Donnerstag, 20. Juli 2017

[CSD-Blogparade] Ein ganzer Regenbogen

Das ist mein Eulerich Fluff. Er hat ein Körnerkissen im Bauch und mag Regenbögen und riesige Lollies.
Im Mai hat mich Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben gefragt, ob ich Lust hätte, sie bei ihrer Linkparty zum CSD als Paradebloggerin zu unterstützen. Und ob ich das hatte! Mittlerweile läuft die Parade seit dem 28.6. und die hier zu bestaunenden Beiträge sind ganz unterschiedlich und allesamt fantastisch.

Ich darf heute eine Werkelei hinzufügen, von deren Entstehung ihr auf Instagram bereits kleine Ausschnitte erspähen konntet: Eine regenbogenbunte Hexagon-Kissenhülle.

Diese Kissenhülle leuchtet, wenn man sie in die Sonne hält. Ich bin hin und weg davon.
In Finnland hatte ich einen Mitbewohner, den ich sehr mochte. Er hat mir Kuchen gebacken, wenn ich krank war, ich habe ihm Pfannkuchen zum Frühstück gemacht. Wenn ich eine Umarmung brauchte, habe ich an seine Tür geklopft. Erst nach Monaten, in einer ziemlich betrunkenen Nacht, hat er mir gesagt, dass er schwul ist.
Schon kurz darauf haben wir unsere WG aufgelöst und jeweils die Heimreise angetreten. Ich war traurig, weil Finnland mein happy place geworden war. Mein Mitbewohner hingegen war panisch, weil er zu Hause sein Coming Out gegenüber seinen Eltern plante.
Wochenlang habe ich ihm über einen Ozean hinweg virtuell die Hand gehalten, während er mehrere Anläufe unternahm, es ihnen zu sagen und sich im letzten Moment doch nicht traute. "I just couldn't do it. I am so afraid. What if they don't love me anymore?"
Als er sich doch getraut hat, hat seine Mutter ihn zuerst gefragt, ob er psychatrische Hilfe in Anspruch genommen hat und danach überhaupt nicht mehr mit ihm gesprochen.

Fluff findet, man kann sich ziemlich gut an das Kissen ankuscheln.
An diesen ehemaligen Mitbewohner denke ich, wenn jemand behauptet, Homosexuelle würden  dermaßen hofiert werden, dass man sich als heterosexuelle Person diskriminiert fühle.
Ich fühle mich nicht diskriminiert als Frau, die in einer Beziehung mit einem Mann lebt. Ich bin dankbar, dass ich meinen Eltern von meinem Partner erzählen kann, ohne Angst vor ihrer plötzlichen Ablehnung zu haben. Dass ich am Montagmorgen im Büro vom Wochenende mit dem Lieblingsmenschen erzählen kann, ohne dass tagelang darüber getratscht wird. Ich sehe keine Diskriminierung darin, dass meine Beziehungsform derart gewöhnlich ist, dass sie kein Politikum ist.
Ich habe nur ein paar vereinzelte Hexagone gequiltet. Das sieht luftiger aus, finde ich.
Sexualität kann erst dann wirklich Privatsache sein, wenn sie als alltäglich wahrgenommen wird. Dass das nicht der Fall ist, zeigen geifernde Reaktionen auf die Öffnung der Ehe. Es müsse doch mal Schluss sein, las ich viel zu oft und fragte mich, warum denn bitte Schluss sein sollte, solange die Liebesbeziehungen mancher Menschen als Beziehungen zweiter Klasse behandelt werden? Solange nicht völlig wurscht ist, wer mit wem wie verbunden ist, bleibt die Liebe ein politisches Thema - und CSD-Linkparaden wie diese sowie andere Pride-Aktionen notwendig. Um für Sichtbarkeit zu sorgen. Um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es neben der Heterobeziehung auch noch was anderes gibt. Und um so Stück für Stück für Normalität zu sorgen.

Gewöhnung funktioniert nämlich. Nachdem die Mutter meines ehemaligen Mitbewohners tagelang nicht mehr mit ihm gesprochen hat, ist ihr aufgefallen, dass die Homosexualität ihres Sohnes einen Scheiß daran ändert, dass er ihr liebenswerter, kluger, freundlicher Sohn ist. Heute sagt sie zu Nachbarn: "Na und? Dann hab ich halt einen Schwiegersohn, statt einer Schwiegertochter. Und wisst ihr was? Der ist super!"

Wenn ihr auch dazu beitragen möchtet, dass die Nähblogs ein bisschen zu mehr Farbe, Vielfalt und Toleranz beitragen, könnt ihr noch bis zum 31. Juli mitmachen. Ich würde mich sehr freuen, von euch zu lesen!
Hier geht's entlang zum Mitmachen!

