Samstag, 24. Juni 2017

[Samstagstee] mit bunten Netzfunden

Archivbild again, ich war diese Woche unterwegs - leider ohne Kamera.
Diese Woche war ich fortbildungsbedingt in Kulmbach, einem fränkischen Städtchen in der Nähe von Bayreuth. Die letzten fünf Tage waren richtig intensiv, ich habe ganz viel gelernt und hoffe, dass mich das alles auch längerfristig weiterbringt. Zu kurz gekommen ist dabei leider das Erkunden der Stadt - außerhalb der Biergärten, Dönerbuden und Restaurants, die ich so in Mittagspausen und an Feierabenden aufgesucht habe. Schade, denn die durch Renaissance und Barock geprägte Innenstadt ist wirklich hübsch und die Plassenburg scheint zumindest von dort aus tatsächlich einen Spaziergang wert zu sein!

Statt spazieren zu gehen, habe ich die viel zu warmen Abende zumindest teilweise im Internet verbracht und dabei einiges aufgestöbert, was ich gerne mit euch teilen möchte und zu diesem Zwecke zu Andrea schubse.

Erinnert ihr euch noch an meine Begeisterung über die kleine Google-Doodle-Maus zum Frühlingsanfang, mit den putzigen Stickereien in ihrer Wohnhöhle? Hier hatte ich darüber geschrieben. Und konnte mich am Mittwoch über eine Fortsetzung freuen: Es gab nämlich auch ein Doodle zum Sommeranfang

So niedlich! Die Google-Doodle-Sommermaus.

Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben startet in der nächsten Woche eine Linkparty zum CSD, dem Christopher-Street-Day. Diesen Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag wird überall auf der Welt genutzt, um für Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transpersonen und Intersexuellen zu demonstrieren - für Vielfalt, Toleranz und eine bunte Welt. Deswegen wird es bunt bei Karin - und ich darf am 20. Juli mit einem bereits geplanten Post als Parade-Bloggerin mit dabei sein. Wer euch noch mit ganz viel Farbe erfreuen wird, findet ihr hier heraus.

Auch mit dem nächsten Fund bleibe ich beim Thema: In seiner aktuellen Reihe "Extreme(ly Queer) Muslims" führt Dylan Marron Interviews mit Muslimen, die schwul, lesbisch oder transgender sind - um mit dem Vorurteil aufzuräumen, es handle sich dabei um einen unüberwindbaren Gegensatz. Die Teenvogue hat dafür lobende Worte gefunden und auch mir haben die drei bisherigen Episoden gut gefallen. Wer neugierig geworden ist, kann hier das erste Interview anschauen - oder in Dylan Marrons Youtube-Kanal nach weiteren Videos Ausschau halten.


Danach habe ich noch was Fieses im Kontrast: In der Online-Ausgabe der WAZ wurde am Mittwoch ein Artikel über eine geleakte WhatsApp-Unterhaltung der AfD in Sachsen-Anhalt erschienen, in der unter anderem ein Polizist "Säuberungen" in den Medien nach der "Machtübernahme" fordert. „Unschön gerade im Wahljahr, dass das veröffentlicht worden ist“, wird AfD-Landtagsabgeordneter und Bundestagskandidat Andreas Mrosek aus Dessau im Artikel zitiert. Dass das geleakt wurde, ist nicht mein Problem mit diesen Chat-Nachrichten, echt nicht.

Damit ich euch nicht mit sowas ins Wochenende entlasse, hier noch eine Idee, wie man die Welt vielleicht zu einem freundlicheren Ort machen könnte: Die HNO-Klinik in Hannover sucht  Menschen, die Lust haben, kleine Häkelschnecken zu fertigen. Die sind als Geschenk gedacht für Kinder, die ein Cochlea-Implantat bekommen. Mehr Infos und einen Link zum Anleitungs-PDF findet ihr hier.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende. Genießt es, was auch immer ihr tut!

Mittwoch, 21. Juni 2017

[Rezension] Ink


Metallisch schimmernder Einband? HervorragendeBeute für meine innere Buch-Elster!
In der vorletzten Ecke des Untergeschosses von All Amounts of Books (Soho, London), wo der Fußboden zittert, wenn die Tube darunter hindurch fährt und wo alle Bücher nur ein Pfund kosteten, schimmerte es mir aus einem Regal entgegen. Metallisch kupfern, mit stilisiertem Vogelmuster hat mich "Ink" von Alice Broadway direkt angezogen. Weil es sich um ein unkorrigiertes Rezensionsexemplar handelte, stand nicht einmal eine Inhaltsangabe hinten drauf. Trotzdem habe ich es mitgenommen und bin bereits auf der Heimreise nach Stuttgart tief in die Welt eingetaucht, die sich rund um die Hauptperson Leora entfaltet.

