein intensives Gefühl von "zu Hause" aus.

Bier
Erfunden wurde es zwar vermutlich in Mesopotamien und ich habe auch in Tschechien, Österreich und anderen Ländern schon ziemlich gutes Bier getrunken, aber ein kleiner Teil meiner Wahrnehmung behauptet, dass Bier nirgendwo so gut schmeckt wie in Franken. Die Bamberger Brauereien (neun allein im Stadtgebiet!) haben aus mir endgültig eine begeisterte Biertrinkerin gemacht. Schlenkerla Rauchbier muss es nun nicht unbedingt sein, aber so ein U...? Lecker!

Ihr seht: Die wenigsten dieser Punkte sind rein deutsch und man findet sie - unter Umständen in etwas anderen Ausprägungen - auch anderswo. Aber es sind die Aspekte, die mir einfallen, wenn ich an meine Heimat denke und die ich im Ausland auch schon mit anderen diskutiert habe.

Samstag, 28. Oktober 2017

[Samstagstee] mit 12,60 €

Hallo ihr Lieben!

Eigentlich wollte ich diese Woche Irland-Fotos zeigen. Aber realistisch betrachtet habe ich etwa zehn Entwürfe für Posts gespeichert, finde aber momentan nicht die Ruhe, um diese Posts auch für euch auszuformulieren. Dabei möchte ich wenigstens an Astrids aktueller Linkparty zur deutschen Kultur teilnehmen.

Andere Leute waren diese Woche aktiver als ich. Angesichts der ersten Sitzung des neuen Bundestags hat sich meine Freundin Angela einen Weg überlegt, sich angesichts dessen Zusammensetzung nicht ganz ohnmächtig zu fühlen und hat mir erlaubt, ihren Post dazu hier mit euch zu teilen:

Wie Angela mit der Bundestagszusammensetzung umgeht.
Ich für meinen Teil habe beschlossen, mich ihr anzuschließen und meine erste Spende diese Woche an TERRE DES FEMMES aufgegeben, die sich unter anderem gegen Zwangsheirat, Frauenhandel und Genitalverstümmelung einsetzen. Ob ich wirklich jeden Monat nach dem Gießkannenprinzip für eine andere Organisation spende oder ob ich mich schlussendlich auf drei oder vier konzentriere, werden wir sehen. Ich habe ja jetzt aller Voraussicht nach 48 Monate Zeit, mir das zu überlegen. Meinetwegen darf diese Aktion dann gerne auch wieder enden.

Vielleicht habt ihr ja auch Lust, dabei zu sein? Welcher Bereich wäre euch persönlich denn am wichtigsten?

Mit diesem Beitrag springe ich nun noch bei Andreas Samstagsplausch vorbei und bin gespannt, wie ihr diese Woche erlebt habt.

Habt ein schönes Wochenende!