Donnerstag, 23. März 2017

[Was wir tragen, was wir sind] Stilsicher

Bei Art und Stil geht es im vierten Teil um Stilsicherheit.
Bei Art und Stil werden regelmäßig vier Fragen zum Thema Stil gestellt und beantwortet.  Hier habe ich darüber geschrieben, was ich überhaupt unter "Stil" verstehe und hier geht es darum, wie sich mein Verhältnis zu Kleidung entwickelt hat. Hier geht es darum, wem wir so (aufgrund der Kleidung) hinterherschauen.

Was findest Du schön?
Ich finde es schwierig, das allgemeingültig festzuschreiben. Zum einen hat sich das in den vergangenen Jahren immer wieder verschoben - andere Selbstwahrnehmung, andere Sehgewohnheiten. Um hier ein kleidungsfernes Beispiel zu bringen: Ich fand früher lange Haare fantastisch - je länger desto besser, an Menschen jeglichen Geschlechts. Heute mag ich rasierte Köpfe, ebenfalls an Menschen jeglichen Geschlechts.
Zum anderen hängt meine Wahrnehmung von Schönheit sehr mit der Stimmigkeit des Gesamteindrucks zusammen. Ist ein meiner Meinung nach grandioses Kleidungsstück mit etwas kombiniert, das ich für eine Scheußlichkeit sondergleichen halte, schmälert das meine Begeisterung. Fühlt sich eine Person in ihrer Kleidung erkennbar unwohl, wirkt diese auch nicht mehr schön.

Um die Frage nicht nur mit Geschwurbel zu beantworten: Mein entsprechendes Pinterest-Board verrät, was ich derzeit schön finde - schnörkellose Zipfelligkeot, Kapuzen und Assymetrie stehen gerade ganz hoch im Kurs. Und natürlich alles in schwarz.



Was findest Du hässlich?
Sneaker.
Es gibt eine Menge Kleidungsstücke, bei denen ich bereit bin, im konkreten Einzelfall abzuwägen, ob es an der Person, in der Kombination mit sonstigen Kleidungstücken vielleicht doch möglicherweise... Aber Sneaker gefallen mir nie. Besonders hässlich finde ich sie zu Röcken.
Dieser ästhetischen Ablehung ungeachtet glaube ich aber gerne, dass Sneaker bequem sind und damit hochgradig praktisch, wenn man beispielsweise den ganzen Tag über sehr viel geht. So wie Jogginghosen beispielsweise unheimlich bequem und damit praktisch zum Herumgemütlichen sind. Jogginghosen sind üblicherweise auch keine Ausgeburt der Schönheit. Ich halte Schönheit daher bei weitem nicht für die einzige Daseinsberechtigung für Kleidung.

Kannst Du meistens gut einschätzen, ob du tatsächlich anziehen wirst, was du kaufst? Weißt du vorher, woran du es erkennst?
Mittlerweile kann ich sagen: meistens schon. Das liegt zum einen daran, wie ich einkaufe. Es kommt nur selten vor, dass ich ziellos durch die Läden bummele und überraschend auf ein Teil stoße, das mich so verzaubert, dass ich es einfach kaufen muss. Stattdessen stelle ich üblicherweise einen Mangel in meinem Kleiderschrank fest und ziehe los, um ihn zu beheben. ("Es ist viel zu warm! Ich brauche ein zeltförmiges Kleid, das nicht an mir klebt! Jetzt sofort!")
Etwas anders sieht es aus, wenn ich in Schweden bin und die von mir bereits häufiger gepriesenen 2nd Hand-Läden aufsuche. Dort stürme ich zu den Ständern mit schwarzen Klamotten und halte nahezu alles einmal hoch. Mit gefährlich wankenden Textilbergen entschwinde ich dann in Richtung Umkleidekabine. Fehlkäufe passieren aber auch dort trotz der famosen Auswahl eher selten, weil ich schon vor dem Kauf darüber nachdenke, womit ich das kombinieren könnte. Was nicht kombinierbar ist, bleibt da. Wofür ich keinerlei Tragegelegenheiten habe, ebenfalls.