In der dargestellten Gesellschaft werden alle wichtigen Ereignisse im Leben der Menschen auf deren Haut tätowiert. Durch Blut, Schmerz und Tinte wird so den Mitmenschen offen gelegt, wer man ist - und das vom zweiten Tag des Lebens an. Die Tattoos sind sogar über den Tod hinaus so wichtig, dass Verstorbene gehäutet, die Tattoos zu einem Buch gebunden und in der Familie durch die Generationen weitergereicht werden. So bewahrt man die Ahnen vor dem Vergessen - dem schlimmsten, was mit einem Menschen geschehen könnte. Entsprechend ist die Verbrennung des eigenen Hautbuchs die höchste Strafe überhaupt, zu der ein Mensch verurteilt werden kann.
Die Körperkunst ist so zentral für das Selbstverständnis, dass untätowierten Menschen Hass entgegen schlägt: Ihre Weigerung, ihr Selbst nach außen zu kehren, wird als potenziell kriminell motivierte Heimlichtuerei empfunden - und mit einer Gewalt bekämpft, die noch vor Leoras Geburt in Zwangsumsiedlungen (und vermutlich weit Schlimmerem) mündete. Dieser Hass wird zum Zeitpunkt der Erzählung von einem neuen Präsidenten erneut geschürt, dessen Agenda mit "Make Tattoos great again!" gut beschrieben wäre.

In dieser Gesellschaft sucht Leora mit 16 Jahren gerade ihren Platz, als sie erfährt, dass ausgerechnet ihr kürzlich verstorbener Vater "vergessen" werden, das Buch aus seiner Haut also verbrannt werden soll. Das stellt ihr Leben komplett auf den Kopf und lässt sie an allem zweifeln, was sie bisher für selbstverständlich gehalten hat.

So ein hübsches Buch kann ich unter keinen Umständen liegen lassen. Erst recht nicht, wenn es nur ein Pfund kostet.

Nachdenklich ist Leora, ein bisschen grüblerisch. Ein Mädchen, das lieber hinter Büchern verschwindet, als mit Klassenkameraden Party zu machen. Mit einer mir aus meiner eigenen Pubertät durchaus vertrauten Akribie untersucht sie die neuesten Dehnungsstreifen und würde ihren Körper lieber verstecken als ihn der Welt so offenherzig zu präsentieren, wie es üblich ist. Meinem jugendlichen Ich hätte Leora eine ziemlich gute Identifikationsfläche geboten.

Trotzdem war ich am Ende nicht rundum beglückt und das liegt nicht nur daran, dass ich mittlerweile älter bin und meine Dehnungsstreifen längst als vorhanden akzeptiert habe. Besonders gestört hat mich, dass im ersten Teil des Buches Schlussfolgerungen für meinen Geschmack nur sehr langsam gezogen werden - Puzzleteile werden ausgeworfen und liegen dann gefühlt ewig direkt nebeneinander, ohne offiziell zusammengesetzt zu werden. Irgendwann verkehrt sich dieses Tempo dann auch noch ins Gegenteil. Im letzten Viertel des Buches findet eine derart massive Charakterentwicklung statt, die ich einem so nachdenklichen Charakter wie Leora in einer so kurzen Zeitspanne schlicht nicht abnehme. Allerdings muss ich an dieser Stelle der Autorin auch zugestehen: Es ist ihr erster Roman - da kann und muss man noch nicht alles richtig machen, finde ich.
Rein persönlicher Geschmack ist die Sprache. Diese war mir etwas zu schlicht, zu wenig poetisch. Mich hat sie entfernt an "Hunger Games" erinnert, das mich nicht zuletzt aufgrund des sprachlichen Stils nicht überzeugt hatte (weshalb ich nur den ersten Band kenne).

