Donnerstag, 6. April 2017

Besuch im Keltenmuseum

Beim Samstagstee zum 4. März habe ich erzählt, dass ich das Keltenmuseum in Hochdorf bei Stuttgart besuchen würde. Über diesen Besuch auch wirklich zu schreiben, hat nun deutlich länger gedauert. Ich hoffe, ihr habt trotzdem noch Lust, mich auf meinem Rückblick zu begleiten.

Grundlage und Ausgangspunkt des Museums ist ein Begräbnis, das vor etwa 2500 Jahren stattgefunden hat: Der sogenannte "Keltenfürst von Hochdorf" wurde prunkvoll bestattet und über ihm ein weithin sichtbarer Grabhügel aufgeschüttet.

Foto: Mussklprozz aus der deutschsprachigen Wikipedia, GFDL oder CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons
Dieser Grabhügel wird durch den Bogen dargestellt, der sich - in originalgetreuer Höhe - vor dem Museum spannt. Im Haus wird dieses Konzept weitergeführt, indem Besuchende im Erdgeschoss durchs Fenster den Bogen und durch eine Bodenplatte in die nachgestellte Grabkammer blicken können. An den Wänden sind zusätzlich die verschiedenen Bodenschichten abgebildet, so dass man quasi im Grabhügel steht und dessen räumlichen Aufbau direkt wahrnehmen kann.

Ähnlich anschaulich ist auch die nachgebildete Grabkammer, die viel größer ist, als sie auf diesem Bild wirkt. Wie viele verschiedene Textilien und Felle für die Ausstattung verwendet wurden! Wikipedia bietet hier einen Überblick über die Einrichtung, die originalen Möbelstücke stehen im Landesmuseum in Stuttgart.

Foto: jnn95 (Eigenes Werk), GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Leider kommt die Anschaulichkeit für meinen Geschmack darüber hinaus ein bisschen zu kurz: im Außenbereich stehen verschiedene nachgebaute Hütten unterschiedlicher Funktion, die einen Eindruck von keltischen Siedlungen der Umgebung ermöglichen. Im Hauptgebäude finden sich noch ein Dachsfell und ein Stück Brettchenborte zum Anfassen und einige wenige Installationen, wo bunte Lämpchen auf Knopfdruck bestimmte Orte anzeigen.

Darüber hinaus muss man sich die Informationen lesenderweise aneignen, da es auch keinen Audio Guide gibt. Das macht das Museum zum einen für Kinder und ungeduldige Erwachsene eher langweilig und zum anderen – angestoßen durch Frau Jules Museumsbetrachtungen – auch nicht barrierefrei. (Immerhin: rollstuhltauglich ist das Gebäude wohl, die einzige Treppe im Gebäude kann umgangen werden.)

Trotzdem: Wer lesen kann und möchte, findet Spannendes auf den großen Texttafeln vor. Die Informationen beziehen sich dabei nicht nur auf den Grabhügel und seinen Inhalt, sondern sehr umfassend über verschiedene Aspekte des keltischen Lebens – beispielsweise Architektur, Gesellschaftsordnung oder Kleidung. Längere Haupttexte ordnen die Exponate und Abbildungen ein, die kurzen Detailtexte sind oft anekdotischer Natur.

Weil auch ich selbst im Verlauf eines Museumsbesuchs immer lesefauler werde, hab ich mich schließlich besonders auf diese kurzen Texte konzentriert. Besonders großartig fand ich einen Absatz über das Bier, das die Kelten vor Ort brauten – angesichts der gefundenen Pflanzenrückstände wurde sogar erläutert, wie es geschmeckt haben könnte. Und dass jemand beim Aufnähen der goldenen Beschläge auf die Stiefel des Keltenfürsten die Schuhe vertauscht hat, hat mich sehr amüsiert.

Foto: Rosemania, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons


Ein weiterer Aspekt hat mich persönlich sehr angesprochen: Beim Thema Schmuck wurden verschiedene Frauensilhouetten abgebildet, an denen verzeichnet war, wo der in Vitrinen gezeigte Schmuck hingehört. Die Damen hatten sehr unterschiedliche Körperformen. Hurra, Vielfalt!

Sehr vielfältig ist auch der Museums-Shop ausgestattet. Normalerweise ist das in einem Museum eher nicht der Ort, mit dem ich mich ausführlicher befasse. Aber in diesem Falle werden so viele schöne und hochwertige Nachbildungen keltischen Schmucks angeboten, dass ich mir längere Zeit bewundernd die Nase platt drückte.

