Samstag, 10. November 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Netzfunde mit viel Tee sind die besseren Netzfunde.
Jeden Samstag sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Erneut: Eine Woche voller Studiumsliebe. Es tut mir ja fast leid, dass ich euch derzeit keine aufregenden Anekdoten aus meinem Leben erzählen kann, aber es besteht wirklich in erster Linie aus U-Bahnfahren, Seminardiskussionen und vielen, vielen Texten. Alles andere tritt derzeit einen halben Schritt in den Hintergrund und darf da meiner Meinung nach auch noch ein wenig verweilen.

Netzfunde der Woche 

Diese Woche habe ich etwas mehr Zeit mit Lesen im Internet verbracht und kann euch deswegen mal wieder eine ordentliche Linksammlung präsentieren.

Feminismus

Für das innenAnsicht-Magazin habe ich einen kleinen Rant verfasst, warum mich Kommentare zu meinen kurzen Haaren nerven. Spoiler: Fremde Menschen sollten sich aus privaten Entscheidungen einfach raushalten. Für die Langform bitte einmal hier klicken: "Oh mein Gott! Du hast kurze Haare!"

Aufgehängt an der Geschichte einer unerfreulichen Bahnfahrt überlegt Freitag-Autorin Elsa Koester, warum eigentlich die Männer, die unter dem Patriarchat leiden, sich nicht dagegen auflehnen. Ihre bittere Schlussfolgerung: Ihnen bliebe die Hoffnung, doch noch irgendwann die Weihen des Patriarchats zu erfahren - und die könnten sie nur durch die Rudelführer bekommen, nicht durch Feminist*innen.

Dass Migration der Gleichberechtigung von Frauen schade, ist ja ein häufiges Argument (nicht zuletzt von Leuten, sie mit Gleichberechtigung sonst gar nichts am Hut haben). Für Geschichte der Gegenwart analysiert die Historikerin Franceska Falk, wie sich die Migration in die Schweiz auf die dortige Emanzipation ausgewirkt hat (Spoiler: positiv). Besonders spannend fand ich, dass die gleichen Vorurteile, die heute Menschen muslimischen Glaubens gegenüber geäußert werden, vor wenigen Jahrzehnten noch auf Italiener*innen angewandt wurden.

Auf Zeit Online berichtet eine hochgewichtige Rechtsanwältin über die Diskriminierungserfahrungen, die sie aufgrund ihres Gewichts bei der Arbeitssuche, im ersten Job und in der täglichen Ausübung ihres Berufs erfahren hat und immer noch erfährt.

Margarete Stokowski liest nicht neben rechten Büchern

Meine Liebe zu Margarete Stokowksi ist hier ja bekannt, denke ich. Kürzlich hat sie eine Lesung in München abgesagt - zunächst ohne genauer auf die Gründe einzugehen. Nachdem der Buchhändler sich dann aber doch öffentlich geäußert hat und Margarete Stokowski darauf antwortete, ist ihre Absage plötzlich ein riesiges Thema, zu dem alle Medien was sagen wollen. Lesenwert finde ich Margaretes Stellungnahme, auch wenn man nicht in München wohnt und nicht zu der Lesung gehen wollte. Weil es ein schönes Beispiel für Prinzipientreue ist, für Eloquenz und Geradlinigkeit.

Im Deutschlandfunk Kultur gibt es auch ein hörenswertes Interview mit ihr, in dem sie sich auch dagegen wehrt, aus ihrer Entscheidung irgendwelche allgemeinen Forderungen abzuleiten.

Und wenn wir schon dabei sind: In der dieswöchtigen Kolumne hat sie erklärt, warum "reverse racism" und umgekehrter Sexismus einfach nicht existieren. Ist vielleicht gut für die Linksammlung in der Hinterhand, wenn man es mal wieder jemandem erklären kann/muss/sollte.

Ohrfeige für Nazi-Vergangenheit

Am Mittwoch feierte eine der berühmtesten Ohrfeigen der deutschen Geschichte ihr fünfzigstes Jubiläum: Am 07.11.1969 schlug Beate Klarsfeld Bundeskanzler Kiesinger aufgrund seiner NSDAP-Vergangenheit ins Gesicht. Deutschlandfunk Kultur hat die Hintergründe von Beate Klarsfelds Geschichte noch einmal aufgerollt und auch  ZDF heute hat mit ihr über diese Ohrfeige gesprochen - und mit ihrer Sorge angesichts des Wiedererstarkens des rechten Rands.