Überhaupt hat sich mir der Vergleich zur ebenfalls dystopischen "Hunger Games"-Reihe von Suzanne Collins aufgedrängt. "Ink" ist allerdings (zumindest im ersten Band) trotz aller abgeschälter Haut und latent faschistoider Gesellschaft wesentlich unblutiger, zarter in der Darstellung von direkter Gewalt. Und obwohl in beiden Fällen viel über Kleidung gesprochen wird - die Klamotten in "Ink" sind nicht so pompös. Was deutlich stärker herausgearbeitet wird und was mir unheimlich gut gefallen hat, sind die Folklore und die Darstellung der Gesellschaftsordnung von Leoras Welt. Diese Aspekte hatten mir bei den "Hunger Games" massiv gefehlt, denn ich lege sehr viel Wert darauf, einiges über die dargestellte Welt zu erfahren. Dass diese in "Ink" so intensiv erfahrbar gemacht wird, ist auch der Grund, warum ich die folgenden beiden Bände vermutlich lesen werde - und sie Fans von "Hunger Games", dystopischen Jugendromanen und Tattoos durchaus ans Herz legen möchte.

Samstag, 17. Juni 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Archivbild again: Dieses Mal aufgrund Internetausfalls.
Guten Morgen, ihr Lieben!
Mich hat diese Woche ein schweres Los ereilt, nämlich der nachhaltig aktive Ausfall des WLANs in meinem Zuhause. Deshalb schreibe ich diesen Post vorab, um euch überhaupt mit einem Lebenszeichen zu erreichen - am Handy schreibt es sich nicht ganz so angenehm.

Weil ich trotz Internetausfalls nicht so viel gewerkelt, sondern gelesen habe, müsst ihr euch heute auch noch mit fremden Stickereien begnügen. Die Vogel-Pin von Paulina Bartnik sind definitiv einen Blick wert - so naturgetreue und liebevolle Arbeiten könnte ich mir stundenlang anschauen.

Tierisch ist auch der nächste Link aus dem Jahre 2016. Ein schnuffiger Kater namens Barney hat zwanzig Jahre lang auf einem Friedhof gewohnt und dort bis zu seinem eigenen Tod Trauernden Trost gespendet. Wenn ich da an meine alte WG-Katze denke, die auch immer ankam, wenn es mir nicht gut ging und sich mit ihrem warmen, kleinen Körper um mich herumgewickelt hat, glaube ich, dass einem kaum etwas Besseres passieren kann.

Im ZEIT-Magazin fand ich einen Artikel zum Single-Dasein als Frau und fühlte mich an einen Punkt erinnert, den ich in meinen "Zehn Fakten über die Liebe" erwähnt hatte: Dass mir oft die Vorstellung begegnet, man sei als Mensch nur mit Partner eine vollständige Person. Marlene Teschner hat über diese Vorstellung aus persönlicher Sicht als Frau Ende 40 geschrieben und man hört das Augenrollen in jedem einzelnen Satz. Besonders geht ihr auf den Keks, dass diese Unvollständigkeit offenbar besonders für Frauen angenommen wird, während bei Männern viel stärker Konnotationen wie "Freiheit" und "Selbstbestimmung" im Mittelpunkt stünden. Ich geh dann nochmal nachschauen, in welchem Jahrhundert wir uns derzeit befinden...

Beim Springen von Link zu Link bin ich auf einen Artikel über Gisella Perl gestoßen, eine Gynäkologin, die im Konzentrationslager Auschwitz gezwungen war, mit Dr. Mengele zusammenzuarbeiten. Angesichts seiner tödlichen Experimente mit Schwangeren und deren ungeborenen Kindern sah sie nur einen Ausweg, um zumindest das Leben der Frauen zu retten: Abtreibungen ohne Schmerzmittel, ohne Desinfektionsmöglichkeit. Ich bin immer wieder berührt, wie viel einzelne Menschen auf sich genommen haben, um anderen (noch größeres) Leid zu ersparen - und traurig, dass nur so wenige bekannt sind.

Diese Links schicke ich nun zu Andrea und wünsche euch allen ein zauberhaftes Wochenende!

Mittwoch, 7. Juni 2017

[3 of a kind] I am slightly obsessed with

Im Juni will Sas etwas über die größten Obsessionen unseres Lebens wissen. Da musste ich wirklich nicht lange darüber nachdenken...
(Feministische) Stickerei ist eine ganz aktuelle Obsession. Mehr zu diesem Monsterchen findet ihr hier.
Meinem Instagram-Feed sieht man sehr genau an, wofür ich mich interessiere. Zwei der besonders herausstechenden Bereiche sind Stickerei und Feminismus - mit Überschneidungen zwischen beidem. Diese Überschneidungen haben mir erst so richtig gezeigt, wie viel politisches Potenzial in meinem scheinbar rein dekorativen Hobby steckt. Von den vielen stickenden Feministinnen möchte ich euch drei zeigen, die meinen Feed ganz besonders bereichern: fembroidery, Brinn Jones, Needle and Bitch.