Kommentare:

  1. Danke für Deinen tollen Beitrag und für das versöhnliche Ende mit dem ehemaligen Mitbewohner! Was hab ich mich gefreut, dass seine Mutter eingelenkt hat! Aber wie traurig, dass er zunächst leiden musste. Heißt: Arbeiten wir weiter an einer Welt, in der Unterschiede wie Hautfarbe, Religion, Sexualität, Herkunft etc. keine Rolle spielen. (Und Dein Kissen ist natürlich superschön geworden!) lg, Gabi

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    1. Danke! Gut zu sehen, neben was für tollen Menschen man bei dieser Arbeit steht.
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  2. Wow, das Kissen ist ja schön geworden! Deine Sachen sehen immer so perfekt aus <3 Ja, ich glaube auch, dass es schon einen Unterschied macht, ob man als Hetero oder als Homo von seinem Pärchenwochenende erzählt, leider. Aber dass man sich als Hetero diskriminiert fühlen soll? Was für ein Blödsinn. Es ist wirklich traurig, dass andere sich überhaupt so viele Gedanken machen über etwas, dass sie gar nichts angeht, wie eben die Sexualität anderer Menschen. Schön also, dass es solche Linkpartys gibt.
    Liebe Grüße!
    Nina

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    1. Ich könnte dir eine Menge Stellen zeigen, die alles andere als perfekt sind. ;)
      Ja, "Blödsinn" trifft das schon ziemlich genau.

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  3. Liebe Sabrina: Erstmal - das Kissen ist der absolute Hammer! Wunderschön! Es leuchtet wirklich! Und es strahlt die ganze Liebe aus, mit der es genäht wurde. Ich bin "hin und weg" - soooo schön! Und dann: Vielen, vielen Dank für die berührenden Zeilen. "Solange nicht völlig wurscht ist, wer mit wem wie verbunden ist, bleibt die Liebe ein politisches Thema." Du sprichst mir so sehr aus der Seele! Denn, es ist immer noch genau so, wie Du schreibst: Erzählt ein heterosexueller Kollege vom Wochenende mit seiner Frau, ist das total normal. Erzählt ein schwuler Kollege vom Wochenende mit seinem Freund, heißt es hinterher "Wieso muss er das denn so an die große Glocke hängen, dass er schwul ist?". Vielen Dank für diesen Beitrag und vielen Dank, dass Du ein Teil der CSD-Blogger-Parade bist!! Liebste Grüße! Karin

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    1. Ja, genau! Genau dieses angebliche "an die große Glocke hängen" lässt mich vollkommen ratlos zurück. Besonders wenn dieser Vorwurf von Personen geäußert wird, die ihr Hochzeitsfoto als Profilbild haben (kein Scheiß).
      Ich freu mich riesig, dass dir der Beitrag gefallen hat! Vielen Dank für die Einladung, dabei zu sein. Das hat mir wirklich viel bedeutet!

      Und danke für die lieben Worte zu meinem Kissen.
      Viele liebe Grüße,
      Sabrina

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  4. Das ist ja eine sehr traurig beginnende Geschichte, die dann doch noch ein gutes Ende nimmt. Aufatmen meinerseits,
    Dein Kissen ist sehr schön geworden!
    LG
    Astrid

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    1. Ich hatte mir in der ersten Zeit nach seinem Coming Out fast Vorwürfe gemacht. Ob es falsch war, ihn darin zu bestärken. Ob ich ihm hätte raten sollen, länger zu warten. Ihm dabei nicht mal die Hand halten zu können, weil er die halbe Welt weit weg war, war hart... Umso froher bin ich, dass das innerfamiliäre Verhältnis heute wieder so gut ist. :)

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  5. Das ist ein richtig toller Beitrag, so schön geschrieben. Und dass ich die Kissenhülle super finde steht ja ausser Frage. die ist genial... Vielleicht mach ich mir auch so eine :D.
    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Vielen lieben Dank!
      Es wäre ja nicht die erste Kissenhülle, zu der ich dich inspiriere. :D
      (Und ich hab im Moment mindestens noch drei Ideen für regenbogenbunte Hexi-Kissen. Waaaah!)

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  6. Das Kissen gefällt mir sooooo gut! Wunderschöne Farben!
    Und ich fand es auch sehr schön, zu lesen, dass die Geschichte für deinen Freund gut ausgegangen ist!
    Liebe Grüße!
    Kerstin

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    1. Vielen lieben Dank! Es freut mich besonders, dass ihr alle so mit meinem Mitbewohner mitgefiebert habt.

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  7. Woa, das ist wirklich eine heftige erste Reaktion.

    Ich finde auch, dass solche Beziehungen genauso alltäglich sein dürfen und sollten. Mich freut es immer, wenn mir unser schwuler Stammkunde etwas von seinem Freund erzählt.

    Liebe Grüße, Daniela

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    1. Danke dir, liebe Daniela! :)
      Viele Grüße,
      Sabrina

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