Maaßen ist weg

Im Laufe der Woche wurde bekannt, dass Herr Maaßen (ihr wisst schon, der Verfassungsschutzmensch) doch seinen Hut nehmen muss. Dafür hat er bereits Schuldige ausgemacht, nämlich die Linksradikalen in der SPD. Kai Biermann hat diese Behauptungen für Zeit Online mit der Dolchstoßlegende verglichen.

Sascha Lobo hat in seiner Spiegel-Online-Kolumne die Idee der Dolchstoßlegende von Biermann aufgegriffen und sie mit Donald Trump in Verbindung gebracht. Unter dem vereinenden Mantel der Verschwörungsideologie nämlich. 

Lesenswert finde ich in diesem Zusammenhang aber auch das Manuskript der Rede Maaßens (hier veröffentlicht bei Spiegel Online), in der dann auch Horst Seehofer "inakzeptable" Sätze gefunden hat. Aus mehreren Gründen haarsträubende Lektüre.

Faschismus in Brasilien

Bei Zeit Campus berichtet eine Exil-Brasilanerin von der Stimmung in ihrem Land, nachdem der Rechtsextreme Jair Bolsonaro Ende Oktober zum Präsidenten gewählt worden ist. Immer wieder wird von Übergriffen auf Schwarze, Frauen und LGBT-Personen berichtet. (Problematisch finde ich ja mal wieder den Satz "bald ging es nicht mehr nur um Politik, sondern um Grundsätzliches" - bei einem Kandidaten, der gegen Frauen, Schwarze und LGBTs hetzt, sind wir halt bei grundsätzlichen Fragen.)

Für Geschichte der Gegenwart wägt der Historiker Antoine Acker ab, inwieweit die Bezeichnung "Faschist" auf Bolsonaro zutrifft und untersucht die Rolle digitaler Medien für seinen ebenso überraschenden wie rasanten Aufstieg.

Habt ein schönes Wochenende!

Samstag, 3. November 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Samstagmorgen. Der richtige Zeitpunkt für Tee und Netzfunde.
Jeden Samstag sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Zwei Wochen dauert mein neues Studium jetzt schon - und nach wie vor schwirrt mir der Kopf vor lauter guten, neuen Gedanken. Ich bin immer noch hin und weg davon, wie gut es mir tut, mich wieder in wissenschaftlichen Texten zu vergraben. Nicht zuletzt, weil die Texte, die ich aktuell lese voller feministischer Bezüge sind. Verschiedene Formen politischer Diskurse? Werden anhand der Abtreibungsdebatte erklärt. Die Unterschiede verschiedener Demokratiemodelle? Teilweise beeinflusst durch feministische Theorie. Der aktuelle weltweite Rechtsruck? Antrieb vieler Studien und Theorietexte.

Genau hier möchte ich gerade sein. Der Weg hierher war nicht gerade und ja, auf ein paar Schlenker hätte ich gerne verzichtet. Aber sie haben mich genau an diesen Punkt geführt, meinen Kopf mit genau diesen Gedanken und Fragen gefüllt - und dafür gesorgt, dass ich das jetzt so sehr wertschätzen kann.

Während ihr das lest, stecke ich vermutlich wieder in der Einführung zu "Gender Media Studies". Oder einer Studie zu politischer Kommunikation. (Alternativ schreibe ich an einer Rezension, denn hier liegt einiges, was ich euch zeigen möchte...)

