Mittwoch, 25. Januar 2017

[Rezension] Never Knew Another

Dieses tolle Buch ist verlinkt bei Mittwochs Mag Ich
Worum gehts?
Eine Mensch-zu-Wolf-Gestaltwandlerin und ihr Mann erfahren von ihrem Dämonenkind, das kürzlich getötet wurde. Die Kinder der Dämonen stellen in der geschilderten Welt eine Gefahr dar: Kontakt mit ihnen macht Menschen todkrank, verseuchen ganze Häuser unwiderruflich. In den Erinnerungen des Dämonenkindes begibt sich die Gestaltwandlerin auf Spurensuche - sie versucht, herauszufinden, ob der Getötete Kontakt zu weiteren Dämonenkindern hatte, die es dann ebenfalls zu töten gelte, um die Welt von ihnen zu reinigen.
Auf diese Weise rekonstruiert sie das Leben des Dämonenkindes - als Außenseiter, in stetiger Angst, entdeckt zu werden, ohne die Möglichkeit zu unbeschwerter Interaktion mit Menschen, die bereits durch einen Kuss oder einen geteilten Becher Bier erkranken. Tatsächlich stößt sie auf weitere, die so sind wie er. Und erlebt, wie er zum ersten Mal mit seinesgleichen interagieren kann, ohne Angst, ohne erzwungene Zurückhaltung, ohne sein Selbst verstecken zu müssen.

Wie war's?

In einem Wort: Ungewöhnlich. Und ich meine das zutiefst positiv. Da ist zunächst die Wortwahl und die Art, Sätze zu bilden, die etwas Fremdartiges an sich haben. Ich führe das aber darauf zurück, dass die Erzählerin als Gestaltwandlerin, die viel Zeit in ihrer Wolfsform verbringt, und dadurch nicht menschlich ist. Das kommt zum Ausdruck, wenn sie mit ihrem Gefährten auf telepathischem Wege kommuniziert oder auch wenn sie völliges Unverständnis für die Lebensweise der Stadtmenschen zum Ausdruck bringt. Zugleich ist es ihr auch möglich, tief in die Erinnerungen und Empfindungen anderer einzutauchen und so Ereignisse zu rekonstruieren. Daraus ergibt sich auch eine sehr verschachtelte Erzählungsweise, die sich überhaupt nicht um die Chronologie der Ereignisse kümmert. Da kann es schon einmal vorkommen, dass man das Endergebnis eines Handlungsstranges kennt, bevor man so richtig begriffen hat, worum es darin überhaupt geht. Als würden die Erinnerungsfetzen in ganz assoziativer, unkontrollierter Reihenfolge über sie kommen.

Besonders intensiv habe ich diese "Andersartigkeit" empfunden, wenn die Verbindung mit ihrem Partner dargestellt wurde - die telepathische Kommunikation, die Nähe, die dabei zum Ausdruck kommt und die den Leser dabei gleichzeitig auf Distanz hält, so dass man die Nähe zwar wahrnehmen, aber nicht daran teilhaben kann.

Die Stimmung hat mich sofort in den Bann gezogen. Sie ist durchgehend sehr melancholisch und schwermütig, voller Einsamkeit und Verlust. Das liegt zum einen daran, dass die Dämonenkinder in dieser ihnen feindlich gesinnten Welt aufwachsen und zum anderen daran, dass die Erzählerin, durch deren Augen wir blicken, so abgestoßen ist von den dreckigen und hoffnungslosen Lebensumstände der Menschen. Es ist kein Buch, in das man sich einkuscheln kann, das einem eine Zuflucht vor der Welt böte. Stattdessen schubst es einen grob in das Dilemma, die Nöte der Dämonenkinder miterleben zu können und sich trotz des Mitgefühls nicht des Gefühls erwehren zu können, dass der geschilderten Welt durch ihre möglichst baldige Ermordung ein großer Dienst erwiesen würde.

Dadurch entwickelt sich - zumindest für mich - ein großer emotionaler Sog. Die zwei weiteren Bände werde ich definitiv bald lesen - nicht zuletzt, weil die Geschichte am Ende von "Never Knew Another" noch alles andere als abgeschlossen ist.

Wem bei aller Zuneigung für melancholische Bücher hier der Hoffnungsschimmer fehlt, dem möchte ich noch einmal "Noch so eine Tatsache über die Welt" ans Herz legen, zu dem ich hier eine Rezension geschrieben habe.

As I am a huge fan of fantasy literature, I always look for books that don't follow the old "And then we went on a long journey and in the end, there was a great battle" plot. "Never Knew Another" by J. M. McDermott is very different. It starts with the way it uses words and sentences that feels... strange. Not human - as the main character is a walker who changes from woman to wolf. She and her husband hunt for demon children. These children of demons and humans pollute the earth and make people sick - with their sweat, their blood, all their bodily fluids. They find the corpse of a recently killed demon child and the main character searches his dead mind for memories. She reconstructs his life to find out if he had contact to others like him to be able to hunt and kill them, too. As the memories don't come in chronological order, the reader gets to know some story line's endling before they truly catch their beginning. This is the second reason why the book feels strange at times.

As she searches his mind, she comes across another demon child he met and fell in love with. For the first time, he can hold and kiss someone without being afraid to hurt them. Someone around whom he can be the real him.

The atmosphere is pretty dark. The memories of the demon child are full of loss, loneliness and fear - of rejection, of being killed. At the same time, the reader gets to know the walkers incomrehension and disgust for the way people live in the city. Although one gets to know the demon children and their personal struggles, one feels like it might really be better if they were killed soon - which is not a nice way to feel about anyone.

Fot these reasons, it's not at all a book to snuggle up with if one needs a comforting break from the world we live in. But it had great emotional impact on me and I will definitely read the following two books, as the story is not completed in the first volume.

Kommentare:

  1. Liebe Sabrina
    Hör auf immer so tolle Bücher vorzustellen! ;)
    Ich habe mir erst gerade "Noch so eine Tatsache über die Welt" bestellt und probiere mir gerade Zeit freizuschaufeln um es zu lesen ;)
    Ganz liebs Grüessli
    Katja

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    1. Liebe Katja,
      nein, ich werde bestimmt nicht damit aufhören - dafür lese ich gerade wieder viel zu gerne! :D Ich freu mich unheimlich, dass dich meine letzte Rezension wirklich zum Kaufen angestiftet hat und wünsche dir viel Spaß damit.

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  2. Vielen Dank für die interessante Rezension! Manchmal braucht es ja einfach nur mal einen kleinen Buchtipp, um mal was anderes zu lesen, und das hier klingt wirklich spannend. Wird direkt mal vorgemerkt! Liebe Grüße!
    Nina

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    1. Das freut mich sehr! Wir kennen uns zwar nicht direkt, aber so wie ich dich online wahrnehme, glaube ich, dass das Buch was für dich sein könnte. :)

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