Wenn du dich im Spiegel siehst, bevor du das Haus verlässt, und versuchst, dich selbst von außen zu betrachten, wie ist diese «andere Person»?
Zumindest optisch weiß sie, was sie will: Sie mag kein Chichi und bevorzugt klare Linien. Da dürfen kantige Zipfel sein, aber keine rüschigen Volants. Farb- und Motivwahl der Kleidung legen nahe, dass ihr Musikgeschmack viel mit lauten Gitarren und ähnlichem Lärm zu tun hat (und in sich trotzdem vollkommen inkonsistent ist, wenn man die Patches auf der Kutte zuordnen kann). Zusammen mit den kurzen Haaren wirkt das oft etwas burschikos, schätze ich. Sie ist insofern nostalgisch veranlagt, dass sie andauernd denselben Schmuck trägt, der in erster Linie aus Erinnerungsstücken besteht.
Insgesamt sieht sie wahrscheinlich an guten Tagen aus wie jemand, der obige Pinnwand angelegt hat, aber trotzdem die Kollegen nicht allzu sehr irritieren möchte.

In this part of her style challenge, Nico asked about what we like and dislike and if we always knew whether the clothes we buy will be worn. 
My pinterest board shows pretty well what I like: witchy futuristic gothic stuff with hoods and tails. I dislike sporty stuff like sneakers or jogging pants for unsporty activities - but they are comfortable and so they've got their right to exist.
As I think about my needs and they ways to combine clothes before I buy them, I usually don't buy stuff I won't wear. 
Nico also wanted to know what we see in the mirror when we try to see ourselves as another person. I do see someone who pins to said pinterest board but a bit toned down because of work.

Kommentare:

  1. "...die Kollegen nicht allzu sehr irritieren möchte." haha, noch die lernenden dazunehmen und das könnte von mir sein :D sehr spannend, jeder dieser bögen. und von deinen shoppingangewohnheiten bin ich sehr überrascht. wenn ich einen mangel feststell(t)e und losgezogen bin, kam ich meistens frustriert und mit leeren händen nach hause... das mit den schwedischen second hand läden kann ich allerdings total verstehen.
    liebe grüße,
    jule*

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    1. Bandshirts mit Schädeln hab ich mir verboten. ;)
      Für Kundentermine sehe ich natürlich auch nochmal "zivilisierter" aus.
      Ich hatte im Jahr mit dem weiten Flatterkleid (siehe oben) das Glück, dass das gerade total trendy war. Und sonst lautet ein Mangel auch mal "Brauche schlichte schwarze T-Shirts" oder so.
      Die Mängel "Ich möchte bitte ein Paar schwarzer Sandalen, das all meinen ästhetischen Ansprüchen genügt, nicht _zu_ hoch ist und vorn breit genug, dass ich auch reinkomme" sowieo "Ich hätte gerne einen Wollmantel für hübsch" sind beide seit Jahren unerfüllt. Daher habe ich kein schwarzes Paar Sandalen und keinen Wollmantel für hübsch. Ich sollte also vielleicht ergänzen: Wenn ich dann nicht das finde, was ich wirklich möchte, kehre ich mit leeren Händen nach Hause zurück und kaufe nichts halbgares."

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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    2. schuhe sind wirklich die seuche. ich stehe bei sandalen ja total auf diese zehentreter mit dem fußbett die sind wie nazis: reintreten und wohlfühlen :D die gibt es ja mittlerweile sogar in vegan UND in größe 43.
      liebst,
      jule*

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    3. Oh ja, Zehentreter brauche ich auch neue. Gut, dass du mich erinnerst. :D
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  2. Uiuiui, was für schwere Fragen! Ich urteile eigentlich immer aus dem Bauch heraus, wenn ich jemanden sehe, an dem ich etwas schön finde. Entsprechend unterschiedlich kann dann das Schöne sein. Bei Hässlichem bin ich ebenso spontan, könnte also nichts so konkret benennen wie du. Aber ich merke auch, das sind alles keine Fragen, die mich umhertreiben.
    LG
    Astrid

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    1. Ja, in letzter Konsequenz ist es immer ein Bauchgefühl, ob etwas schön ist oder nicht.
      Und ich muss sagen: Die Fragen dieses Mal fand ich auch nicht so aufregend wie zum Beispiel die nach unserer stilistischen Prägung oder so.

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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