Netzfunde der Woche

Ehrlich gesagt: Ich lese tatsächlich hauptsächlich Unitexte und Bücher, die ich für den Blog rezensieren möchte. Viel Zeit für das Internet bleibt gerade einfach nicht. Trotzdem möchte ich euch wenigstens auf ein paar Dinge hinweisen, die mir online begegnet sind:

Die selbsterklärte Alternativ-Partei hat seit einiger Zeit Lehrerpranger in verschiedenen Städten errichtet, wo Schüler*innen Lehrende anschwärzen sollen, die angeblich nicht "politisch neutral" seien (im Sinne der Partei, versteht sich). Seitdem werden in meiner Bubble Screenshots geteilt, die Spam-Nachrichten zeigen, mit denen das Prangertool verstopft werden soll. Geschichte der Gegenwart hat sich ganz besonderer Nachrichten angenommen: Jenen von Lehrer*innen, die sich selbst denunziert haben. Daneben wird auch die Geschichte der Selbstdenunziation in der Sowjetunion und der Ursprung der Lehrerpranger erläutert. (Vielleicht beruhigend: In der Schweiz gelten diese Pranger mittlerweile "nur noch als Lachnummer". Hoffen wir, dass es bei uns auch schnell soweit ist.)

Noch nicht gehört habe ich folgenden Podcast des National Public Radio: "'Man Up': How A Fear Of Appearing Feminine Restricts Men, And Affects Us All" Darin geht es darum, welche Verhaltensweisen bei Männern als "zu feminin" gelten, um sie selbst zu zeigen - und darum, wie man Männer dazu bekommen kann, diese Grenzen zu hinterfragen.

Den Podcast nehme ich nachher eventuell mit auf einen Spaziergang, falls das Wetter sich kooperativ zeigt. Nochmal Sonnenstrahlen tanken, bevor der Herbst endgültig übernimmt.

Habt ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 1. November 2018

[Lieblingsplatz] Glaube, Liebe, Hoffnung

Trauernde Figur
Vor zwei Jahren hatte Astrid eine Linkparty zu Friedhöfen. Damals bin ich extra an einem Samstagnachmittag mit meiner Kamera an einem meiner liebsten Stuttgarter Orte: dem Pragfriedhof. Und dann... lag dieser Entwurf hier herum. Weil es ein November-Post ist, der nur an Allerheiligen veröffentlicht werden kann. Deswegen kommt er jetzt - gut abgehangen.

Friedhöfe sind für mich ein Ort der Ruhe. Ich gehe da gerne spazieren, weil sie inmitten des Gewusels der Stadt eine kleine Blase bilden, in der ich nachdenken kann. Zum Beispiel über den Dreiklang aus Glaube, Liebe und Hoffnung.

Trauernde Figur auf dem Friedhof
Engel auf dem FriedhofEngelfigur auf dem Friedhof
Trauernde Figur auf dem Friedhof

Glaube ist klar, ne? Die ganzen Kreuze auf den Gräbern sind klarer Verweis auf die hierzulande vorherrschende Religion. Ich hoffe, dass viele Leute Trost in den Paradies-Vorstellungen des christlichen Glaubens gefunden haben, während sie ihre Lieben zu Grabe getragen haben.

Die Trauer, die durch all die weinenden, zusammengesunkenen, melancholischen Figuren zum Ausdruck kommt, die jemanden verloren haben, der ihnen wichtig war. Aufschriften wie "meiner geliebten Gattin". Sie alle sind nicht nur Ausdruck des Schmerzes der Zurückbleibenden, sondern auch ihrer Liebe für die Verstorbenen. Eine Liebe, die nicht einfach aufhört, nur weil die geliebte Person nicht mehr da ist.

Das Vertrauen darauf, dass der Abschied am Grab nicht für immer ist, die Hoffnung findet auch auf vielen Grabsteinen Ausdruck, auf denen "Auf Wiedersehen" steht. Nun bin ich kein sonderlich spiritueller Mensch, aber ich freue mich für all diejenigen Menschen, die daraus Kraft schöpfen können.

Engel auf dem Friedhof
Engel auf dem Friedhof
Engel auf dem Friedhof
Engel auf dem Friedhof
Engel auf dem Friedhof in Stuttgart

Erreichbar ist der Pragfriedhof vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus mit der U12 (Richtung Hallschlag) bis zur Haltestelle Pragfriedhof oder mit der U5 (Richtung Killesberg), U6 (Richtung Gerlingen), U7 (Richtung Ostfildern) oder U15 (Richtung Ruhbank (Fernsehturm)) bis zur Haltestelle Eckartshaldenweg.