Eine liebe Nähkromantin hat mir wundervolle Ohrringe gebastelt - passend zum ersten Lieblingsfandom.
Harry Potter war das erste Fandom, das mich so richtig erwischt hat. Davor gab es natürlich auch Bücher, die ich mochte, aber ich wollte noch nie so unbedingt in einem leben - Briefe mit Eulen verschicken, in der Winkelgasse umherbummeln und einen eigenen Zauberstab besitzen. Bei keinem anderen Fandom habe ich zuvor Fanfiction geschrieben oder mich anhaltend über das vollkommen dysfunktionale Mediensystem beklagt (der Regierungseinfluss ist definitiv zu groß!). In dem Moment, in dem ich dies tippe, habe ich das dringende Bedürfnis, mich an eine Fanfiction über eine junge Redakteurin beim Tagespropheten zu setzen, die entgegen der Anweisungen ihres Chefs im Zaubereiministerium recherchiert und dabei... Aber erst einmal diesen Blogpost über Obsessionen fertigstellen, nicht wahr?

Finnland - definitiv eine kleine Obsession von mir. Fragt meine armen Freund*innen.

2014 habe ich vier Monate im Südwesten Finnlands verbracht, wo die Straßenschilder finnisch und schwedisch sind, wo es nicht so viel kälter und dunkler ist als in Deutschland und wo die beste Uni-Bibliothek steht, die ich je hatte. Ich vermisse sie ebenso wie meine Flurnachbarn im Wohnheim und den Weg am Fluss, den ich immer entlang gegangen bin, um bei Lidl einzukaufen (weil Essen in finnischen Supermärkten astronomische Preise hat). Nach meiner Rückkehr habe ich etwa ein halbes Jahr lang jeden zweiten Satz mit "In Finnland..." angefangen. Es ist seitdem nur ein wenig besser geworden.

Noch mehr prächtige Obsessionen findet ihr bei Sas. Ich freue mich schon aufs Stöbern!

Samstag, 3. Juni 2017

[Samstagstee] mit Amanda Palmer

Guten Morgen! Ein Symbolbild - ich tippe dies nämlich schon am Freitagabend.
Guten Morgen, ihr Lieben!
Wenn ihr das lest, bin ich wahrscheinlich schon auf dem Sprung zum Bodensee - der Lieblingsmensch und ich nutzen das lange Wochenende nämlich, um ausgiebig gemeinsam in Zügen zu sitzen.


Am Donnerstag haben wir in München ein Konzert besucht, auf das ich mich mehr gefreut habe als auf jedes andere bisher: Amanda Palmer & The Legendary Pink Dots, die gerade mit ihrem gemeinsamen Album "I Can Spin A Rainbow" durch Europa touren. Und oh mein Gott, wie sehr blieb all diese Vorfreude hinter dem eigentlichen Konzert zurück. Es war mehr als fantastisch. So intensiv und seltsam und - herzlich. Ich liebe es ja sehr, wenn die Musizierenden miteinander und mit ihrem Publikum interagieren - und das tut Amanda. Unter Umständen mopst sie sich auch mal ein Smartphone aus dem Publikum, antwortet auf Zurufe aus dem Publikum und plaudert mit den anderen Menschen auf der Bühne. Ich habe an diversen Stellen laut gelacht, an anderen stand mir das Wasser in den Augen. Meine Gänsehaut reichte ungelogen von den Ohrläppchen bis zu den Kniekehlen. Und als sie ein Lied für ihren verstorbenen besten Freund Anthony spielte, habe ich schließlich Rotz und Wasser geheult. So darf das sein. Ganz, ganz große Konzert-Liebe und bestimmt nicht das letzte Konzert von Amanda, das ich sehen werde.

Mein Backpatch - natürlich war die Kutte mit in München.
Und heute geht es also an den Bodensee. Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht, was wir dort machen werden - der Lieblingsmensch gedenkt mich zu überraschen. Ich bin sowas von gespannt und (schon wieder) voller Vorfreude. Dieses Wochenende ist bereits jetzt ein grandioses Wochenende - und genau so eines wünsche ich euch auch, ganz egal, was ihr damit anstellen mögt!

Noch mehr Glücksmomente, Wochen(end)pläne und vieles mehr findet ihr bei Andreas Samstagsplausch.