Tatsächlich durfte auch ein Souvenir mit nach Hause: In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, wurde vor geraumer Zeit ein Drachenanhänger gefunden, der vermutlich mit einem keltischen Krieger von England hierher gekommen sein dürfte. Eine schlichtere Nachbildung dieses kleinen Drachens hängt nun häufig an meinem Hals und erinnert mich an ein Museum, das zwar (in meinen Augen) durchaus Verbesserungspotenzial aufweist, aber dennoch einen Besuch wert ist.

Dieser kleine Drache ist eine Nachbildung eines Anhängers, der in dem Ort gefunden wurde, in dem ich aufgewachsen bin.
Was ich leider gar nicht empfehlen kann, ist der Keltenweg, der sich vom Museum ausgehend in beiden Richtungen wahlweise bis Zuffenhausen oder in der Gegenrichtung bis Asperg zieht. Ich hätte es wirklich schön gefunden, nach der ganzen Leserei im Museum noch durch die Gegend zu wandern und dabei häppchenweise weitere Informationen zu keltischen Siedlungen zu bekommen.

Bedauerlicherweise ist dieser Weg jedoch so miserabel ausgeschildert, dass wir uns an jeder Abzweigung unsicher waren und sehr schnell von unserer geplanten Route abgewichen und einfach irgendwie zum Ditzinger Bahnhof marschiert sind. Immerhin: Die Gegend ist auch abseits des Keltenwegs schön. Beispielsweise in Hemmingen, wo einem dieses entzückende Schlösschen (heute das Rathaus) begegnet:

Das Hemminger Rathaus liegt auf dem Weg vom Hochdorfer Keltenmuseum zum Ditzinger Bahnhof.
Wer ungern wandert, kann ganz beruhigt sein: Am Museum gibt es Parkplätze für Busse und PKW und je nach Anfahrtrichtung und Wochentag sind die beiden in Frage kommenden Bushaltestellen (Hochdorf, Keltenmuseum oder Hochdorf, Rathaus) entweder direkt vor der Museumstür oder in fünf Minuten Entfernung zu finden.

Und für diejenigen, die nach einem Museumsbesuch eher etwas zu essen brauchen, ist auch gesorgt, denn direkt gegenüber des Eingangs ist eine Bäckerei zu finden, die auch sonntags bis 17 Uhr geöffnet hat und ein ziemlich breites Angebot hat.

Besucht ihr gerne Museen? Und wenn ja, welche gefallen euch besonders gut?

Kommentare:

  1. hm... nach deiner schilderung würde ich dieses museum jetzt eher meiden. wie schade. es gibt doch so viele tolle möglichkeiten sowas richtig fett und geil zu machen... schade, dass diese möglichkeit hier versäumt wurde. vielleicht auch eine geldfrage?
    liebe grüße,
    jule*

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    1. Ich denke auch, dass "richtig fett und geil" eine ziemliche Geldfrage ist - das Potenzial ist hier ja eindeutig vorhanden und es gibt ja zarte Ansätze in die richtige Richtung. (Bei der momentanen Sonderausstellung ist sogar ein bisschen mehr Audio dabei, aber da die nur bis Mai ist, hab ich den Teil nun unterschlagen.)
      Ich bin mir gerade nicht ganz sicher, wer da alles als Geldgeber tätig ist und könnte mir vorstellen, dass so ein kleines, spezialisiertes Museum da eher nicht überversorgt wird mit Mitteln.

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  2. Vielen Dank für deinen Bericht, da bin ich ja schon mal nicht ganz so traurig, dass es so weit weg ist. Aber irgendwann werden wir das Museum bestimmt mal besuchen. Ich bin leider auch oft sehr lesefaul in Museen und mag es eher, wenn einem die Informationen irgendwie spielerisch um die Ohren gehauen werden. Ich mag immer sehr gern Freilichtmuseen und alte Burgen, die man besichtigen kann. Mal schauen, wohin es uns dieses Jahr verschlägt. Dein neues Schmuckstück ist übrigens sehr toll, und passt so gut zu dir, weil der Drache wie ein "S" aussieht :D
    Liebe Grüße!
    Nina

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    1. Hihi, so hatte ich das ja noch gar nicht gesehen. Du hast natürlich vollkommen Recht damit! :D
      Ja, ich mag's auch lieber, wenn Museen etwas spielerischer sind. Merkt man, nech?^^ Ich bin trotzdem froh, dass wir hingegangen sind, denn so ein paar Wissensbrocken sind mir im Gedächtnis geblieben und das ist immer toll. :)

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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